Operation Peter Pan: Das Eingreifen der CIA in das Leben von 14000 kubanischen Kindern

Als Reaktion auf die Enteignung aller US-Konzerne in Kuba wurden nicht nur wirtschaftliche Sanktionen von den USA beschlossen. Militärische Angriffe, hunderte von gescheiterten Anschlägen, Zusammenarbeit mit den Mafia-Bossen, die noch nicht über den Verlust ihrer Bordelle, Casinos und ihres lukrativen Drogenhandels nach 1959 hinweg waren, gehörten zur Tagesordnung. Der durch die kubanische Revolution sich verbreitende Unabhängigkeitsdrang vieler lateinamerikanischer Länder und die Ideen einer sozialistischen Gesellschaft stellten eine Bedrohung für den US-Imperialismus dar. Dementsprechend wurde am 6. April 1960 „das Provozieren von Enttäuschungen und Entmutigung durch wirtschaftliche Not“ in einem US-Dokument als Ziel aller Sanktionen1 formuliert. Der damalige Staatssekretär Lester Malory verfasste in einem Memorandum:

,,Die Mehrheit der Kubaner unterstützt Castro […]. Es gibt keine wirksame politische Opposition. Das einzige absehbare Mittel, um ihre interne Unterstützung zu nehmen, ist mittels Enttäuschung und Unzufriedenheit aufgrund wirtschaftlicher Mängel und wirtschaftlichen Elends […] das Wirtschaftsleben zu schwächen […] und Kuba Geld und Versorgung zu rauben, um die Nominal- und Reallöhne zu reduzieren und Hunger, Verzweiflung und den Sturz der Regierung hervorzurufen“.2

Da die kleine Insel beschloss „vom Objekt der Besatzer- und Kolonialmächte zum Subjekt seiner eigenen Geschichte“3 zu werden, droht die schon angespannte Stimmung im Zuge des Kalten Krieges zu eskalieren. Um die Revolution zu bekämpfen, beschloss die US-Regierung mit „Operation Mongoose“ mehr als 30 Operationen, welche ab 1963 unter dem Namen „Integrated Covert Action-Program“ fortgesetzt wurden. Wirtschaftssabotage, Bewaffnung von Oppositionellen und unzählige Propagandaaktionen gehörten zu den Maßnahmen, um den Antikommunismus zu verbreiten und die kubanische Bevölkerung dazu zu bewegen, die Konterrevolution zu unterstützen (hier gehts zum Artikel von Tobi über die Kubapolitik der USA). All die Millionen Dollar, die die USA in ihre Anti-Kuba Politik investierte und bis heute noch investiert, schafften es nicht die Bevölkerung gegen ihre revolutionäre Regierung aufzubringen.

Operation Peter Pan

Operation Peter Pan (in Kuba operación pedro pan) ist eine dieser Maßnahmen, um den Kubanern Angst und Schrecken vor der jungen revolutionären Regierung einzujagen. Indem man kubanische Eltern glauben ließ, die kommunistische Regierung entziehe ihnen das Sorgerecht für ihre Kinder und verschiffe sie anschließend in die Sowjetunion, wurden über 14 000 Minderjährige in die USA geflogen. Das Propaganda Projekt begann im Dezember 1960 und lief bis Oktober 1962.

Jose Pujals Mederos war ein kubanischer CIA-Agent und einer der ersten Beteiligten, der die falsche Akten in Kuba zur Initiation der Operation anfertigte. Ein weiterer wichtiger Kopf der Operation war Ramon Grau Alsina, Cousin des Expräsidenten Ramon Grau San Martin. Als Teil der wohlhabenden Elite widmete er sich terroristischen Aktivitäten, um den Sturz der revolutionären Regierung um Präsident Fidel Castro Ruz´ hervorzurufen. Er versandte ein wichtiges Papier für die CIA zur Initiation des Einsatzkommandos. In diesem Papier kommt die wichtige Rolle des U.S. State Departments, der katholischen Kirche in Miami und einiger konterrevolutionären Organisationen bei der Durchführung der Operation Peter Pan zum Vorschein.

Das Patria Potestad Gesetz (zu Deutsch: Sorgerecht der Eltern) war der Kern der antikommunistischen Propaganda. Gemäß der Propaganda würde Fidel Castro bald schon das Patria Potestad Gesetz verabschieden und somit allen Eltern das Sorgerecht für ihre Kinder ab dem dritten Lebensjahr entziehen und sie in staatlichen Heimen unterbringen. Den Kontakt zu ihren Eltern würde Fidel Castro verbieten.

Die CIA hat in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche an privaten, katholische Schulen Eltern von SchülernInnen erklärt, die KommunistInnen würden ihnen ihre Kinder wegnehmen und in die Sowjetunion schicken. Die Absurdität der Propaganda erreicht ihre Spitze, als die Unwahrheit verbreitet wurde, dass Kinder ab ihrem dritten Lebensjahr in der Sowjetunion „einer kommunistischen Gehirnwäsche“ unterzogen werden würden. Doch viele Eltern sind verunsichert und in ihrer Unwissenheit und im guten Glauben an die Kirche, vertrauen Sie ihnen ihre Kinder an. Die meisten Kinder werden direkt in die USA geflogen, andere über Drittländer in die USA gebracht.

Neben katholischen Pastoren wurden auch von der CIA finanzierte Radiosender zu Verbreitung dieser Propaganda genutzt. Radio Swan, ein konterrevolutionärer Sender, der von der CIA genutzt wurde, rief im kubanischen Rundfunk kubanische Mütter dazu auf, sich „ihre Kinder nicht wegnehmen zu lassen“.

Bryan O. Walsh, ein Pater aus den USA wurde durch das Catholic Welfare Bureau dazu autorisiert, kubanischen Kindern das Einreisevisum für die USA auszustellen. Damit schaffte er es als Mitglied der alten katholischen Hierarchie in Kuba 14,048 Kindern dieses Visum auszustellen. Vorerst wurden die kubanischen Kinder in Flüchtlingslagern in Miami aufgenommen und anschließend von der Katholischen Kirche in Pflegefamilien oder Pflegeheimen untergebracht. Doch alle wurden in unterschiedliche Staaten der USA zerstreut.

Im Dezember 1962 gab ein hoher Funktionär des United States Social Security Administration bekannt, dass ca. 4000 Kinder nicht wieder mit ihren Familien in Kontakt kamen.

Ein großer Teil der Peter Pan-Kinder kann kein spanisch und weiß nichts über seine kubanischen Wurzeln oder das Propaganda Projekt, dass sie in die USA brachte.

Im Dokumentarfilm „Operación Peter Pan Volando de Vuelta a Cuba“ von Estela Bravo aus dem Jahr 2011 werden einige dieser jetzt erwachsenen Peter Pan-Kinder, interviewt und es wurde aufgezeichnet, wie sie zum ersten Mal als Erwachsene wieder zurück nach Kuba fliegen. Sie erzählen von ihren Erlebnissen und von dem was ihnen noch in Erinnerung geblieben ist von ihrer Kindheit und der plötzlichen Ankunft in den USA. Im Film wird deutlich, dass es neben den Kindern, die in Familien kamen, in denen sie gut aufgenommen wurden, auch andere Fälle gab (vermutlich mehr als bekannt ist), bei denen einige Kinder von ihren Pflegeeltern sexuell belästigt und missbraucht wurden. Außerdem kommen im Film die Narben der Trennung zum Vorschein. Menschen, die in einer wichtigen Phase ihres Lebens von ihren Eltern, Freunden und ihrer Heimat Kuba isoliert wurden.

Ich erinnere mich, als im Oktober 2016 an der Ciudad Libertad (Schule in Havanna) an einer Veranstaltung teilgenommen habe, die an allen Schulen und Universitäten durchgeführt wurde. Es geht dabei darum Studierende über ein sogenanntes „Stipendienprogramm“ der USA das sich „World-learning“ nennt und speziell an kubanische Jugendliche ausgerichtet ist, auf zu klären. Ziel dieses Stipendienprogramms ist die ideologische Schulung, um jugendlichen KubanerInnen zu vermitteln, dass der Sozialismus bekämpft werden müsse und somit eine Konterrevolution auszulösen. Auf dieser Veranstaltung wurde getanzt, gesungen und es wurden Reden von der Studierendenvereinigung gehalten als eine Antwort auf die vergeblichen Versuche der USA die Jugend gegen den Sozialismus aufzubringen.

Dieser Artikel ist von Dilara. Hier  geht es zu weiteren Artikeln von ihr.

1 2014 belief sich der durch die US-Blockade verursachte Schaden für Kuba auf 116 Milliarden Dollar.

3 Quelle Volker Hermsdorf: „Die Kubanische Revolution“ PapyRossa, 2015

LINKS

Estela Bravo Infos und Filme http://www.estelabravo.com

Artikel (span.) zum Besuch der Peter Pan Kinder auf Kuba

http://www.cubadebate.cu/especiales/2010/12/02/ellos-se-fueron-de-cuba-pero-cuba-nunca-se-fue-de-ellos/#.WbBUO9FpzIV

FILM

Estela Bravo: OPERATION PETER PAN: FLYING BACK TO CUBA (2011), 57 min , Englisch-

Spanisch

https://www.youtube.com/watch?v=F1rr6lPHiMA

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