Der 66. Jahrestag des Angriffs auf die Moncada-Kaserne

Es nicht nötig auf Kuba zu leben oder zu studieren, es ist nicht nötig die größte Insel der Karibik mit einem Guide zu bereisen, es ist nicht nötig sich im Vorfeld mit Kuba und seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Bereits ein einmaliger Kurzaufenthalt als Erholungstourist, abgeschottet in einer der vielen All Inclusive Hotelanlagen auf Kuba, genügt, um festzustellen, dass einem auf Kuba immer wieder und an den verschiedensten Orten ein und dieselbe Zahlenkombination begegnet. Nicht etwa 1.5., was für den allen Sozialist_innen so bedeutenden internationalen Kampftag der Arbeiterklasse steht, oder 01.01.1959, der Tag des Triumphs der Revolution. Nein, unmittelbar nach der Ankunft auf Kuba über einen der internationalen Flughäfen, begegnet man auf unzähligen Wandgemälden,  mit weißen Buchstaben auf schwarz-roten Flaggen, auf Buttons, Uniformen, Plakaten usw. immer wieder der Zahlenkombination 26-7 oder zwei weiteren Varianten des Zahlencodes, M-26 und M-26-7. Sie stehen für den movimiento 26 de julio. Die Bewegung des 26. Juli unter Fidel Castro spielte die tragende Rolle in der kubanischen Revolution, deren Triumph zur Befreiung Kubas von beinahe ein halbes Jahrtausend währender Fremdbestimmung ausländischer, imperialistischer Mächte führte. Der Name der Bewegung ist auf die Angriffe auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba und die Carlos Manuel de Céspedes Kaserne in Bayamo, heute vor genau 66 Jahren, am 26. Juli 1953, zurückzuführen. Die Angriffe, an denen etwa 150 Revolutionäre beteiligt waren, wurden von Fidel Castro geplant und im Falle der Moncada-Kaserne auch selbst geführt. Sie hatten zum Ziel, Waffen für den Kampf gegen den kubanischen Diktator Fulgencio Batista, welcher sich im März des Vorjahres an die Macht geputscht hatte, zu erbeuten und weitere revolutionäre Kräfte im Land zum Handeln zu bewegen. Aus militärischer Sicht war die koordinierte Aktion ein Misserfolg. Die Revolutionäre wurden schnell zurückgeschlagen und zahlten einen hohen Blutzoll. In den Gefechten fielen unmittelbar sechs Revolutionäre und in den folgenden Tagen ließ Batista zahlreiche gefangen gesetzte Kämpfer foltern und erschießen. Insgesamt verloren so 55 weitere Revolutionäre ihr Leben.

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Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba.

Nach Intervention des Erzbischof Enrique Pérez Serantes wurden weitere beteiligte Revolutionäre dann vor Gericht gestellt. So auch Fidel Castro, welcher den Prozess dazu nutzte, seine berühmte Verteidigungsrede “Die Geschichte wird mich freisprechen”, zu halten. Die auf den Prozess folgenden Haft im Krankenrevier des Presidio Modelos auf der Isla de la Juventud, nutzten die als politische Gefangene diverse Privilegien genießenden Moncada-Kämpfer zur weiteren politischen Bildung und legten somit einen weiteren Grundstein für die 1959 siegreiche Revolution.

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Fidel Castro unter Arrest, nach dem Angriff auf die Moncada-Kaserne.

Nachdem die inhaftierten Revolutionäre, unter ihnen auch Rául Castro, der jüngere Brudes Fidels,  bereits am 15. Mai 1955 im Zuge einer Generalamnestie nach weniger als zwei Jahren Haft freikamen wurde am 12. Juni 1955 die Bewegung des 26. Juli auf Kuba gegründet. Anschließend ging Fidel Castro mit weiteren Kämpfer der Bewegung ins Exil nach Mexiko, wo sie militärisch ausgebildet wurden und sich auf die bewaffnete Expedition nach Kuba vorbereiteten. Am 2. Dezember 1956 erreichten schließlich 82 Revolutionäre mit der Yacht Granma Kuba und begannen den revolutionären Kampf gegen das Regime des Diktators Batista. Unter den 82 Mitgliedern des M-26-7 befanden sich 20 Moncadistas, also Kämpfer, die bereits an dem Angriff auf die Moncada-Kaserne 1953 beteiligt waren. Zu den 62 neu dazugestoßenen Revolutionären gehörten unter anderem die späteren Comandantes Camilo Cienfuegos und der als el Che bekannt gewordene Argentinier Ernesto Guevara.

flagge 26.

Wandmalerei: Flagge der Bewegung des 26. Juli, und kubanische Nationalflagge.

Auch wenn die Angriffe auf die Moncada- und die Manuel de Céspedes Kaserne am 26.Juli 1953 als militärische Niederlage bezeichnet werden müssen und von einer Tragödie für die Opfer und ihre Angehörigen gesprochen werden muss, sind sie rückblickend als politischer Erfolg zu bewerten. Der Tag markiert den Auftakt einer Bewegung, die Kubas Diktator Batista und seine Schergen letztendlich besiegte und aus dem Land jagte. Die Bewegung des 26. Juli bescherte Kuba das Ende des Polizeistaats. Gerechtigkeit und Fortschritt, wie etwa kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung für jeden, wurden aus den Bergen der Sierra Maestra in die Machtzentren der Hauptstadt Havanna getragen und von dort aus, dank des außergewöhnlichen humanitären Engagements des sozialistischen Inselstaats, auch in viele weitere Teile der Welt.

hasta siempre

„El Che“ und Fidel Castro.

Die historische Bedeutung des 26. Juli 1953 ist allen Kubaner_innen bewusst. Kuba begeht die Erinnerung an die Geschehnisse mit einem nationalen Feiertag.

RG

Das ist ein Artikel von Richard, weitere Beiträge von Richard gibt es hier.

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