Von 2,5 Millionen Kühlschränken und dem guten Leben

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Ökologische Nachhaltigkeit ist schon lange kein Fremdwort mehr. Obwohl fast jedem mittlerweile bekannt ist, dass wir mehr verbrauchen, als die Natur an Ressourcen bietet oder wiederherstellen kann, wird die Frage zur Lösung dieser Problematik im Großteil der Welt in erster Linie von NGOs diskutiert und öffentlich angegangen. Durch Klimagipfel werden allenfalls Lösungen zum Aufschieben der Problematik gefunden und die Inhalte bleiben Richtlinie, sind für die Vertragspartner aber nicht bindend. Der Markt bleibt gesellschaftlich relevantestes Äquivalent und wirtschaftliche Interessen erhalten so gut wie immer eine höhere Priorität, als die Frage des nachhaltigen Lebens.
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Der wirtschaftliche Faktor der Spezialperiode und der Weg aus der Krise (Teil 2 von 4)

Neuorganisation der kubanischen Wirtschaft

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem damit verbundenen Zusammenbruch des COMECON musste sich Kuba auf dem Weltmarkt neu positionieren. Fehlende Devisen erschwerten dieses Vorhaben aber erheblich. Kubas Industrie und Agrarwirtschaft brach ohne Unterstützung der Sowjetunion zusammen, da Kuba aufgrund des US- amerikanischen Handelsembargos keinen oder nur mangelnden Zugang zu Öl, Pestiziden, Düngern, Chemikalien, Ersatzteilen und weiteren wichtigen Ressourcen und Industriebausteinen hatte. Weiterlesen

Der wirtschaftliche Faktor der Spezialperiode und der Weg aus der Krise (Teil 1 von 4)

Seit dem Zerfall des sozialistischen Lagers 1989/ 90 befindet sich Kuba in einem stetigen politischen Wandel. Mit der Auflösung der Sowjetunion und des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) brach das Fundament der kubanischen Wirtschaft weg. Das Land verlor mit einem Schlag seine wichtigsten Handelspartner und stürzte in die schwerste Krise seit dem Sieg der Revolution. Ab hier an rief die kubanische Regierung die Sonderperiode (período especial) aus, mit der eine Vielzahl tief gehende Reformen einhergingen, die die kubanische Wirtschaft transformierten, notgedrungen umentwickelten um langsam aber sicher mit dem Aufbau einer autarken, stabilen Wirtschaft mit anderen Schwerpunkten aus der Krise erneut emporzusteigen. Weiterlesen

Über Gespenster und Fledermäuse – Wie ein Schluck Bacardi der kubanischen Revolution schadet

20160708_165302#1Deutschland, Hamburg, 21.30 Uhr. Neongelbes Licht lässt die Umrisse einer Gruppe von Jugendlicher erahnen, die sich im Halbdunkel einer „Netto“ Reklametafel zusammengerottet haben. Rauch steigt über ihren Köpfen auf, windet sich um besagtes Schild und wird von der Dunkelheit verschluckt. Es ist ruhig um diese Zeit, die Straßen wie leergefegt. In der Ferne ist das Schlagen eines Glockenturms zu vernehmen. Eine Fledermaus lässt sich auf einem Baum in der Nähe nieder und scheint die Gruppe mit durchdringendem Blick zu beobachten.

„Vodka, Gin, Whisky, Rum?, Wie wäre es mit einer Flasche Bacardi?“  Weiterlesen

Obamas Kubabesuch, Teil 1 von 2

Eine Interpretation in Anlehnung an den Artikel „Obama y la economía Cubana: Entender lo que no se dijo“, von Augustín Lage* erschienen am 23.03.2016 auf Cubadebate.cu. (Übersetzung „Obama und die kubanische Ökonomie: Verstehen was nicht gesagt wurde“ zu finden auf amerika21.de)

Geschichtliche Intuition

„Die USA werden kommen um mit uns einen Dialog zu führen, wenn sie einen schwarzen Präsidenten haben, und die Welt einen Papst aus Lateinamerika.“ Fidel Castro Ruz 1973

Diese Antwort gab Fidel Castro vor rund 43 Jahren in einer Pressekonferenz auf die Frage eines britischen Journalisten hin, wann denn die Beziehungen zwischen den USA und Kuba – zweier trotz der geographischen Nähe derart voneinander entfernte Staaten – wieder hergestellt werden würden. Liest man diese Worte heute, so kommen sie vor dem aktuellen politischen Kontext regelrecht prophetisch daher. Nun kam also nachdem mit Franziskus ein lateinamerikanischer Papst im Amt ist (der zudem schon zwei Mal Kuba besuchte) am 20. März 2016 mit Barack Obama der erste schwarze US-amerikanische Präsident nach Kuba, um wie er selbst angekündigt hatte „ein neues Kapitel der bilateralen Beziehungen“ aufzuschlagen.

Doch rein prophetisch im Sinne einer göttlichen Eingebung, sollte man die Worte des Revolutionsführers Fidel aus dem Jahre 1973 nicht deuten. Damals vielleicht eher als ein Scherz gedeutet – denn wer hätte zu dieser Zeit gedacht wie weit z.B. die Einflüsse der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung („civil rights movement“, Martin Luther King etc.) reichen würden – kann man sie heute auch als Anspielung auf die Dialektik der Geschichte auffassen. In diesem Sinne wären die Worte eine Anspielung auf die Errungenschaften der sozialen Kämpfe in der Geschichte, aber zugleich auch eine Anspielung auf die Integrations- und Lernfähigkeit des kapitalistischen Systems selbst.

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Cool bleiben – Was sagt Havanna zum Obama-Besuch?

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Mit Gitarre und Knarre: Che Guevara auf einem Wandbild in Havanna (Quelle: Ueslei Marcelino/Reuters / jW)

In den Tagen vor dem Beginn des historischen Staatsbesuchs von US-Präsident Barack Obama lag in der kubanischen Hauptstadt Havanna etwas in der Luft. Straßen wurden geteert, die Häuser am Malecón mit Hochdruck saniert, und vor dem »Habana Libre«, dem ehemaligen Mafiatempel und Hilton-Hotel, weht seit kurzem wieder eine US-Fahne – neben der kubanischen und einigen anderen. »Wir gehen davon aus, dass der Besuch gut für Kuba sein wird und die Kubaner bessere Möglichkeiten für ihre wirtschaftliche Entwicklung und eine bessere Zukunft bekommen«, meint der 18jährige Luis Angel Peña, der in Havanna zur Schule geht. »Wir sind zwei komplett verschiedene Länder, haben aber viele kulturelle Gemeinsamkeiten.« Er würde es auch begrüßen, wenn Kubas Präsident Raúl Castro im Gegenzug die USA besuchen würde. »Der Besuch wird Kuba internationales Prestige verleihen. Es ist ein Besuch, der die Beziehungen zwischen beiden Völkern verbessern kann«, meint auch Otto Guerra González (63), der als Geschichtsdozent an der Universität von Havanna gearbeitet hat.

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Das Recht, Fehler zu machen (Teil 2)

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Der Oldtimer als symbol für den Tourismus in Kuba? (Quelle: Fotoflair)

Kuba befindet sich im Umbruch und mit dem Land auch die Wahrnehmung Kubas in der Welt. Nach der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen vor gut einem Jahr haben die Vereinigten Staaten endlich eine substantielle Lockerung des Embargos vorgenommen die über reine Symbolpolitik hinausgeht. Nun kann, zumindest theoretisch, auch an kubanische Staatsunternehmen exportiert werden. Theoretisch, denn jede Lizenz wird einzeln genehmigt und die Warenbandbreite ist noch immer begrenzt. Dennoch: Es dürfen nun auch Kredite ausgegeben werden, was das ganze für Kuba interessant macht.

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Auf der Suche nach Olivenöl oder warum in Cuba die Regale teilweise leer sind

Ich: „Hay aceite de oliva?“ (Gibt es Olivenöl?)
Antwort: „No, no hay!“ (Nein, gibt es nicht!)
Ich erlebe das erste Mal, dass auch wenn ich über die finanziellen Mittel verfüge, ich die Dinge die ich gerne hätte, nicht kaufen kann da sie gar nicht importiert werden, nicht hier hergestellt werden oder gerade ein Mangel daran herrscht. So merke ich in einem Devisenladen wenn es gerade an Devisen mangelt, dass einige Regale dann leer sind. Z.B. meine Einkaufstour letzte Woche: Ich komme zurück und habe nicht alle Dinge auf meinem Einkaufszettel in den 5 Läden wo ich nachfragte bekommen. Olivenöl, Haarlack, Käse, Nudeln und Gemüsebrühe standen auf meiner Liste und die beiden Erstgenannten waren für mich nicht aufzutreiben.

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Wie frei ist das Internet in Kuba?

Immer wieder wird in den internationalen Medien über Internetzensur in Kuba berichtet. Nach Ansicht vieler US-amerikanischer Politikinstitute ist das Internet in Kuba in höchstem Maße unfrei. In einem von der neoliberalen Stiftung „Freedom House“ erstellten Index über die Freiheit des Internets wird Kuba mit 84 von 100 Punkten (bei dem 0 die bestmögliche Bewertung darstellt) ein überaus schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die internationalen Medien schlagen in die selbe Kerbe, Begriffe wie Zensur, Abschottung und Gängelung prägen die Terminologie in Bezug auf die Internetpolitik der kubanischen Regierung. Doch wie ist es auf der sozialistischen Insel tatsächlich um die Freiheit des Internets bestellt? Weiterlesen