Besuch einer Kindertagesstätte

Auf der Isla de la Juventud hatte ich das Vergnügen, eine staatliche Kindertagesstätte besuchen zu können. In einem spontanen Moment ging ich dorthin und trotz eines zeitgleich stattfindenden Elterntages konnten sie mir viele meiner Fragen beantworten.

Pädagogik
Die Pädagogik fokussiert sich auf einen inklusiven Umgang mit den Kindern. Sie haben das Recht, in ihrer Vielseitigkeit wertgeschätzt zu werden. Dazu ist es erforderlich, ihnen ein liebevolles, respektvolles und wertschätzendes Umfeld zur effektivsten Entfaltung der angeborenen Talente bereitzustellen. Die Jahrespläne beinhalten die wichtigsten zu entwickelnden Fähigkeiten, sowohl der Kinder als auch der Mitarbeitenden. Die Kita übernimmt dabei eine aktive Erziehungshaltung, evaluiert die Ergebnisse und kontrolliert die zu erreichenden Vorgaben. Alle staatlichen Kitas leben einen demokratischen Erziehungsstil, die Kinder haben in diesem ein Mitbestimmungsrecht bei alltäglichen, sie betreffenden Entscheidungen.

Austausch
Es herrscht ein reger Austausch zwischen den Familien, Pädagoginnen und Organisationen in der Institution. Dazu werden die Eltern monatlich in die Kita eingeladen und über die neuesten Entwicklungen informiert. Zudem geben die Kitas den Eltern die bis dato aktuellsten zu erlernenden Fähigkeiten, stark an den Entwicklungsplänen angelehnt, mit. Damit auch ausserhalb der Kita eine umfängliche Erziehung ermöglicht wird, können die Eltern Fachliteratur von der Kita beziehen und bei Fragen diese vor Ort klären.

Patriarchat
Aufgrund der noch bestehenden patriarchalen Familienstruktur ist es zum momentanen Zeitpunkt Männern nicht möglich, in der Vorschulerziehung zu arbeiten. Es wird damit begründet, dass sich die Eltern und Verwandten unwohl fühlen, wenn beispielsweise ein Mann bei einem Mädchen den Intimbereich reinigt. Zu beachten ist ebenfalls, dass der „Machismo“ in lateinamerikanischen Ländern und Kulturen einen dominanteren Charakter hat als in anderen Gesellschaften.

Tagesprogramm
Der Kitatag beginnt mit einer Morgengymnastik. Danach wird über das tägliche Wetter gesprochen und den Kindern so das Verständnis von Jahreszeiten nahegebracht. Anschliessend gibt es eine Aktivität und Spielzeit vor dem Mittagessen. Nach dem Schlafen gibt es wieder eine Aktivität und zum Abschluss des Tages die Möglichkeit einer weiteren Spielzeit. Zu den Aktivitäten zählen beispielsweise Übungen mit Musik, Malen und Ausflüge. Diese dauern ungefähr zwischen 6, 15 oder 25 Minuten und sind sowohl an den Entwicklungsstand als auch an die Auffassungsgabe der Kinder angepasst.

Umgang mit Medien
Die Digitalisierung der Gesellschaft hat einen Einfluss auf alle Beteiligten. Dazu gibt es in Kuba eine Sensibilisierung, welche bereits in jungen Jahren beginnt. Die älteren Kinder (fünf & sechs Jahre) bekommen pro Woche insgesamt eine Stunde Zeit zur Benutzung digitaler Medien. Dazu gehören Kindersendungen oder Förderprogramme (Erkennung von Formen, Farbenlehre oder auch Sprachübungen) am Computer.

Integration eines neuen Kindes
Es gibt keine fixe Eingewöhnungszeit. Dies wird damit begründet, dass jedes Kind eine eigene Wahrnehmung von der Situation hat, nicht zuhause zu sein. Daher kann die Eingewöhnung sieben oder auch mehr Tage dauern. Sie endet erst, wenn die Kita zum neuen Wohlfühlort des Kindes geworden ist.

Eckdaten zur Kita
Diese Kita betreut 180 Kinder am Tag und fasst 30 Kinder pro Gruppe. Die Gruppen werden in jährliche Altersklassen, also 1, 2, 3 Jahre etc. eingeteilt. Sie hat von sechs Uhr morgens bis um sieben Uhr abends geöffnet. Bringzeiten sind von 6 – 8 Uhr, in Ausnahmefällen bis 9 Uhr. Die Abholzeit beginnt ab 16 – 19 Uhr. Die Arbeitszeit beträgt für alle Mitarbeiterinnen acht Stunden pro Tag.

Ausbildung und Berufe
Die Ausbildung des erziehenden Personals ist hoch. Eine Ausbildung zur Pädagogin dauert 5 Jahre und liegt auf dem Niveau einer Hochschulausbildung. Es gibt Pädagoginnen, Auszubildende und HelferInnen. Die pädagogische Leitung und Tagesverantwortung ist dem diplomierten Personal vorbehalten. HelferInnen müssen mehrere interne Kurse absolviert haben, um zur Arbeit zugelassen zu werden. Zur Einhaltung von Arbeitsrechten und Stärkung der Stellung der Frau in der Gesellschaft sind ebenfalls die Gewerkschaft und die Frauenorganisation in der Institution vertreten.

Für mich war es ein spannender und erlebnisreicher Besuch. Ich selbst habe als Fachmann für Betreuung eine Ausbildung in einer Kita absolviert und deshalb interessierte mich die praktizierte Pädagogik im sozialistischen System in besonderem Maß.

Dieser Artikel wurde von Nils geschrieben. Weitere Artikel findest du hier

Wenn 2 Millionen Menschen Geburtstag feiern

Die Menschenmassen strömen in gleichmäßigem Tempo über die breite Uferpromenade, die zu diesem außergewöhnlichen Anlass für den sonst so hektischen Straßenverkehr gesperrt ist. Lange Schlangen bilden sich vor den rauchenden Pavillons, die unter anderem gebratenes Hähnchen, Dosenbier und Refrescos (Softdrinks) zum Verkauf anbieten. Von links und rechts schallt immer wieder der eingängige Rhythmus des Reggaeton aus Boxen, die von tanzenden Kubanern regelrecht umlagert werden. Die Stimmung wirkt ausgelassen, jedoch liegt in Erwartung des abendlichen Höhepunktes zunehmend Spannung in der Luft. Es scheint, als hätte sich an diesem leicht verregneten Freitag die ganze Stadt zum Auftakt einer besonderen Feierlichkeit versammelt: dem 500. Jahrestags Havannas.

Ein geordnetes Chaos – Menschenmassen auf dem Malecón (eigene Aufnahme)

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Ein neuer Partner

Rückblick:
Das im November 2017 verabschiedete Abkommen zwischen der Europäischen Union und Kuba hat die Novellierung des politischen Dialogs und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zum Ziel. Zuvor hatte die EU noch den sogenannten „gemeinsamen Standpunkt“ – wohlgemerkt aus dem Jahr 1996 – gegenüber dem sozialistischen Inselstaat vertreten, der mitunter von der damaligen rechtskonservativen spanischen Regierung vorangetrieben wurde. Kern dieser Resolution war u.a. das langfristige Ziel eines „Wechsels“ des politischen Systems auf Kuba. Die kubanische Seite lehnte diese Forderung(en) stets ab und verurteilte sie als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes.

Die EU scheint nunmehr, obgleich in dieser Frage nicht mit einer Stimme sprechend, gewillt zu sein, neue Wege der internationalen Beziehungen zu beschreiten. Weiterlesen

Besuch in einem Altersheim

Wie auch andere Proyecto – Gruppen hatten wir während unseren Aufenthaltes auf der Isla de la Juventud die Möglichkeit, ein „Hogar de Ancianos“ (Altersheim) zu besuchen. Die Einrichtung hat ihren Sitz in La  Fe, das sich etwa 36 km entfernt von unserem Dorf „La Demajagua“ befindet. Während wir durch ein riesiges Tor, das auch von WachbeamtInnen bewacht wurde, das Gelände betraten, wurden wir von der Direktorin herzlichst in Empfang genommen und durch die verschiedenen Räumlichkeiten geführt. Das Altersheim wirkte mit den Schaukelstühlen im Innenhof, auf denen einige BewohnerInnen saßen, sehr einladend.  Unser Rundgang fand während der Mittagszeit statt. Immer wieder folgten neugierig wirkende Augenpaare aufmerksam unseren Schritten.

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Auf den Spuren von Che… [part 1]

Bei den Feierlichkeiten zum 60. Jubiläum der CDR wurden wir beim letzten Halt unseres Rundganges Zeugen einer spontan gehaltenen Rede, die uns so beeindruckte, dass wir kurz darauf das Gespräch mit eben jenem suchten, der sie vorgetragen hatte. Dabei stellte sich heraus, dass er der letzte noch lebende Mann auf der Isla de la Juventud ist, der mit Ernesto Che Guevara im Kongo gekämpft hat. Er erzählte von seiner unerwarteten Erkrankung, wie der Che ihn gesund pflegte, ferner von der Solidarität unter den Völkern und wie wichtig es folglich sei, sich im Kampf für die Gerechtigkeit nicht unterkriegen zu lassen.

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¡Llegamos en Cuba Socialista!

Die neue sechsköpfige Bunkista-Gruppe sendet ihr erstes Lebenszeichen von der Isla de la Juventud!

Wir sind am Donnerstag, den 12.09.19, am Flughafen Jose Marti von Kubas Hauptstadt Havanna – vom Flug gerädert und doch glücklich ob der Ankunft – angekommen. Unsere Schweizer GenossInnen konnten ihr Ankommen bereits einen Tag früher genießen. Sie wurden geradezu in das rege Alltagsleben der vorherigen Gruppe hineingeworfen und nahmen in den Abendstunden an einer üppigen Studentenfete im Casa Tamara Bunke teil. Mit etwas weniger Reizüberflutung folgten die übrigen vier von uns. Weiterlesen