Eine Nacht in Varadero oder wie ich Cuba kennen lernen möchte

Seit dem 19.8. haben wir Semesterferien. Der Unicampus ist wie leer gefegt, die Studentenwohnheime haben geschlossen und bis auf uns, den anderen ausländischen Studenten und den Hunden ist niemand dauerhaft auf dem Campus. Auch wenn der leere Unicampus geisterhaft erscheint und die Halbzeit – oder das Ende unserer Zeit hier einleutet, gewöhnt man sich schnell daran – wir haben Ferien oder Vorlesungs freie Zeit. Die ersten Tage wurden voll ausgenutzt, mit lauten Musikboxen sind wir über den Campus gezogen und haben uns an dem Echo der leeren Gänge zwischen den Universitätsgebäuden erfreut.

Eine Freundin hat uns eingeladen hat, sie bei sich zu Hause zu besuchen. Weiterlesen

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Ein Ballettabend

Vor einigen Wochen haben wir uns die Zeit genommen, uns eine Aufführung des Ballet Nacional de Cuba anzusehen. Das Ballet Nacional de Cuba wurde 1959 von der Tanz-Diva Alicia Alonso gegründet. Sie ist 1927 in Havanna geboren und war schon als Kind eine außerordentlich talentierte Tänzerin. In den 30er Jahren ging sie nach New York, um an der School of America Ballett studieren. Obwohl sie seit dem Alter von 19 Jahren an ihrem linken Auge fast blind ist, hat sie regelmäßig auch an Broadway-Aufführungen, sowie als die erste amerikanische Tänzerin am Bolshoi teilgenommen. 1948 kehrte sie nach Havanna zurück. Mit Unterstützung von Batista gründete sie die Alicia Alonso Dance Company. Die Anfangsjahre waren nicht einfach. 1956 musste sie ins Exil, weil sie sich gegen die Batista-Regierung geäußert hatte. 1959 wurde sie gebeten, nach Cuba zurückzukehren… Nun gründete sie das Ballet Nacional de Cuba mit Unterstützung von Fidel Castro. Heute ist sie ein Synonym für das Ballet Nacional de Cuba. Zu ihrer eigenen Komposition gehören vor allem „Giselle“ (auch aufgeführt in Paris) und „Dornröschen“ (auch aufgeführt in Wien und Mailand).

Unser Ballettabend fing mit dem Stück „Estudios para Cuatro“ an. Es war eine Nachahmung der Tangomusik von Astor Piazzola durch den klassischen Tanz mit allen Möglichkeiten, sich frei auszudrücken. Der Choreograph Iván Tenorio ist ein Kenner der Ausdrucksmöglichkeiten des Tanzes und hatte einen Zugang zu der kurvigen Musikalität des Cuatro-Tangos. Die Bearbeitung von Tenorio bindet Vieles der sinnlichen Welt ein, was Tango kommuniziert. Auf einer offenen Bühne hat der Bühnenbildner Ricardo Reymena für dieses Stück eine Atmosphäre der Vorstadt, ein nächtliches Ambiente des sozialen Abseits geschaffen. Das Bühnenbild ruft ein reines Universum des Tangos hervor, bringt uns die Ursprünge des Tangos näher und macht die Absichten der Choreographien greifbar. Denn der Tango hat seine Wurzeln in unteren Sozialschichten und in der Migration und drückt Schmerzen und Melancholie dieser Geschichten aus.

Danach folgte „Muñecos“ – die Puppen – das ewige Thema der Puppen, die in der Nacht zum Leben erweckt werden – schon von Anfang an ein Thema des Theaters. Im Original nach Hans-Christian Andersens Märchen „Der Bleisoldat“ trägt die Puppe ein Kleid aus Pailletten. Dieses Mal eine Cubanische Variante der Puppe mit geflicktem Kleid und ein universaler Bleisoldat. Der Mondschein und die Erzählung lösen das Leben und die Liebe aus. Aber der Glanz des Zaubers kommt zu einem Ende. Im Raum bleibt die Nostalgie. Dieses Ballett wurde 1978 beim internationalen Wettbewerb für Choreographie in Japan prämiert und 1984 in Brasilien wurde diesem Ballett der „Nina Verchinina“-Preis verliehen.

Das dritte Stück war „Das Festival der Blumen in Genzano“. Dieses Ballett wurde am 19. Dezember 1858 in Dänemark uraufgeführt. Der ursprüngliche Choreograph war August Bournonville. Dieses Ballett war ein repräsentatives Beispiel des „Bournonville-Stil“ – der unter anderen Besonderheiten Beintechniken vorzeigt. Alicia Alonso hat seine Choreographie etwas modifiziert. Die Handlung ist die Liebe zwischen Rosa und Pablo und eine Anspielung auf das Festival der Blumen, das heute noch im Monat Juni in Genzano, Italien, aufgeführt wird.

Das letzte Stück war „La Fille Du Danube“ – die Tochter der Donau: das Debüt des Ballet Nacional de Cuba. Dieses Ballett war ein Ballett-Pantomime, das heißt, dass die Tanzenden ihre Mimik und Gestik auf besonders ausdrucksstarke Weise nutzen – uraufgeführt am 21. September 1836 – am Anfang des Zeitalters der Romantik. Die Vorgeschichte: der junge Rudolph, der Ritter von dem Baron Willibald, ist in die „Fleur des Champs“ verliebt, von deren Ursprung zunächst nichts bekannt ist. Sie wurde am Donauufer entdeckt. Sie erwidert Rudolphs Gefühle. Rudolph entscheidet, sie als Frau zu nehmen. Die Liebe auf dem Prüfstand stellend, stürzt sie ins Wasser der Donau. Rudolph ist in Wahnsinnsqualen. Verzweifelt stürzt er auch in die Donau.
Auf der Bühne sehen wir wie in der Tiefe des Flusses Rudolph durch die Königin der Nymphen wieder zum Leben erweckt wird. Um die Authentizität seiner Liebe zu prüfen, befiehlt sie einigen Nymphen, ihn zu verführen. Rudolph erkennt die „Fleur des Champs“ inmitten der Nymphen und gibt wieder eine Liebeserklärung ab. Das Liebespaar fleht die Königin an, sie an die Erde zurückzugeben. Die Königin erfüllt seine Wünsche. Rudolph und Fleur des Champs reisen ab, um die Vollkommenheit ihrer Liebe zu genießen.

Dieser hochwertige Genuss kostete nur 10 Pesos (umgerechnet circa 40 Cent). Die Kultur hat hier die höchste Priorität neben Gesundheitssystem und Bildung.

 

Fotos von Lea

Mehr Gehalt vom Staat – was bedeutet das?

Sommerloch in Kuba. Die CUJAE ist wie leer gefegt, bis Ende August sind Semesterferien und alle kubanischen Studierenden haben ihre Wohnheime verlassen, um zu ihren Familien zurückzukehren oder zu verreisen, die Professor*innen haben ihre Arbeitsplätze verlasssen; lediglich die Verwaltung der Universität ist Wochentags noch auf dem Gelände anzutreffe. Sie und die ausländischen Studierenden, die ebenso wie wir in ihren Unterkünften wohnen bleiben. Ab und zu huschen Straßenhunde, die sich das Gelände zu ihrem zu Hause gemacht haben und von allen akzeptiert werden, die Wege entlang. Nachmittags fegen die Winde der vorbeiziehenden Gewitter über ansonsten verlassene Straßen; das Rascheln der Palmenblätter und Gräser eines der wenigen Geräusche auf dem Universitätsgelände.

Die letzten Wochen vor der großen Abreise waren dafür umso geschäftiger. Tägliche Prüfungen, Praktika, Verteidigungen von Abschlussarbeiten, Jahresabschlussplena, die Studierende und Professor*innen gleichermaßen auf Trab gehalten haben. Mittendrin dann auf einmal die Neuigkeit: Die Gehälter sollen erhöht werden. Weiterlesen

Der 66. Jahrestag des Angriffs auf die Moncada-Kaserne

Es nicht nötig auf Kuba zu leben oder zu studieren, es ist nicht nötig die größte Insel der Karibik mit einem Guide zu bereisen, es ist nicht nötig sich im Vorfeld mit Kuba und seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Bereits ein einmaliger Kurzaufenthalt als Erholungstourist, abgeschottet in einer der vielen All Inclusive Hotelanlagen auf Kuba, genügt, um festzustellen, dass einem auf Kuba immer wieder und an den verschiedensten Orten ein und dieselbe Zahlenkombination begegnet. Nicht etwa 1.5., was für den allen Sozialist_innen so bedeutenden internationalen Kampftag der Arbeiterklasse steht, oder 01.01.1959, der Tag des Triumphs der Revolution. Nein, unmittelbar nach der Ankunft auf Kuba über einen der internationalen Flughäfen, begegnet man Weiterlesen

Inmitten der Natur – Ein Vormittag: Rundgang durch Kuba

Jardín Botánico Nacional steht in großen grünen Buchstaben an der Steinmauer neben dem Eingang, auf welchen unser Professor zusteuert. Die Sonne scheint im Zenit auf uns herab, der Himmel strahlt in einem satten blau und vereinzelte Wolken türmen sich weiß in ihm auf und setzen Kontraste. Hinter der Steinmauer und den Zäunen erstreckt sich – mit 600 Hektar und einer Artenvielfalt von über 3000 unterschiedlichen Gewächsen, sowie eine der weltweit größten Sammlungen von Palmen – der Botanische Garten Havannas.

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Ein Tässchen voll Zucker

Es ist halb sechs Uhr morgens. Wir stehen am Busbahnhof von Cabaiguán. Der Großteil unserer Gruppe ist kurz davor, ihren Omnibus Nacional zurück nach Havanna zu besteigen, um in etwa sechs Stunden in unserem zeitweiligen Zuhause anzukommen. Um uns herum weitere Menschen, die müde vor ihren Koffern und Rucksäcken stehen. Direkt neben dem kleinen Busbahnhofgebäude hat ein älterer Herr hinter der Balustrade seines Hauses einen Tisch aufgebaut, hinter dem er sitzt und aus einer Thermoskanne süß-zuckrigen Kaffee in kleine Tässchen gibt und zum Üblichen Preis von 1 Peso Cubano verkauft.

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