Das Weiße Haus der Studierenden

Casa Estudiantil

Ich starre auf die Uhr. In Deutschland ist gerade 4:12 Uhr, auf dem Zimmer meiner Unterkunft, an der CUJAE der technischen Uni von Havanna ist es 22:12 Uhr. In der Hand habe ich die „Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano und muss an den heutigen Tag denken, als ich lese:

Elf Monate genügten den britischen Besatzungstruppen, um eine Anzahl von Sklaven einzuführen, die normalerweise im Verlaufe von fünfzehn Jahren ins Land gekommen wären, und seit jener Epoche war die cubanische Wirtschaft ausschließlich auf die ausländischen Zuckerbedürfnisse eingestellt. Die Sklaven sollten die begehrte Ware für den Weltmarkt herstellen, und ihr saftiger Überpreis ist seither der einheimischen Oligarchie und den Interessen des Imperialismus zugute gekommen. “
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9 Tage Fidel – Eine Revolution im Wandel, eine Revolution ohne Fidel

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Den Spanischkurs beenden wir heute schon früher, denn heute ist kein gewöhnlicher Tag. Heute ist der vierte Tag Staatstrauer nach Fidels Tod. Wie schon einen Tag zuvor sind die Menschen auf den Platz der Revolution in Havanna eingeladen, um sich von dem Mann zu verabschieden, der über 50 Jahre lang die kubanische Revolution mit seinen Ideen angeleitet hat. Schon gestern habe ich auf dem Platz die Vorbereitungen für den heutigen Tag gesehen, zu dem auch Präsident*innen und Vertreter*innen aus verschiedenen Ländern eingeladen sind, um an dem kubanischen Gedenkakt teilzunehmen und ihre Verbundenheit mit Fidel, seiner Politik und seinen Ideen zu unterstreichen.

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Das Einfache, das schwer zu machen ist

Sozialismus im Alltag

„Sozialismus bedeutet Gerechtigkeit. Keiner hat hier etwas. Da sind wir alle gleich.“ Ohne mit der Wimper zu zucken, oder die Stimme zu senken, wie es so gerne in den westlichen Medien dargestellt wird, antwortet mir meine Nachbarin auf die Frage, was für sie Sozialismus bedeutet. Eine Antwort, die wohl jeder Spitzenpolitiker in Deutschland mit einem zustimmenden Nicken bestätigen würde. Hört man in den Industrienationen doch so oft von der prekären Situation der Bevölkerung sozialistischer Staaten, die kein Eigentum besäße, da alles in staatlicher Hand zentral verwaltet werde und somit keine Möglichkeit bestehe, durch harte Arbeit an Besitz und Reichtum zu gelangen. Weiterlesen

Sport ist ein Recht des Volkes

Sport ist auf Cuba weit verbreitet und schafft Zusammenhalt in der Bevölkerung

Für die cubanische Bevölkerung hat der Sport einen besonders hohen Stellenwert und ist heute zu etwas alltäglichem geworden. Auf jedem grünen Fleck sieht man Jugendliche Baseball, auf den Plätzen Basketball und auf den Straßen Fußball spielen. Wenn es keinen Platz gibt, wird improvisiert. In den Parks treffen sich ältere Frauen zu Thai Chi, vor vielen Häusern spielen Männer Schach und überall in der Stadt sind kleine Zirkel aus Kraftgeräten aufgebaut. In den Universitäten gibt es diverse Sportspiele und cubanische Leistungssportler sind international sehr erfolgreich. Große internationale Sportereignisse werden von der sportinteressierten Bevölkerung gespannt vor dem Fernseher verfolgt – es wird mit gefiebert, mit gejubelt und mit getrauert. Allerdings sah es vor der Revolution mit dem Sport auf Cuba noch anders aus. Weiterlesen

Revolution ohne Superrevolutionäre

Ein Bericht über mein Studium auf Cuba und die Menschen, die mich gelehrt haben, die Revolution mit dem Herzen zu verteidigen

Ein Freund, der selbst ein Mal in Cuba an unserer Fakultät studiert hat, erzählte mir während den Vorbereitungen zu unserem Projekt, von seinen Erfahrungen. Er schwärmte von den Professoren der marxistischen Fakultät der größten polytechnischen Universität Cubas, der CUJAE in Havanna, und verlor sich immer wieder in spannenden Erzählungen von seiner Zeit hier. Eine Geschichte ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Einer seiner Professoren hätte bei ihrer ersten Begegnungen, statt – wie vorgesehen – marxistische Philosophie zu behandeln, lieber in seiner Hand gelesen. Wir sollten uns also schon mal darauf einstellen, dass wir dort nicht unbedingt immer nur die strikten, marxistisch-leninistischen Lehren erhalten würden, die man an einer Fakultät für Marxismus vielleicht vermuten könnte. Weiterlesen

Zukunftpläne?

Entdecke eine andere Welt

Wie die Zeit rast! Eben sind wir noch mit bröckelnden spanisch Kenntnissen am Flughafen von Havanna gelandet und haben mit großen Augen diese andere Welt bestaunt und jetzt ist für einige von uns das Ende ihres Aufenthaltes schon erschreckend nah gekommen. Da wir die vergangenen Monate hier auf Cuba so genossen haben und auch jeder weitere Tag neue Entdeckungen und Erlebnisse mit sich bringt, würden wir uns unglaublich freuen, wenn wir einige Nachfolger hier auf Cuba begrüßen könnten, die ihre eigenen Spuren auf der kleinen Insel hinterlassen wollen. Dabei geht es uns nicht darum, ausschließlich vorgefertigte Ideen und Konzepte weiter zu reichen, sondern die Möglichkeit zu eröffnen eigene Wege zu gehen. Wir wollen euch gerne dabei helfen auf eure Art und Weise Teil des Projektes zu werden. Weiterlesen

Drei mal internationaler Tag der Studierenden

Den einen ein Kampftag, den anderen ein Feiertag

17.11.2009 Essen: Ich befinde mich inmitten einer Masse von Schülerinnen und Schülern, wir laufen durch die Essener Innenstadt und brüllen uns die Seele aus dem Leib. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“. Bundesweit finden an diesem Tag Demonstrationen gegen das marode deutsche Schulsystem statt, bundesweit setzen sich SchülerInnen und Studierende gemeinsam für gleiche Bildungschancen für alle ein – Ihre Erfolge sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber der Beginn meines unablässigen politischen Engagements. Weiterlesen