Armes Kino, ein Schatz der Kultur

Eine Teilnehmerin des Proyecto Tamara Bunke berichtet vom Internationalen Filmfestival in Gibara

Die Gibareños[1] erzählen die Geschichte einer gitana[2], die eines Tages an den Küsten Gibaras ankam und nach Wasser fragte. Dies wurde ihr nicht gewährt und so sprach sie einen Fluch aus, der dem Ort an allen Festtagen Regen bescheren würde. Auch dieses Mal sollte es nicht anders sein und dementsprechend war der Himmel mit kühlen Farben bestrichen und das Wasser strömte auf die Straßen Gibaras, als wir in unserer Unterkunft ankamen. Der Kontrast war umso größer, als wir die Straßen überquerten: denn dieses „Unglück“ konnte keinem die Freude und Lust nehmen, am Internationalen Filmfestival teilzunehmen, das auch unter dem „Festival del Cine Pobre“ [3]bekannt ist und vom cubanischen Regisseur Humberto Solas 2003 ins Leben gerufen wurde und seitdem jährlich stattfindet. Weiterlesen

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Der wirtschaftliche Faktor der Spezialperiode und der Weg aus der Krise (Teil 3 von 4)

1996 bis heute

Das Schlimmste ist überstanden, die kubanische Wirtschaft scheint sich aus dem Tief der Spezialperiode von 1994 langsam wieder zu erheben. Die Lebensqualität der Kubaner steigt erneut und die Wirtschaftsaktualisierungen versprechen ein langsames, aber sicheres Wirtschaftswachstum, wie 1996 mit sogar knapp 8%, doch die Spezialperiode ist noch nicht überwunden.

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„Hey, My Friend“ – Der Dollar auf zwei Beinen

dsc00443Ich bin umgeben von Straßenlärm, Abgaswolken und Menschenmassen. Ein teilweise erdrückendes Gefühl, verstärkt durch die unbarmherzige Hitze der gleißenden Sonne. Die Riemen meines Rucksacks schnüren sich schmerzend in meine Schultern, während ich mich durch die engen Gassen winde. Auf einmal stockt mir der Atem. Vor mir hat sich eine Gruppe von „Myfriends“ aufgebaut. An ihren Mundbewegungen erkenne ich die allzu bekannten Wörter: „Taxi, Zigarre, Restaurant“. Die Töne werden nur von der monotonen Melodie des Eiswagens an der nächsten Straßenecke verschluckt. Ich drehe mich um, versuche zu entkommen, doch es ist zu spät. Von Hinten hat sich unbemerkt eine weitere Gruppe genähert, die nun im Gleichschritt auf mich zuschreitet und zuerst leise, dann immer lauter werdend im Takt zu mir rüber ruft: „Taxi, Taxi, Taxi!“ Hilflos rolle ich mich auf der Straße zusammen, während sich die aufgebrachte Meute über mich hermacht. TAXI!, TAXI!, TAXI!

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Insel der Jugend

Mitte Mai haben wir mit der Projektgruppe eine Reise zur Isla de la Juventud unternommen und uns dort unter anderem mit Studierenden der Universität ausgetauscht, ein altes Gefängnis besichtigt und viel über Land und Leute dort gewohnt. Dort war vieles anders in Havanna und das nicht nur weil die Stadt kleiner ist.

Von Piraten und Studenten

Die 2204 m² große „Isla de la Juventud“ wurde 1494 von Christopher Columbus während seiner zweiten Expedition in die „neue Welt“ entdeckt. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Insel hauptsächlich von Piraten als Lager und Versteck genutzt, bevor sie zu Beginn des 20ten Jahrhunderts erstmals kubanisches Staatsgebiet wurde. Zu Kuba gehört die sechst größte Insel der Karibik, und Kubas größte Nebeninsel, auch noch heute. In den politisch Turbulenten Zeiten des Neokolonialismus ab Beginn des 20ten Jahrhunderts wurde die Insel als Gefängnisinsel genutzt, und auch lange so genannt. 1928 wurde mit dem Bau des Modellgefängnisses (Presidio Modelo) nach amerikanischem Vorbild begonnen, was Platz für mehrere tausend Gefangene bot.

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Das Recht, Fehler zu machen (Teil 2)

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Der Oldtimer als symbol für den Tourismus in Kuba? (Quelle: Fotoflair)

Kuba befindet sich im Umbruch und mit dem Land auch die Wahrnehmung Kubas in der Welt. Nach der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen vor gut einem Jahr haben die Vereinigten Staaten endlich eine substantielle Lockerung des Embargos vorgenommen die über reine Symbolpolitik hinausgeht. Nun kann, zumindest theoretisch, auch an kubanische Staatsunternehmen exportiert werden. Theoretisch, denn jede Lizenz wird einzeln genehmigt und die Warenbandbreite ist noch immer begrenzt. Dennoch: Es dürfen nun auch Kredite ausgegeben werden, was das ganze für Kuba interessant macht.

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9 Cent fürs Kino und 15 fürs Museum

Warum Kultur- und Freizeitangebote im Sozialismus allen zugänglich sind und TouristInnen den 24-fachen Preis bezahlen müssen

Wir sind an einem warmen Samstagnachmittag auf dem Weg zum Botanischen Garten im Süden Havannas. Der Bus ist wie gewohnt bis zum Bersten gefüllt und wir geben dem Busfahrer für die 30 minütige Fahrt zu Zweit einen Peso. Eine Busfahrt, egal wie lang sie dauert, kostet 0,4 Peso. Das ist ein bisschen mehr als ein Eurocent. Ich verfalle mal wieder in Gedanken und denke darüber nach, warum die Busse und Züge so stark subventioniert werden.

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Gespaltene Meinungen

Wie der Tourismus die kleine Karibikinsel beeinflusst

Bisher habe ich Cuba stets aus der Perspektive einer europäischen Studentin erlebt. Doch jetzt, wo mich meine Eltern für drei Wochen besuchen, lerne ich eine andere, neue Seite kennen. Nämlich die eines Touristen. Wir steigen aus dem Truck, der uns nach einer kleinen Wanderung abholte und zu unserem Reisebus brachte. An dem Treffpunkt stehen noch weitere, auf ihre Gruppen wartenden Busse, sowie Verkäufer in Buden, die ihre Souvenirs und Leckereien anbieten, um den Reisenden die Weiterfahrt zu versüßen. Meine neugierigen Eltern haben nach dem Analysieren der Auslageflächen, den Blick auf die in Plastikfolie eingewickelten Erdnussriegel geworfen. Als ich den Preis höre, stutze ich. 2 CUC für einen Riegel?! Das kann nicht sein, ich hatte dafür doch immer nur 0,25 CUC ausgegeben. Doch schnell begreife ich, dass ich bisher nie die Touristenpreise bezahlt hatte, denn als Studentin mit einer temporären Aufenthaltsgenehmigung, bewege ich mich in dem Umfeld von Preisen, die sich auch Cubaner – ausgehend von ihrem monatlichen Lohn – leisten können. Weiterlesen