Toilettenbrillenkauf in Havanna

Mit der Entscheidung im Edificio 700 auf dem Campus der CUJAE wohnen zu bleiben und nicht in eine Casa in der Stadt zu ziehen, fiel für mich und Meas, mit dem ich mir ein Zimmer teile, auch die Entscheidung für eine etwas spezielle Anschaffung: Ein Toilettensitz musste her. Nichts Lebensnotwendiges, aber eben doch eine enorme Steigerung des persönlichen Komforts, auf die wir nicht über Monate hinweg verzichten wollten. Also begann die lange Suche nach einem Toilettensitz. Nachdem wir das Sanitärgeschäft in Marianao, dem Vorort süd-westlich von Havanna, in dem sich die CUJAE befindet, schon erfolglos besucht hatten, stellten wir fest, dass wir uns wohl ein wenig mehr Zeit nehmen müssten. Wir bekamen noch den Hinweis, in Playa – einem anderen Vorort – oder eben im Zentrum Havannas zu suchen.
Also besuchten wir einige etwas größere Läden in Playa, waren aber auch hier erfolglos. Weiter ging es ins Zentrum von Havanna in den Boulevard de San Rafael, die Shoppingstraße der Stadt. Nachdem wir alle nicht offensichtlich aussichtslosen Läden der Straße ohne Erfolg durchsucht hatten, kamen wir in ein Kaufhaus für Einrichtungsgegenstände, das auch einige kleinere Sanitärartikel – darunter aber keine Toilettenbrillen– hatte. Allerdings wurden wir hier in das Kaufhaus nebenan verwiesen, das wir sowieso noch als letzten Anlaufpunkt eingeplant hatten. Und tatsächlich kamen wir unserem Ziel hier so nahe wie nie zuvor: es handelte sich um einen Baumarkt, in dem Meas doch tatsächlich Kartons mit Toilettenbrillen und Toilettendeckeln darin entdeckte! Da diese aber nicht in einem Regal, sondern in Kartons lagen, fragte ich einen Mitarbeiter, wie wir nun vorgehen sollten, um einen solchen Toilettensitzt zu erwerben. Dieser sagte uns, dass die Sachen in den Kartons kaputt seien. Ich fragte, ob es von einer der zum Verkauf stehenden Toiletten möglich sei, ausschließlich Deckel und Sitz zu erwerben, er erwiderte aber, dass das nicht ginge. Verzweifelt fragte ich, ob wir denn einen der kaputten Sitze kaufen könnten. Auch das sei nicht möglich. Als ich fragte, ob er denn wisse, wo so etwas zu kaufen sei, verwies er uns auf einen Laden in der Nähe. Also gingen wir in diesen. Tatsächlich gab es hier mehrere schick designte Toiletten in verschiedenen Farben. Einzelne Toilettensitze sahen wir nicht. Also fragten wir an der Kasse nach, ob nur Toilttensitz- und Brille gekauft werden könnten, was der Kassierer verneinte. Also fragte ich, ob er wisse, wo wir so etwas kaufen können. Er verwies uns auf den Baumarkt. Als ich meinte, dass wir in diesem bereits waren und hierher geschickt wurden, schnaubte er ratlos. In diesem Moment sprachen uns von hinten zwei Typen an, die die Situation mitbekommen hatten. Wir suchten einen Toilettensitz und eine Toilettenbrille? Sie hätten einen neuen und würden ihn uns für 50 CUC verkaufen. Wir fragten, ob wir den Toilettensitz zunächst einmal sehen könnten. Das war natürlich garkein Problem. Einer der beiden wartete draußen vor dem Laden mit uns, während der andere in seine Wohnung ging. Wenige Minuten später, kam er mit einem Pappkarton wieder. Aus diesem zog er einen noch original verschweißten Toilettensitz aus dickem Hartplastik. Wir wiesen darauf hin, dass 50 CUC doch ganz schön viel und wir Studierende seien, woraufhin er aber noch einmal die hohe Qualität des Toilettensitzes betonte und darauf verwieß, dass auch Montagezubehör dabei sei. Der Toilettensitz sah tatsächlich dicker und stabiler aus, als viele andere hier und wir hatten uns schon Gedanken über die Montage gemacht. Außerdem waren wir schon so lange erfolglos auf der Suche und schätzten unsere Chancen, zeitnah einen günstigeren Toilettensitz zu erwerben ziemlich gering ein. Schon jetzt war es ja eine ganz schöne Rennerei gewesen… Also willigten wir ein. Wir bekamen den Toilettensitz mitsamt Pappkarton überreicht und bezahlten ihn dann. Die beiden Typen freuten sich und verwiesen darauf, dass sie meistens hier in der Ecke rumhingen, falls es mal wieder etwas gäbe, dass wir bräuchten. Stolz wie Bolle fuhren wir mit unserem neu erworbenen Toilettensitz zurück nach Hause ins Edificio 700 an der CUJAE. Dort haben wir ihn natürlich sofort montiert. Seid dem brauche ich morgens und Abends fünf Minuten länger im Bad, fühle mich in diesem aber auch wohler.
Der letzte Toilettensitz, den ich in Deutschland gekauft habe, war ganz einfach zu bekommen. „Made in Germany“ war er aber bestimmt nicht. Wie lange hätte ich da wohl suchen müssen, wenn sich Deutschland, so wie Kuba, in einer Blockade befinden würde?

Dieser Artikel ist von Fiona.

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