Kapitalismus im Sozialismus: Herausforderungen und Perspektiven für Kubas Gewerkschaften

ctc-logoDer Sektor der Privat- und Kooperativwirtschaft wächst seit der ökonomischen Teilöffnung Kubas. Viele Beschäftigte in nicht-staatlichen Betrieben finden sich nun in kapitalistischen Produktionsverhältnissen wieder – eine neue Erscheinung, mit der die postrevolutionäre kubanische Gesellschaft sich in diesem Ausmaß erstmalig konfrontiert sieht. Natürlich bringen diese Entwicklungen auch Notwendigkeiten mit sich, im Besonderen für die Gewerkschaften, die ihre bisherigen Funktionen anpassen müssen. Verfügt Kuba über die Instrumente, den kapitalistischen Tendenzen Einhalt zu gebieten? Eine Abwägung zwischen wirtschaftlichen Zwängen und Möglichkeiten zur Interessenvertretung Angestellter im Transit zum Sozialismus. Weiterlesen

Kuba bereitet nächsten Parteitag vor

Logo_7_Congreso_bigVom 16. bis zum 18. April wird in Havanna der VII. Parteitag der regierenden Kommunistischen Partei (PCC) tagen. Nach fünf Jahren findet damit in Kuba wieder der nächste reguläre Parteikongress statt, bei dem der politische Kurs des Landes zum Jahr 2021 festgelegt werden soll. Auf dem letzten Parteitag 2011 verabschiedeten Kubas Kommunisten ein umfassendes Reformprogramm, welches in Form der 313 “Leitlinien zur Wirtschafts- und Sozialpolitik” bis zum nächsten Parteikongress umgesetzt werden sollte.

Weiterlesen

Kooperativen im cubanischen Sozialismus

Alte Konzepte neu verwirklicht?

Die Straße ist staubig, heiß, und voller Menschen, die auf ihrem Heimweg der sengenden Sonne entfliehen wollen. Ich stehe am Bordstein des Hospital Militar und warte vergeblich auf meinen Linienbus, den sogenannten Guagua, welcher mich direkt zu meiner Wohnung, einer Casa particular im Stadtzentrum, bringt. 
Plötzlich kommt ein moderner gelber Minibus mit verdunkelten Scheiben und Platz für ca. 30 Menschen um die Ecke gebogen. Verwundert über das so andere Erscheinungsbild des Busses, an dessen Vorderseite Cooperativa 1 steht und der sich von den mir bekannten Linienbussen im Erscheinungsbild krass abgrenzt, erkundige ich mich beim Fahrer über das Ziel und steige ein.
Mein Sitznachbar erklärt mir bei angenehm kühler Temperatur des klimatisierten Busses und auf gepolsterten Sitzen, dass wir gerade mit einer der neuen Transportkooperativen unterwegs sind. Die Legalisierung von Kooperativen wie dieser, die neben den Menschen die auf eigene Rechnung arbeiten (cuenta propistas), heute eine Alternative zur staatlichen Beschäftigung darstellt, sind integraler Bestandteil des Aktualisierungsprozesses der cubanischen Wirtschaft. Sie sollen unter anderem die Effizienz und Qualität der Dienstleistungen fördern und die Produktivkräfte entwickeln. Weiterlesen

Steht Cuba vor dem Ausverkauf? Teil 1

Eine kurze Abhandlung über Cubas Außenpolitik nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Ostblocks

Cuba und die EU

Fidel Castro, der Revolutionsführer der für einige als das letzte Relikt des kalten Krieges gilt und schon hundertfach totgesagt wurde, lächelt qicklebendig von den Auslagen der Zeitungsstände. Sogar eine ganze Fotoserie widmet sich ihm und seinem hochrangigen Besuch.

 Er empfängt niemand Geringeren als Francois Hollande, den Präsidenten Frankreichs, der mit einer Wirtschaftsdelegation und sieben Ministern angereist ist.
 Fidel, der sich 2006 aus gesundheitlichen Gründen von seinen politischen Ämtern zurückgezogen hat, kommt damit der Bitte Hollandes nach, der sich ein persönliches Treffen ihm gewünscht hatte.  Doch nicht nur der französische Staatschef ist auf Reisen. Weiterlesen

Kein Bier mehr zum Geburtstag

Sollte die „Libreta“ als System der Verteilung von Lebensmitteln abgeschafft werden?

Überall sieht man diese kleinen Heftchen. Wenn CubanerInnen in den staatlichen Vergabestellen für Bezugsleistungen, den sogenannten Bodegas, einkaufen gehen, zücken sie ihre Libreta, um damit Nahrungsmittel und Haushaltswaren zu erhalten. In der Bäckerei gibt es sogar eine eigene Schlange für die Kunden mit Libreta, wo sie für ein Brötchen anstatt dem normalen Preis für 1 Peso (ca. 3 Euro Cent), nur 5 Peso Cent bezahlen (umgerechnet 0,15 Euro Cent). Doch was steckt dahinter, wie funktioniert dieses System der Lebensmittelverteilung und woher kommt es? Weiterlesen

Der Mann, der John Lennon die Brille aufsetzt

Über Aktualisierungen und Massenentlassungen

Im Stadtteil Vedado von Havanna, nah der angesagten 17. Straße, sitzt John Lennon auf einer Bank – zumindest könnte man das denken, wenn man Nachts aus dem Club „Submarino Amarillo“ (Yellow Submarine) stolpert.  Steht man tagsüber vor der lebensgroßen Bronzestatue, erhebt sich ein alter Mann von der Bank nebenan, nähert sich mit langsamen Schritten und setzt John Lennon eine Brille mit den typischen runden Gläsern auf. Das ist sein Job, dafür wird er bezahlt. Weiterlesen