Hommage an den Campus oder: Vom studentischen Leben an der CUJAE

Nicht selten ist von deutschen StudentInnen – besonders in den Großstädten – zu hören, dass man an den Universitäten schnell Gefahr laufen könne, in der Masse der Tausenden unterzugehen; sich mehr wie ein Individuum zu fühlen, das in einer Koexistenz zu den anderen lebt, als organischer Teil einer studentischen Gemeinschaft zu sein, die sich aus dem sozialen Miteinander formt. Von all jenen, die es nicht bei punktuellem Austausch und neben den Veranstaltungen geschlossenen Freundschaften bewenden lassen wollen, werden proaktives Handeln und Wille zum Engagement verlangt. Beispielsweise, um sich mit anderen StudentInnen in einer Hochschulgruppe zu organisieren oder den Hochschulsport zu besuchen. Selbstredend halten die Universitäten ein reichhaltiges Angebot an studentischen Aktivitäten bereit und wer sucht, wird letzten Endes auch finden. Doch längst nicht allen fällt dies so leicht, wie es zunächst klingen mag und sie bleiben zurück mit dem Eindruck, dass das Verhältnis zur Universität, auch mit Blick auf die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden, letzten Endes ein distanziertes ist.

Stichwort Distanz: Dem Kern des Problems sehr nahe könnte man in diesem Zusammenhang kommen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass StudentInnen in Deutschland auch ganz real, jenseits von an der Uni erlebter Einsamkeit und Individualisierung, voneinander entfernt leben. Wer StudentIn ist, begibt sich für gewöhnlich auf die teils beschwerliche Suche nach einer Wohngemeinschaft (WG), einem Zimmer in einem Studierendenwohnheim oder lebt weiterhin bei den Eltern. Dadurch verteilt sich die Studierendenschaft überwiegend auf die einzelnen Stadtviertel. Wenige Ausnahmen, in denen Studieren und Wohnen geographisch zusammen gedacht und entsprechend realisiert wurden, bestätigen in deutschen Städten die Regel, dass der Großteil der Universitäten mit auf das Stadtgebiet verteilten Campussen ebenfalls dezentral organisiert ist.

Dass es auch ganz anders gehen kann, erlebt unsere Gruppe mitunter intensiv hier am studentischen Campus der polytechnischen Universität CUJAE am Rande von Kubas Hauptstadt Havanna.

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Der Campus der CUJAE – eine Fotogalerie

Seit Ende Oktober wohnt unsere Projektgruppe nun schon auf dem Campus der größten technischen Universität Kubas. Gleich neben den voll besetzten  Studentenwohnheimen steht das „Edificio 700“, auch bekannt als Casa Tamara Bunke, in dem mit uns nun schon die dritte Gruppe des Proyectos lebt. Der volle  Name der CUJAE lautet „Universidad Tecnológica de La Habana José Antonio Echeverría“. Sie bietet momentan mehr als 7000 Studenten die Möglichkeit, die verschiedensten Disziplinen im Bereich des Ingenieurwesens oder auch Architektur zu studieren.

Am 2. Dezember 1964 gegründet, ist der zu Beginn noch als „Ciudad Universitaria“ (universitäre Stadt) bezeichnete Unicampus mittlerweile in die Jahre gekommen. Bei einem Rundgang über das weitläufige Gelände wirkt die CUJAE wie ein Ort, dessen Blütezeit in einer vergangenen Epoche gewesen zu sein scheint: einige der weit über 40 Gebäude stehen leer oder sind sogar bis auf die Grundmauern zurückgebaut, Flure in den Fakultäten sind verbarrikadiert, Tische und Stühle mit einer Staubschicht bedeckt und es fehlen nicht selten sowohl Fenster als auch Türen.

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Musik unter den Sternen

Es ist kurz nach acht Uhr abends. Die Sonne ist schon lange untergegangen, aber der Himmel ist noch nicht ganz schwarz wie in manch anderer Nacht. Wir werden angerufen, es ist einer der Organisatoren des Sommercamps der Jugendlichen der UJC – circa 100 junge Menschen haben die letzten Tage mit uns gemeinsam die Räume des Edificio 700 geteilt, vier Tage Programm unter dem Motto „VíVeLo“ (Lebe es!), dazu gehören Ausflüge, wie zum Parque Lenin, Botanischen Garten, Teatro Nacional mit Ballettaufführung oder auch Müllsammelaktionen, Dominoabende oder einfach mal nur das erfrischende Nass des Schwimmbads der CUJAE zu genießen. Der Anruf am Abend, der uns Bescheid gibt: in wenigen Minuten fangen einige Trovadore im Ranchón an zu spielen.

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Ein kunterbuntes Haus

Ehemalige Bunkistas haben vor uns Zeit, Kraft und Aufwand in das Edificio 700 gesteckt. Durch zahlreiche Gespräche und Verhandlungen um hier im Haus leben zu können und dürfen, durch Anschaffungen aller Art – angefangen mit einer Pumpe und einem Wasserspeicher auf dem Dach des Hauses bis hin zur aktuellsten Anschaffung einer Waschmaschine – hoffen wir nun die erste Gruppe zu sein die vollständig, während der gesamten Zeit unseres Aufenthalts hier wohnen wird. Weiterlesen

Da sind wir!

Bunkistas, Februar 2019

Die ProyectoteilnehmerInnen des Sommersemesters 2019.

Einige Wochen nach dem Vorbereitungstreffen in Frankfurt ist die Gruppe Februar 2019 nun komplett auf Kuba angekommen.

Auch wenn immer und überall – außerhalb Kubas – von der sogenannten „Entschleunigung“ die Rede ist und die ehemaligen Bunkistas uns bereits im Vorfeld auf eben dieses Phänomen bestmöglich vorbereiten wollten müssen wir feststellen, dass wir uns in diesem Punkt wahrscheinlich auf keinen Revolutionär, kubanischen Nationalhelden oder kommunistischen Vordenker berufen können, sondern uns eher an Albert Einstein halten müssen. Für uns ist die Entschleunigung auf Kuba vor allem relativ. Weiterlesen

Eröffnung der „Casa Tamara Bunke“

Am 23. Januar haben wir mit einer Veranstaltung feierlich die „Casa Tamara Bunke“ eingeweiht. Aus diesem Studentenwohnheim der technischen Universität Havannas (CUJAE) ist nun auch namentlich die Heimstatt des Proyecto Tamara Bunke geworden, nachdem die Hälfte unserer Gruppe es sich schon als dauerhaften Wohnort ausgesucht hatte. Wir haben in den letzten Monaten mit der Unterstützung von Kubaner*innen und den Projektträgern auf deutscher Seite einen Aufenthaltsraum mit Bibliothek sowie eine Küche eingerichtet. Außerdem wurde der überdachte Innenhof des Gebäudes in zwei Arbeitstagen und einigen –nächten entrümpelt, gestrichen und sogar noch ein bisschen begrünt, sodass dieser in Zukunft mit Sitzecke als Essens- und Begegnungsraum genutzt werden kann. Dass dies auch ein schöner Veranstaltungsraum sein kann, zeigte dann gleich unsere Info-Veranstaltung über Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht anlässlich ihrer hundertjährigen Ermordung. 30 Kubaner*innen folgten trotz Klausurenphase unserer Einladung und zeigten großes Interesse an der Geschichte der sozialistischen Bewegung in Deutschland. Im Anschluss daran folgte der offizielle Einweihungsakt mit der Enthüllung der von uns außen am Haus angebrachten Beschriftung „Casa Tamara Bunke“ und eines gemalten Porträts von Tamara. Sowohl von unserer Seite als auch in einem Redebeitrag des FEU-Präsidenten der CUJAE wurde betont, dass das Haus neben dem festen Zuhause für zukünftige Gruppen des Proyecto auch ein Ort der kubanisch-deutschen Begegnung  sein soll. Allen, die dazu beigetragen haben, dass das Proyecto nun ein festes Zuhause hat, gebührt auch an dieser Stelle noch einmal ein großer Dank! Was durfte zu einem runden Einweihungsprogramm nicht fehlen? Genau, die Fiesta! Eine Party mit Musik aus aller Welt bildete den Abschluss dieser gelungenen Festivität. Und auch wenn die „Casa Tamara Bunke“ nun eingeweiht ist – fertig ist sie noch lange nicht! Neue Gruppen können sich darauf freuen, genügend Raum zu haben um ihre Ideen zu verwirklichen und das Haus weiterzuentwickeln!

Dieser Artikel ist von Elias.