Der Tagesbeginn in Kubas Schulen oder: Was ist ein Matutino?

Gewöhnlich beginnt für die Schüler*innen in Kuba der Schultag um 07:30 Uhr mit einer Morgenroutine vor dem Unterricht, die in etwa aus folgenden Elementen besteht: Die Schüler*innen der verschiedenen Klassenstufen stellen sich in Reihen nebeneinander auf dem Schulhof auf, es wird die kubanische Nationalfahne gehisst und die Nationalhymne sowie die Schulhymne gesungen und ehe es in die Klassenräume geht hält der/ die Schuldirektor*in eine Ansprache, in der Lernziele ausgesprochen werden und Disziplin angemahnt wird. Von Zeit zu Zeit wird diese Morgenroutine, die Matutino (dt. morgendlich) genannt wird, zu einem größeren Festakt ausgeweitet. Diese größeren Matutinos gibt es zu Ehren wichtiger Persönlichkeiten der kubanischen Geschichte und zu bedeutenden historischen Daten. An einem solchen Matutino aus Anlass der Todestage von Che Guevara (08. Oktober) und Camilo Cienfuegos (28. Oktober) sowie des Beginns des ersten Unabhängigkeitskriegs am 10. Oktober 1868 (Heute Tag der kubanischen Kultur) habe ich am 12.10.2018 in der Sekundarstufe in La Demajagua auf der Isla de la Juventud teilgenommen.  Am Tag zuvor hatte ich bereits beobachtet, wie der etwa dreiviertelstündige, historisch-politische Festakt vorbereitet wurde und die Schüler*innen mit ihren Lehrerinnen geprobt hatten.

Schon von weiter weg signalisierte die über Boxen abgespielte Musik, dass heute kein normales Matutino stattfindet, denn gewöhnlich wird auf dem Schulhof keine Musik abgespielt. Angekommen auf dem Schulhof füllt sich der Platz rasch mit uniform in senfgelben Röcken bzw. Hosen und weißen Hemden gekleideten Schüler*innen. Pünktlich um 07:30 stellen sich die Schüler*innen in Reihen auf und eine ausgewählte Gruppe begrüßt die Schulgemeinschaft. Anschließend wird heute die Musik der Nationalhymne abgespielt, zu der die Hymne gesungen und die Fahne gehisst wird. Außerdem legen Schüler*innen vor einer Büste José Martís einen Kranz nieder. Nun werden von den Schüler*innen Texte verlesen, die an das Wirken der beiden Revolutionäre erinnern. Zwischendurch wird auch das bekannte Lied „Commandante Che Guevara“ eingespielt, ohne dass mitgesungen wird. Außerdem gibt es, ehe alle in ihre Klassen gehen, die Aufführung einer Theaterszene. In diesem spielen ein paar ausschließlich männliche Schüler arbeitende Sklaven, die unter den Augen einer höhergestellten Person mit Macheten auf einem Feld arbeiten. Am Ende spricht der Sklavenbesitzer einen Text, in dem er alle Kubaner*innen zum Unabhängigkeitskampf auffordert  und seine Sklaven zu freien Menschen macht.  Diese strecken daraufhin ihre Macheten in die Luft und alle rufen mit voller Inbrunst: „Viva Cuba libre!“. Diese szenische Darstellung war eine Referenz an Carlos Manuel Céspedes, der als Großgrundbesitzer mit der Befreiung seiner Sklaven am 10. Oktober 1868 den ersten Unabhängigkeitskrieg Kubas gegen die spanische Kolonialmacht einleitete. Heute wird Céspedes als „Padre de la patria“ (Vater des Vaterlandes) bezeichnet, weil er alle Kubaner als seine „Söhne“ ansah und den Kampf auch nicht gegen die Befreiung seines Sohnes aus spanischer Gefangenschaft einstellen wollte.

Durch das ständige Behandeln der eigenen Geschichte, nicht nur in üblichen Unterrichtsstunden, sondern u.a. auch durch diese lebendigen Matutinos, wird die kubanische Geschichte auch in der Jugend wach gehalten. Die Kenntnis der eigenen Geschichte ist eine beeindruckend große Stärke des kubanischen Volkes und ein wichtiger Faktor für die Kontinuität der Revolution. Denn nur wer die verlust- und ruhmreiche kubanische Geschichte kennt, weiß die Errungenschaften der Revolution auch um den notwendigen Preis zu verteidigen.

Werbeanzeigen

Kicken in Marianao – Wie ein Ort Menschen verbindet

Wanderung durch Marianao

Es ist später Nachmittag in La Habana, der bisherige Tag verlief sehr angenehm und da wir noch relativ neu in der Stadt sind, haben wir beschlossen, zu zweit ein wenig Marianao zu erkunden. Marianao ist das Stadtviertel von La Habana, in welchem wir die nächsten Monate lang leben werden und in welchem sich auch die CUJAE, unsere Universität befindet. Um diese Uhrzeit sind Sonne und Temperatur nicht mehr so drückend wie tagsüber, stattdessen streicht eine angenehme Brise durch die Stadt. Diese Kombination schafft pro Tag etwa zwei bis drei angenehme Abendstunden, bevor die Sonne untergeht. Weiterlesen

Sport ist ein Recht des Volkes

Sport ist auf Cuba weit verbreitet und schafft Zusammenhalt in der Bevölkerung

Für die cubanische Bevölkerung hat der Sport einen besonders hohen Stellenwert und ist heute zu etwas alltäglichem geworden. Auf jedem grünen Fleck sieht man Jugendliche Baseball, auf den Plätzen Basketball und auf den Straßen Fußball spielen. Wenn es keinen Platz gibt, wird improvisiert. In den Parks treffen sich ältere Frauen zu Thai Chi, vor vielen Häusern spielen Männer Schach und überall in der Stadt sind kleine Zirkel aus Kraftgeräten aufgebaut. In den Universitäten gibt es diverse Sportspiele und cubanische Leistungssportler sind international sehr erfolgreich. Große internationale Sportereignisse werden von der sportinteressierten Bevölkerung gespannt vor dem Fernseher verfolgt – es wird mit gefiebert, mit gejubelt und mit getrauert. Allerdings sah es vor der Revolution mit dem Sport auf Cuba noch anders aus. Weiterlesen