Obamas Kubabesuch, Teil 1 von 2

Eine Interpretation in Anlehnung an den Artikel „Obama y la economía Cubana: Entender lo que no se dijo“, von Augustín Lage* erschienen am 23.03.2016 auf Cubadebate.cu. (Übersetzung „Obama und die kubanische Ökonomie: Verstehen was nicht gesagt wurde“ zu finden auf amerika21.de)

Geschichtliche Intuition

„Die USA werden kommen um mit uns einen Dialog zu führen, wenn sie einen schwarzen Präsidenten haben, und die Welt einen Papst aus Lateinamerika.“ Fidel Castro Ruz 1973

Diese Antwort gab Fidel Castro vor rund 43 Jahren in einer Pressekonferenz auf die Frage eines britischen Journalisten hin, wann denn die Beziehungen zwischen den USA und Kuba – zweier trotz der geographischen Nähe derart voneinander entfernte Staaten – wieder hergestellt werden würden. Liest man diese Worte heute, so kommen sie vor dem aktuellen politischen Kontext regelrecht prophetisch daher. Nun kam also nachdem mit Franziskus ein lateinamerikanischer Papst im Amt ist (der zudem schon zwei Mal Kuba besuchte) am 20. März 2016 mit Barack Obama der erste schwarze US-amerikanische Präsident nach Kuba, um wie er selbst angekündigt hatte „ein neues Kapitel der bilateralen Beziehungen“ aufzuschlagen.

Doch rein prophetisch im Sinne einer göttlichen Eingebung, sollte man die Worte des Revolutionsführers Fidel aus dem Jahre 1973 nicht deuten. Damals vielleicht eher als ein Scherz gedeutet – denn wer hätte zu dieser Zeit gedacht wie weit z.B. die Einflüsse der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung („civil rights movement“, Martin Luther King etc.) reichen würden – kann man sie heute auch als Anspielung auf die Dialektik der Geschichte auffassen. In diesem Sinne wären die Worte eine Anspielung auf die Errungenschaften der sozialen Kämpfe in der Geschichte, aber zugleich auch eine Anspielung auf die Integrations- und Lernfähigkeit des kapitalistischen Systems selbst.

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Bilder im Kopf…

Mein erster Tag in Cuba, ich warte in der Stadt auf eine Bekannte, um mit dieser zusammen zum Strand zu gehen. Da werde ich angesprochen, woher ich komme, meine Antwort: „Deutschland“, die Reaktion: „Deutschland ist toll, ihr habt dort alles was ihr euch wünscht, alle eure Wünsche sind erfüllt und es gibt keine Probleme“.
Zweiter Tag in Cuba, ich treffe mich mit einem Bekannten zu einem Spaziergang. Nach einer langen Weile fragt er mich schüchtern, ob er mir eine Frage stellen darf, natürlich darf er.

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Kuba und Miami – eine schwierige Beziehung?

AndresVortrag

In den 60er Jahren verließen viele Kubaner_innen ihre Heimat weil sie sich in Miami ein „besseres Leben“ erhofften. Doch nicht alle von ihnen sind gegen die Regierung und die Ideen der kubanischen Revolution. Wir hatten die große Ehre Andres Gomez, ein Exilkubaner der in Miami lebt, kennenzulernen und mit ihm ein Interview zu führen. Da sich seit letztem Dezember zwischen Kuba und den USA vieles verändert hat, ist es für ihn sehr wichtig, mit jungen Menschen über die derzeitige Situation zu sprechen. Für ihn ist es ein Bedürfnis seine Erfahrungen und Werte weiterzugeben und zu teilen.

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Integration oder Ausgrenzung?

Chancen und Möglichkeiten beeinträchtigter Menschen auf Cuba

„Auf Cuba werden behinderte Menschen von der Gesellschaft ausgeschlossen, haben keinerlei Rechte und erhalten ebenfalls keine Unterstützung vom Staat“ als ich diesen Satz im Internet lese werde ich  zornig. Ist er doch so weit von der Wirklichkeit entfernt, die ich hier Tag für Tag erlebe. Erst gestern sah ich eine blinde Frau, die eine Kreuzung überqueren wollte. Doch bevor sie nur einen Fuß auf die Straße setzten konnte, kam schon ein Gemüsehändler angelaufen, dessen Karren an der Ecke aufgebaut war, um ihr zu helfen. Seinem Kunden überließ er so lange die Obhut seiner Waren. Oder  mir kommt das Bild des Straßenverkehrsmitarbeiters in den Sinn, dem ich regelmäßig vor der Coppelia, einer Eisdiele in der Innenstadt Havannas, begegne und der an einer Sprachstörung leidet, so dass es ihm unmöglich ist, Wörter zu formen. Weiterlesen

Wahlplakate in Cuba

Hier sind zwei Wahlplakte aus Cuba. Nach den Angaben des Namens, des Alters, des Beziehungstands, des Schulabschlusses und den Organisationsmitgliedschaften,  folgt noch ein Lebenslauf. Auf Grundlage dessen soll gewählt werden. Nicht weil Wahlversprechen gemacht werden oder eine politische Richtung verteten wird, da die Aufgabe IMG_0376eh sein wird, die Positionen der WäIMG_0375hlerInnen zu vertreten und die werden regelmäßig auf unterster Ebene diskutiert. Alle KandidatInnen haben so die gleichen Chancen, egal ob sie viel Geld haben oder nicht. Es gibt keine Wahlgeschenke, keine riesigen bunten Wahlplakte mit unhaltbaren Versprechen und auch keine teuren TV-Spots oder Anzeigen in den Zeitungen, die dafür sorgen, dass die, die dem Kapital dienen, an der Macht bleiben. Weiterlesen