Warum die Blockade jährlich 70.000 US-AmerikanerInnenn ihre Beine kostet

Dass sich eine Blockade meist gegen die Bevölkerung eines Landes richtet, ist bekannt. Aber, dass sie sich auch gegen die EIGENE Bevölkerung richtet? Wo es so etwas gibt, haben wir auf einem unserer Besuche von Betrieben und Forschungszentren im Rahmen unseres Unterrichts von Problemas Sociales de la Ciencia y la Tecnología erfahren.

Wer sich mit Kuba beschäftigt stößt unweigerlich auf die Blockade. Die Beispiele für ihre Auswirkungen auf die Bevölkerung Kubas sind ebenso zahlreich wie menschenverachtend. Sie erschwert Kubas Zugang zum Weltmarkt und verteuert so sämtliche Importprodukte. Viele Produkte sind in Kuba gar nicht erhältlich darunter auch Medizintechnik, die Augenamputationen verhindern kann, weil sie ausschließlich von US-amerikanischen Unternehmen hergestellt werden.

Wenn auch sicherlich der bedeutendste ist das nur ein Aspekt der Blockade, nur eine Sichtweise. Denn Kuba ist kein Land, das den Machenschaften der US-Politik völlig ausgeliefert ist. Und die Opfer der Blockade sind nicht nur auf der Karibikinsel zu finden

Eine kleine Verletzung – und der Fuß ist in Gefahr

Man schätzt das von den 11 Millionen Kubanern fast eine Million Diabetes haben. Diabetes ist nicht heilbar und bringt eine Reihe von Folgeerkrankungen mit sich. Schon eine kleine Verletzung am Fuß, z.B. weil man sich den Fuß anstößt, kann bei Diabetikern zu einer Wunde führen, die statt abzuheilen, sich entzündet und immer weiter wächst. Diese Krankheit heißt Diabetisches Fußsyndrom und ca. 15% der Diabetiker sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Im schlimmsten Fall muss ein Zeh oder sogar der ganze Fuß amputiert werden um zu verhindern, dass die Wunde sich weiter ausbreitet. Man kann sich vorstellen, was das für die Betroffenen bedeutet. 84% der diabetesbedingten Fußamputationen sind auf diese Krankheit zurückzuführen. Es gibt zwar eine Reihe von Therapiemöglichkeiten, die meistens sind jedoch sehr aufwendig, belastend für den Patienten und nicht selten erfolglos.

Besuch

Einen Tag mit den Forscherinnen und Forschern des CIGB war Teil unseres Unterrichts

Hoffnung aus Kuba

Die weltweit wohl erfolgversprechendste Therapie gegen die Wunden wurde in Kuba entwickelt. Das Medikament Heberprot-P unterstützt den Heilungsprozess und verhindert vor allem in schwierigen Fällen eine Amputation. In Kuba wurden schon 65.000 Patienten behandelt. Entwickelt wurde es vom CIGB (Centro de Ingenería Genética y Biotecnología) einem der größten Forschungszentren Kubas. Im CIGB arbeiten über 1300 MitarbeiterInnen an der Entwicklung und Herstellung von Medikamenten und Impfstoffen für Menschen und Tiere. Es ist eingebettet in das kubanische Forschungsnetzwerk, dessen oberstes Ziel es ist die Bevölkerung mit kostenlosen und hochwertigen Medikamenten zu versorgen. Vielfach heißt das eben auch sie selbst zu entwickeln. Und das durchaus erfolgreich, denn die kubanischen ForscherInnen genießen in der Fachwelt einen exzellenten Ruf. (Einen interessanten Artikel über die Besonderheiten und Ziele der kubanischen Pharmaforschung, hat Karl in seinem Bericht über ein ähnliches Institut geschrieben.)

Kubanische Medikamente in aller Welt – aber nicht in den USA

Diabetes und Fußverletzungen gibt es aber selbstverständlich nicht nur in Kuba. Deshalb wird Heberprot-P bereits in 23 Länder exportiert, darunter viele Länder mit denen Kuba enge Beziehungen im Bereich der Medizin pflegt. Wie das kostenlose Gesundheitssystem hört an den Küsten Kubas auch der Sozialismus auf und so exportiert das Land Medikamente auch für den kapitalistischen Weltmarkt um an dringend benötigte Devisen zu kommen. Doch auch Medizinprodukte unterliegen der Blockade – in den USA ist eine Behandlung mit dem kubanischen Medikament deshalb nicht möglich. Es sind nicht nur die Herzschrittmacher aus den USA, die nicht nach Kuba eingeführt werden können, sondern auch Medikamente wie Heberprot-P die US-amerikanischen Patienten vorenthalten werden. Dabei gibt es in den USA jährlich etwa 80.000 Amputationen in Folge des Diabetischen Fußsyndroms – die nach dem Stand der Wissenschaft fast alle verhindert werden könnten. Das sind Zahlen, die einen zum Nachdenken bringen. Denn auch in den USA gibt eine Reihe von Kräften, die von der Blockadepolitik nicht überzeugt sind. Deshalb schätzen Vertreter von CIGB ein, dass es Medikamente wie Heperprot-P sind, die das Potenzial haben die Blockade zu durchbrechen.

Das Beispiel zeigt, dass Kuba in den sich verändernden Beziehungen zu den USA nicht nur als Markt zu betrachten ist, den sich die US-amerikanischen Unternehmen vor möglichen Konkurrenten aus China oder Russland unter die Nägel reißen wollen. In einigen Bereichen hat Kuba auch etwas, das andere Länder nicht haben, und kann dort deshalb aus einer Position der Stärke in Verhandlungen gehen. Eine Stärke, die es ohne die fast 60 Jahre Revolution nicht gegeben hätte. Denn ohne die folgende Entwicklung wäre Kuba sicher weder in der Lage im großen Stil Medikamente für die eigene Bevölkerung herzustellen, geschweige denn diese zu exportieren.

Centro de Ingenería Genética y Biotecnología (englisch/spanisch)

Heberprot-P (englisch/spanisch)

Dieser Artikel wurde geschrieben von Johannes

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