Fakten statt Emotionen Teil II

Nach Teil I über Bildung und Gesundheit fokussieren wir uns hier auf Fakten im Bereich der Ökologie

Während in vielen Ländern der Regenwald gerodet wird, um den Soja-Anbau voranzutreiben, forstet Cuba auf. 27,3% des Landes sind mittlerweile wieder bewaldet, nachdem in den Jahren der kolonialen Ausbeutung der Regenwald rücksichtslos vernichtet worden war (LINK CUBA LIBRE). Der ,,ökologische Fußabdruck“, welcher sich aus dem ProKopf-Verbrauch an Ressourcen ergibt, wurde mit 150 Nationen abgeglichen. Der Human Development Index hält eine nachhaltige Entwicklung für gegeben, wenn der ökologische Fußabdruck maximal 1,8 Hektar beträgt und der HDI mindestens 0,8. Mit 0,81 auf dem HDI und einem Wert von 1,4 Hektar hat bislang Cuba als einziges Land weltweit diese Werte erreicht. Im Bericht des Global Footprint Networks werden die Hauptverursacher der weltweiten Schieflage klar benannt: EU-Bürger verbrauchen das drei- bis vierfache und US-Amerikaner sogar das 6-fache der ihnen demnach zustehenden Naturressourcen. Ein Resultat dieses Raubbaus an der Natur stellt der von Menschenhand erzeugte Klimawandel dar, dessen verheerenden Folgen sich zum Beispiel in einem Anstieg der weltweiten Naturkatastrophen zeigen. Die immer zahlreicheren und zerstörerischen Hurrikane, welche Cuba immer wieder heimsuchen, richten enorme Schäden an und so war der Staat gezwungen Maßnahmen zur Prävention und zum Schutz der Bevölkerung zu realisieren, die enorme Kosten verschlangen, sich aber als erfolgreich erwiesen haben. Die Vereinten Nationen benannten Cuba als ein hervorragendes Modell im Hurrikane-Krisenmanagement.
Auch fällt speziell in Cuba die positive Verwertung des Themas Nachhaltigkeit in den Medien auf. Neben unzähligen Zeitungsartikeln, wurden auch Werbespots im Fernsehen ausgestrahlt und Ansprachen von zahlreichen Personen des öffentlichen Lebens gehalten, welche den Blick auf ethische und moralische Aspekte forcierten. Es gibt jedoch zahlreiche Faktoren, die trotz aller vorbildlichen Entwicklung nur eine begrenzte Nachhaltigkeit ermöglichen. Genannt seien hier die zahlreichen Oldtimer mit ihrem unverhältnismäßig hohem Schadstoffausstoß und die Entwicklung des Tourismus zum Massentourismus, mit All-Inclusive-Hotels und Reisebusflotten. Gerade der Tourismus erweist sich in vielen Bereichen als zweischneidiges Schwert. (SOPHIES ARTIKEL) Denn gleichzeitig legt Cuba sehr bewusst einen Schwerpunkt auf Öko-Tourismus und pflegt eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Naturschutzgebieten und Nationalparks.
Cuba hatte insbesondere in der Spezialperiode mit der Energieversorgung zu kämpfen, alle acht Stunden wurde der Strom abgeschaltet und auch heute noch kommt es regelmäßig zu kurzen Stromausfällen. 2005 wurden im Zuge der ,,energetischen Revolution“ 262 Millionen US Dollar für die Modernisierung und Instandsetzung des hiesigen Stromnetzes aufgewendet, da bis dahin manche Kraftwerke sogar noch aus der Zeit vor 1959 stammten. Daraus ergab sich eine Reduzierung der benötigten Ölmenge pro Kilowattstunde auf 271 Gramm, es wird geschätzt das Cuba mit dieser Maßnahme 827 000 Tonnen Öl eingespart hat.
Ein weiteres Beispiel für Cubas alternative ökologische Politik stellt ,,Urban Farming“ dar. Auf Grund der Notwendigkeit durch das US-Embargo, war Cuba gezwungen Alternativen zum Import von Nahrungsmitteln zu finden. Es wurden Landwirtschaftsgürtel um die großen Städte herum errichtet und kleine Gartenparzellen innerhalb der Stadt aufgebaut, um die Versorgung durch Gemüse unabhängig von Kraftstoff und Transportmittel sicherzustellen. Bereits Mitte der 90er Jahre gab es schon 30 000 Gartenparzellen für die Metropole Havanna. Die städtische Landwirtschaft ist nun im cubanischen Alltag angekommen (siehe Youtube „Grüne Revolution“) Dennoch ist Cuba immer noch gezwungen den größten Teil der Nahrungsmittel zu importieren, was durch den dramatisch steigenden Weltmarktpreis zusätzlich erschwert wird. Cuba ist gezwungen Devisen zu investieren, die in anderen Bereichen fehlen. Der Ersatz durch Produkte aus heimischer Produktion wird für Cuba nach und nach zur Existenzfrage. Zerstörungen durch Hurrikanes, Sabotageakte durch terroristische Anschläge und die Finanz-, Wirtschafts- und Handelsblockade tun ihr übriges um die Lage zusätzlich zu erschweren.

Schlußwort:

Was Lebensqualität ausmacht, entscheiden wir in der Regel gemäß unserer individuellen Überzeugungen, statt durch Fakten. Vielleicht können diese Fakten aber dazu beitragen, dass neue Überzeugungen geschaffen werden.
Natürlich ist jede Auswahl an Zahlen und Kriterien in einem Artikel selektiv und somit subjektiv, aber sie zeigen in ihrem jeweiligen Kontext eine Vielzahl an gangbaren Optionen auf, ob nun auf Lateinamerika oder Deutschland bezogen.
Man ist sich hier durchaus der eigenen Ausnahmestellung im Weltgeschehen und der daraus resultierenden Verantwortung bewusst. Keiner spricht hier davon bereits das sozialistische Paradies aufgebaut zu haben und  am wenigsten leugnen die CubanerInnen selbst, dass sie mit zahlreichen Problemen oder  Herausforderungen zu kämpfen haben. -Auch, dass es eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis gibt, was den Aufbau des Sozialismus angeht. Entgegen tendenziöser Berichterstattung, werden die Probleme hier offen thematisiert (MEINUNGSFREIHEIT Paula) Man sollte neben der cubanischen Geschichte, welche durch Kolonialismus und Neokolonialismus geprägt ist, (CUBA LIBRE LINK) auch nicht vergessen, dass Cuba zusätzlich zu allen vorhandenen internen Problemen, seit über 50 Jahren einer völkerrechtswidrigen Blockade durch die USA ausgesetzt ist. Von den CubanerInnen wird diese als der längste Genozid in der Geschichte der Menschheit bezeichnet. Cuba hat durch die Blockade laut eigenen Angaben bislang über 1 Billionen Dollar Verlust gemacht.

Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, das trotz aller Destabilisierung von Innen und Außen, zahlreiche staatliche Maßnahmen in verschiedensten Bereichen wirkungsvoll waren und sind und sich der Lebensstandard der cubanischen Bevölkerung beständig verbessert. Das ist keine Propaganda, das sind Fakten. Wichtig bei der Entwicklung und stetigen Verbesserung von Innen ist, dass die cubanische Gesellschaft nicht der Einflussnahme durch Großkonzerne unterlegen ist und das cubanische Parlament demzufolge auch nicht wie bei uns, vom Lobbyismus durchsetzt ist. Hin und wieder gibt es bei uns einen Skandal über die offene Einflussnahme großer Unternehmen, eine anschließende „Hexenjagd“, aber an der gängigen Praxis ändert sich diesbezüglich nichts bei uns in Deutschland.

Dennoch kann es sich lohnen, sich mit folgenden Gedanken zu befassen inwiefern ein Staat grundsätzlich, sofern er die entsprechenden Interessen vertritt, in der Lage ist die Herausforderungen unserer Zeit nachhaltiger anzugehen als per Marktmechanismus, auch wenn es nur in manchen elementaren Bereichen sei.
Warum ist es beispielsweise für die deutsche Bevölkerung notwendig, dass Gesundheit privatisiert wird? Warum werden gewissenlos Methoden, wie zum Beispiel Fracking, eingesetzt, die unsere Umwelt nachhaltig zerstören? Ist der Kapitalismus wirklich das Ende der Geschichte?  Warum ist unser System angeblich alternativlos? Warum werden Begriffe aber keine Tatsachen geändert? Warum achten die Menschen so sehr auf sich selbst, statt sich zusammen zu schließen? Sind diese Entwicklungen des Demokratieabbaus zufälliger Natur oder durch den Menschen geschaffen? Warum ist Deutschland ein so reiches Land und es bleiben trotzdem so viele Menschen auf der Strecke? Warum wird in unserer Wirtschaft dem Profit mehr Wert beigemessen als den Menschen? Wessen Interessen vertritt unsere Politik eigentlich? Was sind die Interessen, die uns Menschen verbinden und nicht spalten? Was bedeutet eigentlich Demokratie und wie demokratisch ist Deutschland wirklich?

Ich habe nicht auf alle diese Fragen eine fertige Antwort, aber ich hoffe ich konnte ein bisschen Eure Neugierde wecken, oder zumindest mal ein kleines Brainstorming meinerseits skizzieren. Ich denke, dass es sinnvoll ist alternative Wege zu gehen und habe hier in Cuba gesehen, dass trotz aller internen wie externen Widrigkeiten, der Wert des Menschen nicht beim Profit aufhören muss und dass es Alternativen zum Common Sense gibt.

Hier geht es zu weiteren Artikeln von Kolja

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Ein Gedanke zu “Fakten statt Emotionen Teil II

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