Wer rappt, trägt Verantwortung

Hip Hop und seine transformative Kraft im Kampf gegen Rassismus

Mit der Annahme, dass ich mich in den nächsten Monaten mit Salsa und Reggaeton anfreunden müsste (obwohl ich dies tatsächlich mittlerweile tue), wurde ich bereits in meiner ersten Woche in La Habana eines besseren belehrt. Auf einen meiner Irrwege durch Centro Habana lief ich zufällig an der “Agencia de Rap” vorbei. Ich dachte mir “Wow, nice! Was ist das denn?” und stolperte vor den Wachmann um zu fragen. Der zeigte nur auf das Plakat vor der Tür worauf “Simposio de Hip Hop” stand. Da neben sah ich ein komplett 5-tägiges Festivalprogramm mit Workshops, Konzerten und Präsentationen rund um Hip Hop als Bildungsarbeit, Kunst, politische Bewegung etc. mit Künstler*innen und Aktivist*innen aus ganz Lateinamerika. Jackpot!!! Voller Begeisterung stürzte ich mich aufs erste Hip Hop Konzert in der damals noch mir unbekannten Madriguera. Heute, 7 Monate später, ist die Madriguera ein mir wohl bekannter Ort, wo regelmäßig Hip Hop und Kulturevents stattfinden, weil es ein öffentliches Jugendkulturzentrum ist. Heute weiß ich, dass die Agencia de Rap, Teil der staatlichen Kulturarbeit ist, die verantwortlich ist für die Förderung von Künstler*innen und Veranstaltungen der Hip Hop Szene, wie das Simposio de Hip Hop, was ich damals entdeckte. So, werden von der Agencia zum Beispiel auch regelmäßig “Peñas”(freie, offene Konzerte) auf öffentlichen Plätzen, Basketballfeldern u.ä. organisiert, wo das ganze Viertel am Start ist- die Muttis schauen aus dem Fenster, die Kids rennen zwischen dem Publikum und der “Bühne” umher, Touris laufen vorbei und bleiben stehen, die Bauarbeiter pausieren ihre Arbeit und wippen mit, die Alten stellen ihre Schaukelstühle raus…
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Der 1.Mai in Havanna – Ein besonderer Tag, ein besonderer 1.Mai

Einen ersten Mai in Havanna zu erleben ist wohl für jeden ein beeindruckendes Erlebnis. Auch wir vom Proyecto Tamara Bunke freuten uns schon Tage vorher auf das Ereignis.
In der Vorbereitung wurden wir mehrfach darauf hingewiesen, dass es nicht einfach sei, sich vor dem Beginn der Demo normal in der Stadt zu bewegen, da es schon Stunden zuvor sehr voll sein würde. Am 30. April versammelten wir uns darum schon mit ein paar Proyecto-TeilnehmerInnen in unserer Wohnung nahe am „Platz der Revolution“ um es am Frühen morgen dann nicht so weit zu den jeweiligen Start-Punkten zu haben.
Und tatsächlich konnten wir aus dem Fenster beobachten, wie schon um 2 Uhr nachts pausenlos Busse die „Avenida de la Independecia“ heruntergefahren kamen, die DemonstrantInnen des kommenden Tages auf Höhe unseres Gebäudes ausstiegen und fröhlich feiernd und mit Tröten hupend richtung Platz der Revolution davonzogen um sich gemeinsam ihren Berufsgruppen oder politischen Organisationen nach auf der „Avenida de Paseo“ aufzustellen, einer breiten Allee, die vom Stadtteil Vedado aus schnurgrade auf den Platz der Revolution und das riesige „José-Martí-Denkmal“ zuführt, wo die erste Maidemo ihren Höhepunkt erreichen sollte.

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¡Hola, linda! ¿Boyfriend? Ein Bericht über mein Leben als weiße Frau in Havanna

Erwartungen und Vorfreude

Als ich mit meinem Umfeld in Deutschland darüber redete, dass ich ein halbes Jahr in Kuba verbringen werde, waren der Großteil von den Personen neidisch. Kuba, das Land der Träume. Das Land, das unser aller Vorbild ist. Das System, für das wir in Deutschland auch kämpfen. Die Verbildlichung aller Anstrengungen in unserem Land. Kurz gesagt – das Paradies.

Vor allem die Frauen in meinem Umfeld sehen mich mit leuchtenden Augen an. Endlich dem sexistischen Kacksystem entfliehen, in ein Land, in dem fast 50% Frauenanteil in der Politik besteht, in denen Berufe nicht mehr in Männerdomäne und Frauendomäne unterteilt sind, in dem immer weiter für die Befreiung der Frau gekämpft wird. Ein Traum für jede – und auch jeden – , die und der unter dem Sexismus in Deutschland tagtäglich leidet.

Doch hier gehen Wunschdenken und Realität auseinander. Hier in Kuba existiert institutioneller Sexismus fast gar nicht mehr – und die Reste, die noch immer von der Zeit vor der Revolution bestehen, werden tagtäglich bekämpft. Das ist ein riesiger Fortschritt und sollte auf jeden Fall anerkannt werden. Doch ist es das eine, Löhne auszugleichen, Gesetze zu ändern und mehr Frauen ins Parlament zu wählen. Eine ganz andere Herausforderung besteht jedoch darin, das Bewusstsein der Bevölkerung zu verändern. Auch die Zeitspanne, welche dafür benötigt wird, ist viel größer.

Um ein Bild davon zu geben, was es bedeutet hier als weiße Frau zu leben, werde ich ein paar Situationen aus meinem Alltag schildern.


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Playa Florida – Ein sonderbarer Besuch in einem kleinen Küstendorf – Eindrücke 6 Monate nach Hurricane Irma

Am 9. September 2017 preschte einer der stärksten Hurrikane seit Wetteraufzeichnungen durch die Karibik. Vor allem Haiti, Puerto Rico und Cuba waren betroffen. Der Tropensturm überrannte die kleinen Inselnationen in Ausmaßen, die vorher zwar abzusehen, jedoch nicht zu verhindern waren.

Was tut man, wenn die eigenen vier Wände plötzlich davon zu fliegen drohen?

Sicherheitsvorkehrungen – lose Teile sichern, Dächer, Zäune, Boote, und alles was geht, festbinden. Elektrogeräte möglichst weit entfernt vom Boden lagern. Denn der Sturm bringt nicht nur Windböen von bis zu 285km/h, sondern lässt auch das Meer so aufbrausen, dass meterhohe Wellen die Straßen ertränken. Das heißt, wichtige Dokumente sichern, Familienfotos, Bücher etc. einpacken. …was ist eigentlich das Wichtige, wenn die komplette Existenz in Gefahr ist? Fragen, die mich vor allem während und nach meinem Besuch in Playa Florida beschäftigt haben. Weiterlesen

EXPO Cuba – Zwischen Fortschritt, Stagnation und Aufbruch

Zum Ende unseres Geschichtskurses an der CUJAE, der Technischen Universität Havannas, nahm uns unsere Dozentin Katarina Reyes auf einen Ausflug zum Schaufenster der wissenschaftlich-technischen Entwicklung des Inselstaates mit. „ExpoCuba – Donde Ayudamos a Descubrir Cuba“ – Wo wir helfen, Kuba zusammen zu bringen – lautet das ambitionierte Motto der permanenten Ausstellung entwicklungspolitischer Errungenschaften und der Herberge internationaler Messen wie der „Feria Internacional“, die jährlich über 70 Staaten einen Rahmen bietet sich zu ihren ökonomischen Aktivitäten auszutauschen sowie Geschäfte und Innovationen in die Wege zu leiten.

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Kunstausstellung „Paco entre Nosotros“ – Paco unter uns

Am 15.12.2017 wurden wir zu der Ausstellung „Paco entre Nosotros“ eingeladen. Der Spanier Paco Bernal Gil war Maler mit Down Syndrom. Die Ausstellung wurde als Ehrung des sechs Monate zuvor verstorbenen Künstlers von den zwei jungen plastischen KünstlerInnen Lizbeth Labañino und Samuel Dubrocq initiiert, unterstützt vom ICAP – Instituto Cubano de Amistad con los Pueblos (Kubanisches Institut für Völkerfreundschaften) und dem „Comité Internacional Paz y Dignidad a los Pueblos“ (Internationales Komitee für Frieden und Würde der Völker). Lizbeth Labañino, die Tochter von einem der Cuban 5 (mehr dazu hier) Ramón Labañino, lernte Paco Bernals Kunst und seine aktive Unterstützung der Cuban 5 während des langen Kampfes um die Befreiung dieser kennen. In Pacos Worten: „Yo lucho con mi pintura por la libertad de mis amigos Gerardo, Antonio, Fernando, René y Ramón.“ (“Mit meiner Kunst kämpfe ich für die Freiheit meiner Freunde Gerardo, Antonio, Fernando, René und Ramón.” – Paco Bernal Gil). Es waren Menschen wie Paco Bernal, die die Rückkehr der fünf Helden unterstützt und möglich gemacht haben. Weiterlesen

Wahlen als Beweis für Demokratie & Geschlossenheit Teil 2 – Die Nationalwahlen

Am 11. März hat Kuba gewählt und wir waren live dabei. 605 Kandidat_innen des Nationalparlaments und weitere 1265 Kandidat_innen der Provinzparlamente standen zur Wahl.

85,65% der Kubaner_innen haben ihre Stimme abgegeben und damit alles getan, damit sich am 19. April die Asamblea Nacional del Poder Popular (ANPP, Nationalversammlung der Volksmacht) in seiner 9. Legislaturperiode konstituieren kann.

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Eine Gesellschaft erkennt man daran wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht

Ein spannender und zum Verständnis dieses Landes beitragender Aspekt dieses Projektes, ist nicht zuletzt das Kennenlernen verschiedener gesellschaftlicher Institutionen und Prozesse.

So besuchten wir vor geraumer Zeit, auf der Isla de La Juventud ein Altenheim. Wir erhielten zum Einen eine Führung durch die Räumlichkeiten der Bewohner, und zum Anderen die Möglichkeit, sowohl mit einigen dort lebenden Menschen, als auch mit dem angestellten Personal zu reden und Fragen zu stellen.
Während des Rundgangs, erklärte man uns zuerst die rechtlichen Grundlagen der älteren Bevölkerung auf Kuba. Fidel hatte sich zu seiner Zeit, um die Älteren wie um die Jüngeren Menschen der Gesellschaft kümmern wollen. Er hatte die Idee vor Augen, den Menschen, die eine geraume Zeit ihres Lebens für die Gesellschaft arbeiteten, auch im Alter noch ein qualitativ hochwertiges Leben zu ermöglichen.
Das Renteneintrittsalter beträgt auf Kuba für Frauen 57 Jahre und für Männer 60 Jahre. Ein Kubaner der mindestens 25 Jahre seines Lebens gearbeitet hat, erhält eine Rente von 200 bis 220 Peso im Monat. Die monatlichen Kosten für einen Platz im Altenheim betragen 40 Peso. Hier sind Unterkunft, Essen, Medikamente und übriges Lebensnotwendige enthalten. Über die übrig bleibende Differenz dürfen die Menschen frei verfügen. Hat ein Mensch nicht die notwendigen 25 Jahre seines Lebens gearbeitet, werden ihm die Kosten vom Staat erstattet. Des Weiteren erhalten Raucher ohne Rente 60 Peso monatlich für Zigaretten. Hat ein Mensch sein Leben lang geraucht, möchte man ihm in seinen letzten Jahren nicht auch noch einen Entzug zumuten. Weiterlesen

Wahlen als Beweis für Demokratie und Geschlossenheit Teil 1 – Die Kommunalwahlen

„Das Wahlsystem Kubas ist einzigartig auf der Welt“

Diesen Satz hörten wir am vergangen Sonntag (26. November 2017) immer wieder von verschiedenen stolzen Wahlhelferinnen und -helfern, die sich hier in Kuba alle freiwillig melden. Von verschiedenen Ecken wurde immer wieder betont, welch ein Glück wir haben, in der Zeit von September 2017 bis April 2018 in Kuba zu sein – die Zeit, in der die „großen“ Wahlen abgehalten werden. Weiterlesen

Proyecto Sociocultural Ventana al Valle in Viñales

Meine erste kleine Entdeckungsreise, die ich in Kuba auf eigene Faust unternahm, führte mich zu einem kleinen Nachbarschaftsprojekt, namens Ventana al Valle (Fenster zum Tal), in Viñales.

Viñales ist ein kleiner, im Westen der Insel gelegener Ort, der von nicht mehr als 30.000 Personen bewohnt wird. Der Westen Kubas ist berühmt für seine atemberaubende Naturlandschaft: Die hügelige Region ist ein Flickenteppich aus fruchtbaren, rostroten, von Pflügen zerfurchten Feldern, die von strohbedeckten Trockenscheunen, den Tabakhäusern, umgeben sind“, so Lonely Planet. Ein Meer aus grünbewachsenen Bergen macht die Region zum Magneten für Wander_innen. Das Tal von Viñales ist gespickt mit mogotes (Kalksteinmonolithen) und wurde 1999 zur Unesco Weltnaturerbstätte erklärt. Die Anziehungskraft auf natur- und/oder tabakliebende Tourist_innen ist erstaunlich. Viñales stellt nach Havanna und Varadero den drittmeist besuchten Ort Kubas dar. Weiterlesen

Aus dem Schnee in die Sonne

Hallo, wir sind Mateo und Jurek. Zu zweit stellen wir die neue Gruppe dar, die im nächsten halben Jahr in die faszinierende Welt Kubas eintauchen wird, um am Ende viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit nach Hause nehmen zu können. Auf der Suche nach Antworten wissen wir schon nach zwei Wochen, dass wir Kuba wohl mit mehr neuen Fragen verlassen werden, als wir eingereist sind. Trotzdem hoffen wir in unserer Zeit hier der Essenz einer solidarischen Gesellschaft ein bisschen näher zu kommen.

Mit diesen Hoffnungen und Erwartungen sind wir vor zwei Wochen dann mit einiger Verspätung aus dem kalten verschneiten Deutschland im warmen abendlichen Havanna gelandet.
Gleich als wir aus dem Flieger stiegen und mit dem Taxi durch die leeren, dunklen Straßen dieser uns völlig fremden Stadt fuhren, fühlten wir uns in eine andere Welt versetzt.

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Als Doppelagent zwischen CIA und MININT – Raúl Antonio Capote

Vergangene Woche hatten wir als Teilnehmer_innen des Proyectos die Ehre einen für den aktuellen revolutionären Prozess Kubas bedeutenden Mann kennenzulernen. In einem persönlichen Gespräch schilderte er uns seine Lebensgeschichte.

Raúl Antonio Capote ist ein heute 57-jähriger, vom äußeren Erscheinungsbild eher unauffälliger Zeitgenosse. Seine Lebensgeschichte ist jedoch umso beeindruckender und zeigt, wie die USA noch immer eine kaltblütige, mal subtile, mal offene Strategie zur Untergrabung Kubas fahren. Dazu zählt die seit fast 60 Jahren aufrechterhaltene Wirtschaftsblockade, welche direkten Einfluss auf das Leben eines jeden und einer jeden Kubaner_in hat und keineswegs als Geheimnis gilt. Der kulturelle Krieg zur ideologischen und letztlich politischen Annexion Kubas an die USA ist eine Strategie, die der Öffentlichkeit bewusst vorenthalten wird. Biografien, wie die Capotes geben einen kleinen Einblick in die skrupellosen Strategien der US-amerikanischen Politik gegen Kuba. Weiterlesen

Sieben Filme für 40 Cent

Es ist Dienstag, kurz nach zehn, wir stehen vor dem Kino Yara und warten auf kubanische Freunde. Wir haben uns verabredet um uns einen Film anzusehen. Der komplette Platz vor dem Kino ist voll mit Kubanern, die sich alle herausgeputzt haben.

Der Grund – zum 39. Mal findet das internationale Festival des lateinamerikanischen Kinos in Havanna statt. Vom 8. bis zum 17. Dezember hat man in 14 teilnehmenden Kinos in der ganzen Stadt die Möglichkeit mehr als 400 Dokumentationen, Komödien, Dramen und Opern aus Lateinamerika, aber auch aus anderen Ländern zu sehen.

Bereits vor einer Woche hatten wir unseren Kinopass an einem der zahlreichen Kinos in Havanna geholt. Für 40 Eurocent, was umgerechnet auch für die Kubaner wenig Geld ist, erhält man einen Kinopass mit sieben Eintritten.

Als die Kubaner mit Verspätung auch vor dem Kino auftauchen, stellen wir uns in die Schlange, einige Personen verkaufen Süßigkeiten und Popcorn, wir decken uns für die Wartezeit ein. Die Schlange vor dem Kino ist meterlang und wir stehen nicht besonders weit vorne, ich mache mir Sorgen, dass wir vielleicht nicht mehr reinkommen werden. Kurz vor halb 11 werden die Türen aufgemacht und innerhalb von zehn Minuten sind alle Menschen im Kinosaal. Drinnen bin ich erleichtert, das Kino ist riesig, alle finden einen Platz, denn es ist für 1000 Leute ausgelegt.

Die Atmosphäre im Kino ist entspannt und statt Werbung werden Clips verschiedener Kampagnen gezeigt. Ein Video der Kampagne für Frauenrechte „tu eres más“ (Du bist mehr) macht auf die sexuelle Emanzipation der Frau aufmerksam. Ein Anderes wirbt für eine Hilfshotline, welche man anrufen kann, wenn man Fragen zu Themen wie Verhütung, Geschlechtskrankheiten und Sexualität hat. Während man sich in Deutschland durch eine halbe Stunde Werbung vor den Filmen quälen muss, wird die Zeit hier genutzt, um Probleme wie Sexismus zu bekämpfen und die Gesellschaft aufzuklären.

Los buenos demonios

Der Film den wir uns anschauen heißt „Los buenos demonios“, eine kubanische Produktion und einer der beliebtesten Filme des Festivals. Er handelt von einem selbstständigen Taxifahrer, der als eine weitere Einnahmequelle ausländische Touristen ermordet und ihre Wertsachen behält. Sein Freund, ein selbstständiger Restaurantbesitzer, betreibt ebenfalls schmutzige Geschäfte, kauft illegale Waren ein und beschäftigt den Taxifahrer illegal als Zulieferer.

Außerdem wird der Konflikt zwischen den sogenannten „cuenta propistas“ (Selbstständigen) und dem Rest der kubanischen Gesellschaft dargestellt. Der Taxifahrer eckt immer wieder mit seiner Mutter, aufgrund von verschiedenen Moralfragen, an. Ein alter Bekannter des Restaurantbesitzers besucht ihn in seinem Lokal und macht ihn darauf aufmerksam, dass Menschen bei ihm mehr als eine kubanischen Mindestlohn da lassen, Menschen ohne Deviseneinahnen könnten sich nicht den selben Lebensstandart wie er leisten, und er wäre Teil des Problems, was Ungleichheit unter Kubaner schaffen würde.

Während mir aufgrund der ganzen Moralfragen und Probleme die im Film dargestellt werden,  die die doppelte Währung mit sich bringt, ganz mulmig wird, nimmt der Rest des Saals die Sache mit Humor. Sie können über ihre Probleme lachen und sind bereit sich mit ihnen auseinanderzusetzen,  die dargestellten Probleme zu kritisieren und zu diskutieren. Der Aspekt der Kritik und Selbstkritik ist in einer sozialistischen Gesellschaft wie der Kubanischen essenziell, um sich an Problemen weiterzuentwickeln und den kubanischen Sozialismus weiterzuentwickeln.

Bildung auf der großen Leinwand

Das Motto „Ver para crecer“ des Festivals (sehen, um daran zu wachsen) wird nicht nur durch das Aufzeigen und Kritisieren von gesellschaftlichen Problemen erfüllt. Es werden auch viele Dokumentarfilme gezeigt, die Themen anschneiden, die im kubanischen Alltag wenig präsent sind und selten angeschnitten werden, weil sie zum Teil den Kubanern unangenehmen sind. Beispielweise werden Filme zu Homo- und Transsexualität gezeigt, oder eine Dokumentation zu männlichen Ballerinas. Die genannten Dokus sollen vor allem einen Bruch mit dem typischen, einseitigen, kubanischen Männerbild schaffen. Für viele Kubaner ist es immer noch schwer

über das klassischen Männerbild, des starken, unverletzbaren Beschützer und Helden hinauszudenken.

Typische „linke“ Themen waren natürlich auch auf den Festival vertreten. Auf dem Programm stand auch eine besonderer Vorführung im „23 y 12“ eines Filmes von 1927 zur russischen Revolution. Im Kino „Infanta“ gab es eine Sondervorstellung zu dem Film „Ernesto“. Wer jetzt an Ernesto Che Guevara denkt liegt nicht ganz falsch, aber der Film handelt nicht vom dem bekannten Revolutionär. Die japanisch-bolivianische Produktion handelt von Freddy Maymura, einem bolivianischen Freiheitskämpfer, der selber als „Ernesto“ bekannt war und an der Seite von Che kämpfte. Che Guevara inspirierte ihn in den Befreiungskampf Boliviens zu ziehen. Leider starb er 1967 mit nur 25 Jahren, als die bolivianische Befreiungsfront aus dem Hinterhalt angriffen wurde.

Direktor Junji Sakamato, sagte er hätte sich mit den beiden Ernestos auseinandergesetzt, weil sie zwei starke Persönlichkeiten gewesen waren. Sie wären voller Mut und Kampfüberzeugung, aber auch voller Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft für Arme und Schwache gewesen.

Ein Stück Heimat in Kuba

Im Rahmen des Festivals wurden die Filme in verschiedenen Kategorien eingeteilt, eine davon „Panorama Contemporano internacional“ – Panorama modernen, internationaler Produktionen. Hier werden auch verschiedene Werke aus der Schweiz, Polen, Italien, Spanien oder Deutschland gezeigt.

Um den Kubanern ein Stück deutscher Kultur zu präsentieren, besuchten wir am Wochenende „Tschick“ im Cine 23 y 12. Neben verschiedener Eindrücke aus Deutschland – Landschaften, Städte und Personen zeigte er auch deutschen Humor. Leider waren wir, die Deutschen, die diejenigen die am lautesten in der Vorstellung gelacht hatten und mussten einige Witze nach dem Film erklären.

Zehn Cent statt zehn Euro

Die zehn Tage Festival bedeuteten für uns auch eine kleine Schnitzeljagd durch Havanna. Auf der Suche nach den verschiedenen Kinosälen entdeckten wir neue Ecken der Hauptstadt und kamen zu einigen Vorstellungen zu spät, weil wir uns natürlich verlaufen hatten.

Von unseren sieben Eintritten schafften wir es nur sechs einzulösen. Trotzdem war ich in den zehn Tagen Festival öfter im Kino als in den letzen zwei Jahren in Deutschland, weil mein Geld dafür meistens nicht reicht. Auf Kuba geht man gerne ins Kino, da jeder es sich hier leisten kann. Der kubanische Staat subventioniert nämlich nicht nur Gesundheit und Lebensmittel, sondern auch Kultur.  Auch außerhalb des Events kostet ein Kinoeintritt in Kuba knapp zehn Eurocent. Jetzt sehe ich es noch weniger ein, für eine Kinovorstellung in Deutschland zehn Euro zu zahlen.

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Warum ich mich auf Kuba manchmal wie eine weisse, überpriviligierte Bonzenbratze fühle – Alltagsanekdoten über sehr sichtbare, manchmal auch befremdliche, aber meist sehr bemerkenswerte kulturelle Unterschiede

Bei uns Zuhause
Wir sitzen bei uns zu Hause am Tisch und schnippeln eine Kokosnuss klein um Curry zu kochen. Es klingelt. Nach einer Runde Nase machen* (Julia verliert) und kurzer Diskussion darüber, ob wir in dieser Situation überhaupt Nase machen sollten (Julia gewinnt), machen wir auf. Die Vermieterin steht vor uns, neben ihr ein Handwerker. Wie selbstverständlich drängelt sie sich nach den Hallo-Küsschen an uns vorbei. Nachdem sie den Handwerker eingewiesen hat, stellt sie sich zu mir in die Küche. „Und, macht ihr Süßigkeiten?“, fragt sie mich.

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Wie ein kleines Entwicklungsland die ganze Welt verbessert

Internationalismus, das bedeutet weltweite Solidarität. Es bedeutet Opferbereitschaft für eine bessere Welt und für das Wohl aller Menschen, auch außerhalb der eigenen Ländergrenzen,  zu kämpfen. Internationalismus spielte in der kubanischen Politik seit der Revolution  eine erhebliche Rolle. Obwohl Kuba selbst noch als Entwicklungsland gilt unterstütz(e) es viele andere Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika auf verschiedenste Weisen. Bis heute nimmt die kleine Insel großen Einfluss auf das Weltgeschehen durch finanzielle, pädagogische, diplomatische oder militärische Mittel und konnte somit das Leben vieler Menschen erheblich verbessern.

Gelebte Solidarität

Direkt nach der Revolution sorgte die berühmte Alphebitisierungskampagne  dafür dass die Analphabetenrate innerhalb von nur einem Jahr von 24% auf 4% sank. Nach diesem Erfolg, welches kein entwickeltes Land Kuba in so kurzer Zeit zugetraut hatte, wurden junge Kubaner ins Ausland geschickt, um die Kampagne dort fortzusetzen. Die Kubaner bildeten aber nicht nur Analphabeten aus armen Entwicklungsländern, einige wurden auch in reiche Industrieländer geschickt, zum Beispiel nach Frankreich. So beseitigten einige Jugendliche aus einem kleinen, sozialistischen Land, welches sich im Aufbauprozess nach der Revolution befand, ein Problem, was in einem entwickelten Land eigentlich nicht hätte existieren sollen.

In Kuba haben Schüler aus dem Ausland die Möglichkeit kostenlos ein Medizinstudium zu absolvieren, dabei ist  Verpflegung und Unterkunft gratis. Mittlerweile haben Jugendliche aus 122 Länder, auch aus den USA, diese Chance genutzt, die meisten kehren nach ihrer Ausbildung in ihre Heimat zurück. Aber Kuba bildet nicht nur zukünftige Ärzte aus, um die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern, es schickt selbst auch Ärztebrigaden ins Ausland  oder holt Kranke ins Land. Zum Beispiel wurden nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl 15 000 betroffene Kinder an den schönsten Stränden Kubas ärztlich betreut.

Bereits ein Jahr nach der Revolution unterstütze Kuba andere Länder militärisch mit Streitkräften und Beratern oder schickte in zivilen Entwicklungsprogrammen ÄrztInnen, PädagogInnen, BauarbeiterInnen und TechnikerInnen.

Anfang der 80er Jahre waren in Nicaragua fast 7000 Lehrer in ländlichen Regionen im Einsatz, nach einem anti-kommunistischen Attentat meldeten sich an ihrer stelle 100 000 Weitere freiwillig, um an ihre Stelle zu treten.

Ein besonderer Platz in der afrikanischen Geschichte

Besonders in der afrikanischen Geschichte nimmt die militärische und zivile Unterstürzung Kubas einen hohen Stellenwert ein.

Revolutionäre aus verschiedenen afrikanischen Ländern wendeten sich ihren Befreiungskämpfen an die Insel. Viele Ehemalige Kolonien, unteranderem Namibia, Guinea-Bissau oder Algerien konnten mit der Unterstützung Kubas ihre Unabhängigkeit von europäischen Kolonialmächten erlangen. Eines der größten Erfolge, zu welchem Kuba beigetragen hat, ist die Abschaffung des Apartheidregime Südafrikas.

Dabei war es stets wichtig für Kuba die Souveränität und Selbstbestimmung der afrikanischen Akteure zu achten und sich selbst nur als Unterstützer eines Befreiungskampfes zu sehen. Raúl Castro, damaliger Chef der kubanischen Streitkräfte, betonte, dass die kubanischen Truppen sich stehst sittsam und anständig zu verhalten und sich niemals als „Experten aufzuführen“ hätten. Die eigenen Sitten, Bräuche und Religionen der Länder sollten stehst respektiert werden. Kuba nahm nur Einfluss auf den Kampf gegen Imperialismus, Kolonialismus oder anderen Formen der Unterdrückung, ohne dabei auf die eigentliche Kultur einwirken zu wollen.

 

Mit die größten Einsätze hatten die kubanischen SoldatInnen in  Angola und Äthiopien. In Angola kämpften zeitweise 50 000 KubanerInnen gegen die Aggression Südafrikas und dessen Apartheidregimes, in Äthiopien waren 24 000 SoldatenInnen stationiert um Äthiopiens Unabhängigkeit gegen somalische Angriffe zu verteidigen.

Einer dieser Soldaten war unser Projektleiter Julian, der heute Mitte 70 ist. Lang und ausschweifend erzählte er uns eines Abend von dem, was er als junger Mann erlebt hatte. Junge KubanerInnen erhielten in Militärbasen eine Ausbildung und konnten anschließend entscheiden, ob sie im Ausland mitkämpfen möchten. Dabei war es eine große Ehre für sie im Namen des Internationalismus andere Völker zu unterstützen und gegen Unterdrückung und Ausbeutung zu kämpfen. Deswegen wollten viele Jugendliche unbedingt ins Ausland, auch Julian war  enttäuscht, als er zunächst im Inland stationiert wurde, und deswegen sich nicht fürs Ausland melden konnte. Umso glücklicher war er, als seinem Trupp vorgeschlagen wurde beim nächsten Einsatz dabei zu sein. Den Soldaten wurde immer erst kurz vor Abreise aus Sicherheitsgründen gesagt, in welchem Land sie dienen würden, davor hatten sie nochmal die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie in den Krieg ziehen möchten. Die wenigsten entschieden sich dagegen. Nachdem der Trupp von Julian sich entschied zu dienen, wurden sie von Fidel Castro persönlich verabschiedet und erfuhren, dass es nach Äthiopien ging. Ihnen wurde  die Analyse zur Lage vor Ort vorgestellt und Julian erinnert sich noch heute an die Rede, Fidel sagte ihnen, dass er nicht selbst in den internationalistischen Kriegseinsatz ziehen könne, aber in Gedanken bei ihnen sein werde, er sei wie ihr Vater und sie seien wie seine eigenen Kinder.

Für mich ist es unvorstellbar heute, dass Menschen in den Krieg u.a. nach Angola oder Äthiopien gezogen sind, um völlig fremden Menschen ein besseres Leben zu erkämpfen und sie ihn Revolutions-, Aufbau- oder Befreiungsprozessen zu unterstützen. Ohne diese Menschen zu kennen, noch in in keinster Weise mit ihnen verbunden zu sein, weder durch Geschichte noch Herkunft.

Dank dieser gelebten Solidarität mit dem afrikanischen Volk, hat Kuba bis heute eine sehr gute Beziehung zu vielen afrikanischen Ländern. Nelson Mandela persönlich betonte die Rolle Kubas für Afrika: „Wir in Afrika sind daran gewöhnt, Opfer von Nationen zu sein, die sich unser Länder bemächtigten oder unsere Souveränität untergraben wollen. In der ganzen Geschichte Afrikas, ist dies das erste Mal, dass ein ausländisches Volk aufgestanden ist, um eines unsere Länder zu verteidigen. […] Das kubanische Volk nimmt daher einen besonderen Platz in den Herzen der Völker Afrikas ein.

Operación Tributo

Nicht alle KubanerInnen sind aus diesen internationalistischen Kriegseinsätzen zurückgekehrt –

Am 7. Dezember 1989 wurden die Gefallen aus den Kriegen in Afrika zurück in die Heimat gebracht und dort beerdigt. An diesen Akt namens „Operación Tributo“ wird jedes Jahr erinnert. Es finden traditionell Trauermärsche zu den Gräbern statt, um den Gefallenen zu gedenken.

Anfang Dezember besuchten wir Cabaiguan, einer Kleinstadt mit 32 000 Einwohnern, und nahmen an der Zeremonie vor Ort teil. Der Trauermarsch begann um 8 Uhr morgens. In der Innenstadt sammelten sich die SchülerInnen aller Jahrgangsstufen die BewohnerInnen der Stadt und die angereisten Angehörigen der Gefallenen. Zu einem Militärmarsch lief die Menschenmasse aus der Stadt raus zum Friedhof. Dort hielt ein Vertreter der Kommunistischen Partei Kubas, PCC, eine Rede zu der Bedeutung des Internationalismus für Kuba und für die Welt. Nach der Hymne wurden Kanonenschüsse gefeuert, um den Toten zu salutieren. Anschließend wurden Blumen an die Grabtafeln der Urnen gelegt. Um einige Täfelchen standen kleine Grüppchen Familienangehöriger und dekorierten sie mit selbstgemachten Blumenkränzen, Fotos oder stellten Kerzen auf den Boden.

 

Zwischen den Wänden, in denen die Urnen der Gefallenen standen, wimmelte eine Grundschulklasse. Die Lehrerin erzählte ihnen von den SoldatenInnen und den Kriegen, es wurde sehr persönlich und emotional als sie von ihrem Bruder erzählte, der ebenfalls auf diesem Friedhof beerdigt war. Danach meldete sich ein Junge, nicht älter als 10, und zeigte auf zwei Grabtafeln und erzählte, dass dahinter die Urnen seiner verstorbenen Großonkel standen, die in Angola gekämpft haben. Die Lehrerin sagte, er könne stolz auf seine mutigen und internationalistischen Verstorbenen sein, so wie sie stolz auf ihren Bruder sei. Einige der GrundschülerInnen weinten, auch einige von uns mussten sich zusammenreißen. Für mich war es so emotional, weil alleine in Cabaiguan, einer relativ kleinen Stadt, mehrere Hundert Gefallene lagen. Hinter jeder der Grabtafeln befand sich eine Person mit Persönlichkeit, Geschichte und Familie.

Hinter jeder Grabtafel steckte ein/e überzeugter SozialistInnen, einige kaum älter als 18, die bereit gewesen waren ihr Leben zu lassen, damit ihm ein völlig Fremder ein Besseres haben konnten.

Wer verteidigt die Menschenrechte wirklich?

Mich schockiert, aber es überrascht mich nicht, das man über die Einsätze Kubas absolut nichts erfährt, wenn man sich nicht konkret damit auseinandersetzt. Allgemein erfährt man in der Schule in Geschichte wenig darüber, wie die damaligen Kolonien sich befreit haben. Fast wirkt es so, als wären die Kolonialherren sehr gütig gewesen und hätten eigenständig ihre Länder befreit. Als ob nicht mehre Hundetausend AfrikanerInnen und KubanerInnen für das Wohl der unterdrückten Völker in Befreiungskämpfen gestorben wären.

Das Kuba als sozialistischen Landes erheblichen Einfluss darauf hatte, wäre aber schädlich für das Image der deutschen Kriegspolitik. Schließlich ist es schwer zu rechtfertigen, dass Milliarden von Euro in die Bundeswehr gesteckt werden und kein vergleichbarer Erfolg zu verzeichnen ist, während ein kleines Entwicklungsland mehren Ländern die Unabhängigkeit gebracht hat. Die Bundeswehr wird immer wieder als der Verteidiger der Menschenrechte dargestellt, doch außer für die kapitalistischen Interessen der Großkonzerne zu kämpfen und Ressourcen  und Handelswege zu verteidigen,  haben sie nichts vorzuzeigen. Meistens hinterlässt ein Bundeswehreinsatz das intervenierte Land in noch schlechteren Konditionen als davor. Kuba aber schickte nach dem Krieg in Angola weitere 50 000 freiwillige LehrerInnen, TechnikerInnen  und ÄrztInnen um den Wiederaufbau zu unterstützen. Und das alles als Entwicklungsland – nur dank dem Klassenbewusstsein der kleinen, karibischen Insel.

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Hundert Tage nach Irma

Als sich am Sonnenuntergang des 9. September das Zentrum des Hurricanes Irma über den Cayas del Norte positionierte, bestätigte das Institut der Meteorologie, dass genau in dem Moment das gefährlichste und gewaltvollste Ereignis der Geschichte des Atlantiks statt fand. Es bildeten sich hurricaneartige Winde, welche 3 Tage lang vom Norden von Las Tunas nach Mayabeque wüteten. Diese Winde erreichten 12 Provinzen des Landes. Insgesamt mussten 1,8 Millionen Menschen evakuiert werden. 179000 Wohnungen wurden durch den Hurricane zerstört. Der Sturm löste auch den ersten Zusammenbruch des Elektrizitätssystem jemals aus. Doch nach nur 20 Tagen gab es im gesamten Land schon wieder Strom und Wasser. Allein in Santi Spiritus entstanden durch Irma Schäden von insgesamt über 550 Millionen Euro. Die größten Schäden entstanden bei Gebäuden, der Stromversorgung, der Wasserversorgung, der Agrikultur und der Kommunikation.

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Wenn ihr alle heim kehrt, werdet ihr nicht mal dieses Stück Erde mitnehmen. Ich bin nicht derjenige, dem gedankt werden sollte.

Es ist halb 9 Abends, und wir sind in Cabaiguán, einem kleinen Dorf in der Provinz Santi Spiritus. Wir sind in einem kleinen Haus, welches ziemlich ab vom Schuss und mitten in der Natur ist. Dort sitzen wir in einem Stuhlkreis draussen auf der Veranda, und versuchen die Mücken davon abzuhalten, uns aufzufressen. Es ist der 06.12., ein Tag vor dem Jahrestag an dem 1997 die Leichen der Gefallenen in den Unabhängigkeitskriegen in Afrika nach Kuba gebracht wurden. Es ist schon lange dunkel, aber wie immer noch warm genug um im Shirt nicht zu frieren. Julián, unser Koordinator und die Seele unseres Projektes, sitzt mitten unter uns, neben ihm sitzt seine Frau Hilda. Als Kuba in den Krieg in Äthiopien zog, war er mit dabei. Davon will er uns nun erzählen. Weiterlesen

Die Geschichte hat ihn freigesprochen – Fidels Zeit im Presidio Modelo

Heute ist der 25. November 2017 – Einjähriger Todestag des Comandante en Jefe. Am Nachmittag werde ich gemeinsam mit den anderen der Gruppe zu einer Veranstaltung zum Gedenken Fidels an der UH, der Universidad de la Habana, gleich neben meinem Zuhause gehen. Um den Tag zu beginnen scheint es mir angebracht mich auf die Terrasse in den Schatten des Maracujabaums zu setzten und mit einem Kaffee meine Lektüre „Die Geschichte wird mich freisprechen“ weiter- bzw. fertig zu lesen.

1953 verfasste Fidel seine berühmte Verteidigungsrede, die er mit dem geschichtemachenden Satz „La historia me absolvera“ beschließt. Was Fidel vor 64 Jahren als junger Mann sagte, sollte später Wahrheit werden. Auf ein Leben zurückblickend, ist dies leicht gesagt. Wie der 27-jährige Fidel sich damals in dem kleinen Bügerspital in Santiago de Cuba fühlte, als er nach 76 Tagen Isolationshaft unter schwersten Bedingungen schließlich zur Verhandlung gebracht wurde, weiß ich, die heute mit leichtem Hang zum Heroismus auf meiner Terrasse sitze, nicht. Weiterlesen

Ein Leben vom Tourismus – Einblicke in das Leben einer jungen Kleinfamilie am Rande der Legalität

In Kuba gibt es den Spruch „Hay que inventarse“ – Man muss sich etwas erfinden. In diesem Land wimmelt es von Menschen, Überlebenskünstlern und -künstlerinnen, die ständig irgendetwas erfinden, um das Leben etwas besser oder einfacher zu machen.

Der obere Teil einer PET-Flasche als Trichter, ein einfacher Holzstock als Baseballschläger, ein Tisch samt Stuhl statt Leiter, Bonbonpapiere als Glitzerverzierungen – erfinderisch sein gehört hier zum Leben. Und zwar nicht im schlechten Sinne. Ich habe hier Unzähliges fürs praktische Leben gelernt, auf das ich durch den Überfluss an Equipment und Möglichkeiten in meinem Leben in Deutschland nicht gekommen wäre. Ein Jeder, eine Jede kämpft sich hier durchs Leben – im großen und im kleinen Stil. Kleine Erfindungen zum Wasser umfüllen, ein Ballspiel spielen oder eine Glühbirne austauschen sind dabei eine Sache. Das Verkaufen von diesem und jenem, eine andere. Und die Lizenz für den Verkauf von bestimmten Artikeln oder das Anbieten von Dienstleistungen zu haben, noch eine weitere. Weiterlesen