¡Hola, linda! ¿Boyfriend? Ein Bericht über mein Leben als weiße Frau in Havanna

Erwartungen und Vorfreude

Als ich mit meinem Umfeld in Deutschland darüber redete, dass ich ein halbes Jahr in Kuba verbringen werde, waren der Großteil von den Personen neidisch. Kuba, das Land der Träume. Das Land, das unser aller Vorbild ist. Das System, für das wir in Deutschland auch kämpfen. Die Verbildlichung aller Anstrengungen in unserem Land. Kurz gesagt – das Paradies.

Vor allem die Frauen in meinem Umfeld sehen mich mit leuchtenden Augen an. Endlich dem sexistischen Kacksystem entfliehen, in ein Land, in dem fast 50% Frauenanteil in der Politik besteht, in denen Berufe nicht mehr in Männerdomäne und Frauendomäne unterteilt sind, in dem immer weiter für die Befreiung der Frau gekämpft wird. Ein Traum für jede – und auch jeden – , die und der unter dem Sexismus in Deutschland tagtäglich leidet.

Doch hier gehen Wunschdenken und Realität auseinander. Hier in Kuba existiert institutioneller Sexismus fast gar nicht mehr – und die Reste, die noch immer von der Zeit vor der Revolution bestehen, werden tagtäglich bekämpft. Das ist ein riesiger Fortschritt und sollte auf jeden Fall anerkannt werden. Doch ist es das eine, Löhne auszugleichen, Gesetze zu ändern und mehr Frauen ins Parlament zu wählen. Eine ganz andere Herausforderung besteht jedoch darin, das Bewusstsein der Bevölkerung zu verändern. Auch die Zeitspanne, welche dafür benötigt wird, ist viel größer.

Um ein Bild davon zu geben, was es bedeutet hier als weiße Frau zu leben, werde ich ein paar Situationen aus meinem Alltag schildern.


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48,9% Frauen im Parlament – aber zum Busfahren brauchen sie einen Mann

Über die Widersprüchlichkeiten der Rolle der Frau auf Cuba

„Rund 63% der Universitätsabsolventen hier auf Cuba sind Frauen“ erzählt Elena mit einem stolzen Lächeln und lehnt sich in ihrem Schaukelstuhl zurück. Elena ist eine ältere, sehr herzliche Frau, die ihr ganzes Leben der Revolution und somit dem Kampf für ihre Ideale und Ziele gewidmet hat. Ein Punkt, der ihr besonders am Herzen liegt, war und ist bis heute die Gleichberechtigung beider Geschlechter. Sie selbst gehörte zu jenen Frauen, die nach der Revolution die Alphabetisierungskampagne unterstützt haben, in dem sie als Lehrerinnen arbeiteten. Diese starke Frau weiß wovon sie spricht, wenn sie berichtet, dass der Machismo wesentlich zurück gegangen ist und eine Emanzipation der Frau auf ökonomischer sowie politischer Ebene stattgefunden hat. Denn sie musste noch die Verhältnisse vor der Revolution kennen lernen, in der die Frau ökonomisch diskriminiert wurde und gesellschaftlich nichts weiter, als eine hübsche Dekoration ihres Mannes darstellte, die sich um den Haushalt kümmerte. Weiterlesen

Ungeschriebene Gesetze

Über die Sitzplatzhierarchie in cubanischen Stadtbussen

Akteure einer zehnminütigen Busfahrt durch Havanna: Der Busfahrer, der anhält und die Tür für eine alte winkende Dame öffnet, die anschließend im Schneckentempo die Straße überquert und sich in den Bus hievt. Der Junge, der das Gespräch mit seiner Freundin unterbricht um der alten Dame seinen Platz anzubieten. Der junge Mann, der für eine schwangere Frau den Platz frei macht. Die alte Dame, die vorhin den Platz erhalten hat und jetzt den Rucksack des jungen Mannes halten möchte. Der Greis, der beim Aussteigen die alte Dame auf seinen Platz winkt damit der Junge vom Anfang wieder neben seiner Freundin sitzen und das Gespräch fortsetzen kann. Weiterlesen