Mehr Gehalt vom Staat – was bedeutet das?

Sommerloch in Kuba. Die CUJAE ist wie leer gefegt, bis Ende August sind Semesterferien und alle kubanischen Studierenden haben ihre Wohnheime verlassen, um zu ihren Familien zurückzukehren oder zu verreisen, die Professor*innen haben ihre Arbeitsplätze verlasssen; lediglich die Verwaltung der Universität ist Wochentags noch auf dem Gelände anzutreffe. Sie und die ausländischen Studierenden, die ebenso wie wir in ihren Unterkünften wohnen bleiben. Ab und zu huschen Straßenhunde, die sich das Gelände zu ihrem zu Hause gemacht haben und von allen akzeptiert werden, die Wege entlang. Nachmittags fegen die Winde der vorbeiziehenden Gewitter über ansonsten verlassene Straßen; das Rascheln der Palmenblätter und Gräser eines der wenigen Geräusche auf dem Universitätsgelände.

Die letzten Wochen vor der großen Abreise waren dafür umso geschäftiger. Tägliche Prüfungen, Praktika, Verteidigungen von Abschlussarbeiten, Jahresabschlussplena, die Studierende und Professor*innen gleichermaßen auf Trab gehalten haben. Mittendrin dann auf einmal die Neuigkeit: Die Gehälter sollen erhöht werden. Weiterlesen

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Libreta – Lebensmittelkarte

Gerechte Verteilung von Lebensmitteln ohne Privilegien

Nachdem Cuba in den ersten Jahren nach dem Sieg der Revolution unter einer Wirtschaftskrise zu leiden hatte und das US-Handelsembargo ansatzweise zu greifen begann, führte die Regierung im März 1962 die sogenannte „Libreta“ ein. Gegen Vorlage dieser Lebensmittelkarte erhielt jeder Cubaner bestimmte Grundnahrungsmittel, die eine Monatsration darstellen sollten. Die „Libreta“ hat noch immer Bestand. Weiterlesen

Die Europawahl und Kuba

Am 26.05.2019 wird das Parlament der Europäischen Union gewählt. Ein alle fünf Jahre stattfindender, für viele Wahlberechtigte eher uninteressanter Akt. Desinteresse, Resignation und die Ablehnung des neoliberalen Systems der EU können Beweggründe sein, sich der am Sonntag stattfindenden Wahl zu enthalten. Es scheint sich ja sowieso nichts zu bewegen. Die Menschen in der EU und ihren 28 Mitgliedsstaaten sind weitestgehend entsolidarisiert, das hauptsächlich Verlierer produzierende Wirtschaftssystem ist gefestigt, der Parlamentarismus an sich droht vor dem Hintergrund von privaten Schiedsgerichten und Freihandelsabkommen ohnehin zur gut bezahlten Beschäftigungstherapie für Berufspolitiker zu verkommen. Weiterlesen

Ein Leben vom Tourismus – Einblicke in das Leben einer jungen Kleinfamilie am Rande der Legalität

In Kuba gibt es den Spruch „Hay que inventarse“ – Man muss sich etwas erfinden. In diesem Land wimmelt es von Menschen, Überlebenskünstlern und -künstlerinnen, die ständig irgendetwas erfinden, um das Leben etwas besser oder einfacher zu machen.

Der obere Teil einer PET-Flasche als Trichter, ein einfacher Holzstock als Baseballschläger, ein Tisch samt Stuhl statt Leiter, Bonbonpapiere als Glitzerverzierungen – erfinderisch sein gehört hier zum Leben. Und zwar nicht im schlechten Sinne. Ich habe hier Unzähliges fürs praktische Leben gelernt, auf das ich durch den Überfluss an Equipment und Möglichkeiten in meinem Leben in Deutschland nicht gekommen wäre. Ein Jeder, eine Jede kämpft sich hier durchs Leben – im großen und im kleinen Stil. Kleine Erfindungen zum Wasser umfüllen, ein Ballspiel spielen oder eine Glühbirne austauschen sind dabei eine Sache. Das Verkaufen von diesem und jenem, eine andere. Und die Lizenz für den Verkauf von bestimmten Artikeln oder das Anbieten von Dienstleistungen zu haben, noch eine weitere. Weiterlesen

EXPO Cuba – Zwischen Fortschritt, Stagnation und Aufbruch

Zum Ende unseres Geschichtskurses an der CUJAE, der Technischen Universität Havannas, nahm uns unsere Dozentin Katarina Reyes auf einen Ausflug zum Schaufenster der wissenschaftlich-technischen Entwicklung des Inselstaates mit. „ExpoCuba – Donde Ayudamos a Descubrir Cuba“ – Wo wir helfen, Kuba zusammen zu bringen – lautet das ambitionierte Motto der permanenten Ausstellung entwicklungspolitischer Errungenschaften und der Herberge internationaler Messen wie der „Feria Internacional“, die jährlich über 70 Staaten einen Rahmen bietet sich zu ihren ökonomischen Aktivitäten auszutauschen sowie Geschäfte und Innovationen in die Wege zu leiten.

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Der wirtschaftliche Faktor der Spezialperiode und der Weg aus der Krise (Teil 4 von 4)

Heute bis 2030

Die sozialistische Wirtschaftsführung auf dem Karibikstaat hat ausgedient. Der Prozess der “Öffnung” und Privatisierung nimmt immer ausgeprägtere Erscheinungsformen an. Lange standgehalten hat er, der kubanische Sozialismus und seine sozialromantischen Auswüchse haben ja auch etwas an sich, der Sozialismus als solcher ist aber schon lange überlebt. Es war nur eine Frage der Zeit.

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Der wirtschaftliche Faktor der Spezialperiode und der Weg aus der Krise (Teil 3 von 4)

1996 bis heute

Das Schlimmste ist überstanden, die kubanische Wirtschaft scheint sich aus dem Tief der Spezialperiode von 1994 langsam wieder zu erheben. Die Lebensqualität der Kubaner steigt erneut und die Wirtschaftsaktualisierungen versprechen ein langsames, aber sicheres Wirtschaftswachstum, wie 1996 mit sogar knapp 8%, doch die Spezialperiode ist noch nicht überwunden.

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