Ein Ballettabend

Vor einigen Wochen haben wir uns die Zeit genommen, uns eine Aufführung des Ballet Nacional de Cuba anzusehen. Das Ballet Nacional de Cuba wurde 1959 von der Tanz-Diva Alicia Alonso gegründet. Sie ist 1927 in Havanna geboren und war schon als Kind eine außerordentlich talentierte Tänzerin. In den 30er Jahren ging sie nach New York, um an der School of America Ballett studieren. Obwohl sie seit dem Alter von 19 Jahren an ihrem linken Auge fast blind ist, hat sie regelmäßig auch an Broadway-Aufführungen, sowie als die erste amerikanische Tänzerin am Bolshoi teilgenommen. 1948 kehrte sie nach Havanna zurück. Mit Unterstützung von Batista gründete sie die Alicia Alonso Dance Company. Die Anfangsjahre waren nicht einfach. 1956 musste sie ins Exil, weil sie sich gegen die Batista-Regierung geäußert hatte. 1959 wurde sie gebeten, nach Cuba zurückzukehren… Nun gründete sie das Ballet Nacional de Cuba mit Unterstützung von Fidel Castro. Heute ist sie ein Synonym für das Ballet Nacional de Cuba. Zu ihrer eigenen Komposition gehören vor allem „Giselle“ (auch aufgeführt in Paris) und „Dornröschen“ (auch aufgeführt in Wien und Mailand).

Unser Ballettabend fing mit dem Stück „Estudios para Cuatro“ an. Es war eine Nachahmung der Tangomusik von Astor Piazzola durch den klassischen Tanz mit allen Möglichkeiten, sich frei auszudrücken. Der Choreograph Iván Tenorio ist ein Kenner der Ausdrucksmöglichkeiten des Tanzes und hatte einen Zugang zu der kurvigen Musikalität des Cuatro-Tangos. Die Bearbeitung von Tenorio bindet Vieles der sinnlichen Welt ein, was Tango kommuniziert. Auf einer offenen Bühne hat der Bühnenbildner Ricardo Reymena für dieses Stück eine Atmosphäre der Vorstadt, ein nächtliches Ambiente des sozialen Abseits geschaffen. Das Bühnenbild ruft ein reines Universum des Tangos hervor, bringt uns die Ursprünge des Tangos näher und macht die Absichten der Choreographien greifbar. Denn der Tango hat seine Wurzeln in unteren Sozialschichten und in der Migration und drückt Schmerzen und Melancholie dieser Geschichten aus.

Danach folgte „Muñecos“ – die Puppen – das ewige Thema der Puppen, die in der Nacht zum Leben erweckt werden – schon von Anfang an ein Thema des Theaters. Im Original nach Hans-Christian Andersens Märchen „Der Bleisoldat“ trägt die Puppe ein Kleid aus Pailletten. Dieses Mal eine Cubanische Variante der Puppe mit geflicktem Kleid und ein universaler Bleisoldat. Der Mondschein und die Erzählung lösen das Leben und die Liebe aus. Aber der Glanz des Zaubers kommt zu einem Ende. Im Raum bleibt die Nostalgie. Dieses Ballett wurde 1978 beim internationalen Wettbewerb für Choreographie in Japan prämiert und 1984 in Brasilien wurde diesem Ballett der „Nina Verchinina“-Preis verliehen.

Das dritte Stück war „Das Festival der Blumen in Genzano“. Dieses Ballett wurde am 19. Dezember 1858 in Dänemark uraufgeführt. Der ursprüngliche Choreograph war August Bournonville. Dieses Ballett war ein repräsentatives Beispiel des „Bournonville-Stil“ – der unter anderen Besonderheiten Beintechniken vorzeigt. Alicia Alonso hat seine Choreographie etwas modifiziert. Die Handlung ist die Liebe zwischen Rosa und Pablo und eine Anspielung auf das Festival der Blumen, das heute noch im Monat Juni in Genzano, Italien, aufgeführt wird.

Das letzte Stück war „La Fille Du Danube“ – die Tochter der Donau: das Debüt des Ballet Nacional de Cuba. Dieses Ballett war ein Ballett-Pantomime, das heißt, dass die Tanzenden ihre Mimik und Gestik auf besonders ausdrucksstarke Weise nutzen – uraufgeführt am 21. September 1836 – am Anfang des Zeitalters der Romantik. Die Vorgeschichte: der junge Rudolph, der Ritter von dem Baron Willibald, ist in die „Fleur des Champs“ verliebt, von deren Ursprung zunächst nichts bekannt ist. Sie wurde am Donauufer entdeckt. Sie erwidert Rudolphs Gefühle. Rudolph entscheidet, sie als Frau zu nehmen. Die Liebe auf dem Prüfstand stellend, stürzt sie ins Wasser der Donau. Rudolph ist in Wahnsinnsqualen. Verzweifelt stürzt er auch in die Donau.
Auf der Bühne sehen wir wie in der Tiefe des Flusses Rudolph durch die Königin der Nymphen wieder zum Leben erweckt wird. Um die Authentizität seiner Liebe zu prüfen, befiehlt sie einigen Nymphen, ihn zu verführen. Rudolph erkennt die „Fleur des Champs“ inmitten der Nymphen und gibt wieder eine Liebeserklärung ab. Das Liebespaar fleht die Königin an, sie an die Erde zurückzugeben. Die Königin erfüllt seine Wünsche. Rudolph und Fleur des Champs reisen ab, um die Vollkommenheit ihrer Liebe zu genießen.

Dieser hochwertige Genuss kostete nur 10 Pesos (umgerechnet circa 40 Cent). Die Kultur hat hier die höchste Priorität neben Gesundheitssystem und Bildung.

 

Fotos von Lea

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Libreta – Lebensmittelkarte

Gerechte Verteilung von Lebensmitteln ohne Privilegien

Nachdem Cuba in den ersten Jahren nach dem Sieg der Revolution unter einer Wirtschaftskrise zu leiden hatte und das US-Handelsembargo ansatzweise zu greifen begann, führte die Regierung im März 1962 die sogenannte „Libreta“ ein. Gegen Vorlage dieser Lebensmittelkarte erhielt jeder Cubaner bestimmte Grundnahrungsmittel, die eine Monatsration darstellen sollten. Die „Libreta“ hat noch immer Bestand. Weiterlesen

21. Bienal Internacional de Humorismo Gráfico in San Antonio de los Baños

San Antonio de los Baños liegt 26 Kilometer von Havanna entfernt. Hier gibt es die Internationale Schule für Film und Fernsehen und das Museo del Humor. Das Museum ist einmalig für seine politischen Karikaturen und witzigen Cartoons und landesweit bekannt. Im März 1979 in einer neokolonialen Villa aus dem Jahr 1930 eröffnet, ist das Museum im Zwei-Jahres-Rythmus Schauplatz der Bienale Internacional del Humor. So fand, zeitgleich zur 13. Bienal von Havanna, diesen März und April die 21. Bienale Internacional de Humorismo Gráfico statt. Weiterlesen