Fünf Tage ohne Wasser

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Eine lauwarme Brise weht mir übers Gesicht, streicht mir durch die Haare, kühlt mir kurz den Nacken und lässt mich für einige Sekunden den Schweiß auf der Stirn, unter meinen Achseln, ach eigentlich in jeder Falte meines Körpers, vergessen und verweht für einen Moment den Gestank der mich umgibt. Seit mehr als zwei Tagen und vielen schweißtreibenden Aktivitäten – zum Beispiel zur Bushaltestelle gehen – habe ich nicht geduscht. Im ganzen Municipio Playa – und so wie ich gehört habe auch in einigen weiteren Teilen Havannas – gibt es seit dieser Zeit kein fließendes Wasser mehr. Eigentlich steht jedem Bürger Kubas immer ausreichend Wasser zur Verfügung. Doch seit zwei Tagen ist bei uns die Pumpe der Wasserverteilungsstation kaputt und laut Aussage des CDR-Verantwortlichen (CDR Artikel) unserer Straße wird es wohl noch drei weitere dauern, bis sie repariert ist. Was für eine Scheiße. Ich bin sowieso schon durch meine deutschen Kartoffelgene mit fehlender Anpassungsfähigkeit an dieses schwülheiße Wetter gepeinigt und müsste eigentlich fünf Mal am Tag duschen, um den Leuten im Bus neben mir nicht den Weg zur Arbeit zu versauen. Zum Glück hat uns unsere Vermieterin hin und wieder mal eine Flasche frisches Wasser aus ihren letzten Vorräten zur Verfügung gestellt, aber außer um damit den ständigen Durst für ein paar Stunden zu bekämpfen, hilft uns das nicht viel weiter. Aber was soll’s. Geht ja allen so.
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Aprendemos español

Montag morgen, kurz vor Neun betrete ich die Ciudad libertad und mache mich auf den Weg zu meinem Spanischkurs. Dieser findet in der Ciudad libertad statt, einem ehemaligen Militärkomplex der nach der Revolution zu einer Bildungseinrichtung umgebaut wurde. Heute befinden sich mehrere Kindergärten, Grundschulen, weiterführende Schulen, Ausbildungsstätten und die „HoChiMin Schule für Autisten“ auf dem Gelände. Sobald man das Tor durchschritten hat riecht es in der gesamten Umgebung nach Bildung. Der Kurs findet an der Fakultät für Fremdsprachen der pädagogischen Universität statt. Gleich beginnt der Unterricht. ?Hola, como estan? „Guten Tag, Wie geht es euch?“ Das ist meistens die erste Frage unsere beiden Lehrerinnen, die uns sechs Neuen 3 mal die Woche unterrichten. Der Unterricht beginnt immer mit einer Wiederholung der letzten Stunde in der wir alle nochmal die wichtigsten Sachen die wir gelernt haben Revue passieren lassen. Wenn jemand was nicht verstanden hat fällt die Wiederholung auch schon mal länger aus, bis jeder das vorher gelernte auch wirklich anwenden kann. Anschließend erarbeiten wir neuen Stoff und am Ende der Stunde wird nochmal alles zusammengefasst. Beendet wird der Unterricht meisten mit der Frage „Aprenden? Are you learning?“

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Volksfest im Viertel

Vatertag auf Cuba

Vatertag, ein Event, dass in Deutschland oft mit fahrradfahrenden Männergruppen verbunden wird, die betrunken von einer Ortschaft in die nächste radeln oder aber mit dem Bollerwagen unterwegs sind. Auf Cuba wird dieser Feiertag ebenfalls zelebriert, wenn auch nicht wie in Deutschland, 40 Tage nach Ostern an Christi Himmelfahrt, sondern am dritten Sonntag im Juni, der dieses Jahr auf den 21. fiel. Doch hätten mich nicht die neugesprayten Wandgraffitis, die ich an Fassaden von Geschäften entdeckte daran erinnert, dass es sich um den Ehrentag der Väter handelt, hätte ich ihn wohl nicht in Verbindung gebracht mit dem, was sich hier auf der Insel abspielt… Weiterlesen

Integration oder Ausgrenzung?

Chancen und Möglichkeiten beeinträchtigter Menschen auf Cuba

„Auf Cuba werden behinderte Menschen von der Gesellschaft ausgeschlossen, haben keinerlei Rechte und erhalten ebenfalls keine Unterstützung vom Staat“ als ich diesen Satz im Internet lese werde ich  zornig. Ist er doch so weit von der Wirklichkeit entfernt, die ich hier Tag für Tag erlebe. Erst gestern sah ich eine blinde Frau, die eine Kreuzung überqueren wollte. Doch bevor sie nur einen Fuß auf die Straße setzten konnte, kam schon ein Gemüsehändler angelaufen, dessen Karren an der Ecke aufgebaut war, um ihr zu helfen. Seinem Kunden überließ er so lange die Obhut seiner Waren. Oder  mir kommt das Bild des Straßenverkehrsmitarbeiters in den Sinn, dem ich regelmäßig vor der Coppelia, einer Eisdiele in der Innenstadt Havannas, begegne und der an einer Sprachstörung leidet, so dass es ihm unmöglich ist, Wörter zu formen. Weiterlesen