Sport, Gesundheit und Körperkultur auf Kuba – Ein Gespräch mit Ex-Profisportler und Fitnesstrainer Daniel Fabian Esmil Cruz

Auf Kubas Straßen sieht man viele gut gestylte und sportliche Menschen. Trotz des, durch die Wirtschaftsblockade aufrechterhaltenen Mangels an diversen Baumaterialien und Nahrungsmitteln scheinen viele Kubaner*innen sehr auf ihr Äußeres zu achten und Sport zu treiben und vor allem die Ressourcen dafür zu haben. Ich sehe an jeder Ecke Outdoor-Fitnessparks, Fußball-, Basket-, und Baseballplätze sowie kleine Fitnessstudios, die immer in Benutzung zu sein scheinen. Ich frage mich inwiefern die Begeisterung vieler Kubaner für Sport mit ihrem Hang zum immer gepflegt und fit  sein zusammenhängt. Was spielen Sport und äußeres Erscheinungsbild überhaupt für eine gesellschaftliche Rolle und welche Bedeutung hat dabei der Aspekt der Gesundheit? Um über diese Themen mehr zu erfahren, habe ich mich mit Ex-Baseballprofi und Fitnesstrainer des Studios Buena Vista Gimnasio Daniel getroffen. Weiterlesen

Havanna im Lesefieber: 26. Internationale Buchmesse und Buchvorstellungen mit Frei Betto

Im Februar fand in Havanna in der Festung San Carlos de La Cabaña traditionsgemäß die 26. Internationale Buchmesse statt. Dort in der Festung und an vielen anderen Orten in der Hauptstadt wurden Lesungen veranstaltet, Filme gezeigt, Podiumsdiskussionen und Präsentationen mit Teilnehmerinnen aus verschiedensten Ländern organisiert. Im Mittelpunkt der Messe standen dieses Mal die Werke des langjährigen kubanischen Erziehungs- und Kultusministers Armando Hart, dem Ehrengastland Kanada und dem im November verstorbenen Commandante Fidel Castro. Kolloquien, Dokumentarfilme und insgesamt 24 Bücher sind ihm gewidmet. Also ganz Havanna im Bücherrausch. Die cubanische Variante der Buchmesse ist etwas anders gestaltet, als wir das beispielsweise von der bekannten deutschen Buchmesse in Frankfurt kennen. Die Messe hier ist mehr Volksfest als Fachmesse. Das zeigt sich nicht nur an den vielen Essensständen, den Kinderspielplätzen und Hüpfburgen rundherum, sondern besonders an dem Publikum: Neben dem Fachpublikum sind es auffallend viele Familien und Schulklassen, die auf die Festung pilgern. Eine weitere Besonderheit: Da nicht jeder einfach mal nach Havanna jetten kann, um auf die Messe zu gehen, zieht die Buchmesse durch das Land. Bis April wird die Messe im Kleinformat mit Buchverkauf und Literaturveranstaltungen durch alle Provinzen ziehen.

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Festung San Carlos de La Cabaña: Eingang zur Buchmesse

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Mi rollo – mi película

A las diez menos cinco por la mañana en La Habana, Cuba und ich hetze aus dem kubanischen Kollektivtaxi, um die Vorstellung 10 Uhr im Kino „23 y 12“ zu erwischen. Ich war bisher nur in einem Kino der 23. Straße, im „Riviera“ und da das Kino den Namen der Kreuzung trug, an der es sich befand, dachte ich, es wäre leicht dieses schnell sichten zu können. Ich liege falsch, denn an der Kreuzung gibt es gleich mehrere Kinos und ich drehe mich hilflos im Kreis, um mich dann für eine Richtung zu entscheiden. Die nächsten fünf Minuten sieht man mich vom „Fresa y Chocolate“ rüber zum „Chaplin“ laufen, weiter in die 12. Straße rein, wieder hoch und kreuz und quer, mindestens einmal jede Ampel nutzend und völlig unter Zeitdruck am Ende aber doch das gewünschte Kino erreichen. Am Eingang zeige ich mein Siebener-Ticket des Festivals und sinke ganz erschöpft in den Sessel des kühlen Kinosaals hinein. Weiterlesen

Die Migrationsverhandlungen zwischen Kuba und den USA

Acht Tage bevor Trump sein Amt aufnahmen, kamen die 2014 gestarteten Verhandlungen über die Einreiseregelung kubanischer Emigrierender in die USA zum Abschluss. Die Ergebnisse dieser Verhandlung werden in einigen Medien so dargestellt, als würde sich dadurch die bilaterale Beziehung zwischen Kuba und den USA erneuern und zum Positiven wandeln. Hervorgehoben wurde in einigen Medien auch die jährliche Bewilligung von 20 000 Einreisevisa für Kubaner*innen auf Seiten der USA und lässt es so erscheinen, als wäre diese Veränderung ein Schritt der Annährungen in Richtung Kuba. Es reicht hier aber nicht aus, an der Oberfläche des Geschehens zu kratzen, um die Tendenzen dieser Beziehung zu erkennen.
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Kapitalismus im Sozialismus: Herausforderungen und Perspektiven für Kubas Gewerkschaften

ctc-logoDer Sektor der Privat- und Kooperativwirtschaft wächst seit der ökonomischen Teilöffnung Kubas. Viele Beschäftigte in nicht-staatlichen Betrieben finden sich nun in kapitalistischen Produktionsverhältnissen wieder – eine neue Erscheinung, mit der die postrevolutionäre kubanische Gesellschaft sich in diesem Ausmaß erstmalig konfrontiert sieht. Natürlich bringen diese Entwicklungen auch Notwendigkeiten mit sich, im Besonderen für die Gewerkschaften, die ihre bisherigen Funktionen anpassen müssen. Verfügt Kuba über die Instrumente, den kapitalistischen Tendenzen Einhalt zu gebieten? Eine Abwägung zwischen wirtschaftlichen Zwängen und Möglichkeiten zur Interessenvertretung Angestellter im Transit zum Sozialismus. Weiterlesen

Reparaturkultur

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Ist das kaputt oder kann das weg?

Vor einiger Zeit bin ich aus der Uni ausgezogen. Unter anderem, weil wir dort nicht vernünftig selber kochen konnten. Die Küche unserer neuen Wohnung ist erfreulicherweise sogar mit einer batidora ausgestattet – also einem Mixer, der perfekt für Shakes geeignet ist. Beziehungsweise geeignet wäre. Denn jemand kam auf die Idee, dass es auch möglich wäre, komplette Eisblöcke damit zu zerkleinern – ist es auf Dauer aber nicht. Nach kurzer Inspektion fällen wir das Urteil: Totalschaden, irreparabel.

Bliebe also nur Neukaufen, doch das ist gar nicht so günstig. Neue Elektrogeräte kosten hier mindestens genauso viel wie in Deutschland, tendenziell sogar noch mehr. Für die meisten Kubaner*innen sind sie somit kaum erschwinglich. Somit liegt das Projekt erstmal auf Eis, bis ich einige Tage später an einem Straßenstand vorbeikomme, wo erstaunlicherweise Ersatzteile speziell für batidoras verkauft werden. Jetzt fehlt mir nur noch das passende Werkzeug.
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Kubas Wirtschaftsaktualisierungen in der Praxis: Ein kritischer Blick auf den Kooperativismus

Kuba verändert sich. Vor allem durch Wirtschaftsreformen macht der Inselstaat in den letzten Jahren auch in deutschen Medien von sich reden, deren Meldungen nicht selten suggerieren, dass Kubas Ökonomie sich Schritt für Schritt in Richtung Kapitalismus entwickle. Eine tragende Säule der Wirtschaftsaktualisierungen, die diese Vermutung bekräftigt, ist die verstärkte Förderung sogenannter Kooperativen als alternative zu staatlicher Beschäftigung. Dabei handelt es sich um eigenständige Betriebe, die weitgehend unabhängig agieren können. Nur – was ist eigentlich die Idee des Konzepts der Kooperativen und vor allem: Welche Chancen, Risiken und Notwendigkeiten erwirken sie perspektivisch für die kubanische Volkswirtschaft und die Menschen?
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