Kubanische Kristalle

Wir befinden uns auf einem Streifzug durch das Nachtleben Havannas. Kubanisch formuliert: „Estamos habaneando“. Mental müde vom dreistündigen Philosophie-Kurs in der Universität und körperlich geschafft von der winterlichen Hitze (!) der Hauptstadt steuern wir zunächst ein Café an, denn auch der Koffeinspiegel ist besorgniserregend niedrig. Die Kellnerin nimmt die Bestellungen auf. Unsere kubanischen Freunde wollen sich zusätzlich zum Kaffee mit einem Softdrink erfrischen. Daran scheint für uns auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches zu sein. Wer käme denn nicht auf die Idee, auf bitter und heiß, süß und kalt folgen zu lassen?

Kurz darauf wird serviert. Vor jedem steht eine dampfende Tasse des braunen Goldes, von dem die halbe Welt abhängig zu sein scheint. So einfach und doch irgendwie genial lässt sich ein ermattender Tag kurzweilig ausblenden. In diesem von kulinarischer Leidenschaft beseelten Augenblick können wir uns kaum etwas Besseres als den kräftigen Geschmack kubanischen Kaffees in seiner absoluten Reinheit vorstellen. Doch umgehend müssen wir feststellen, dass es beileibe nicht allen am Tisch so ergeht.

Als sei der Zuckergehalt des Softdrinks noch lange nicht genug, langen unsere Freunde beherzt in die Mitte des Tisches nach der Zuckerdose und schaufeln sich wortwörtlich einen Teelöffel nach dem anderen in die Tassen. Das pure, braune Gold verwandelt sich in einen heißen Softdrink oder besser gesagt in Zuckermasse mit Kaffeearoma. So jedenfalls beurteilen wir diesen Vorgang, der letztlich nur eines von vielen Beispielen für den Zuckerkonsum der KubanerInnen ist, der kaum ein Limit und schon gar keine Tagesrationen kennt. Auch wir sind, das muss an dieser Stelle so nüchtern konstatiert werden, meilenweit davon entfernt, uns dem zu entziehen.

Wir beschließen, der Sache auf den karamellisierten Zahn zu fühlen.

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Salud es lo primero – die Gesundheit ist das Erste (Teil 2)

Im ersten Teil bin ich darauf eingegangen, welche Errungenschaften die kubanische Revolution in Bezug auf das Gesundheitssystem vorzuweisen hat und welche Hürden den KubanerInnen dabei gestellt wurden. Die damalige wirtschaftliche Hilfe von der Sowjetunion und anderen Ländern Osteuropas war keine einseitige Hilfe. Die Unterstützung erfolgte durch den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW).

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zum bisher schwersten Unfall in der Geschichte der Kernenergie. Kuba bot sofort die Aufnahme, Behandlung und Pflege strahlengeschädigter Kinder an. Mehr als 24’000 PatientInnen wurden dort jeweils für einen Zeitraum von mindestens 45 Tagen oder auch über Jahre hinweg behandelt. Der im März 1985 zum neuen Generalsekretär der KPdSU (Kommunistische Partei der Sowjetunion) gewählte Michael Gorbatschow hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits begonnen, die Haltung seines Landes gegenüber Kuba zu verändern.

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Der Campus der CUJAE – eine Fotogalerie

Seit Ende Oktober wohnt unsere Projektgruppe nun schon auf dem Campus der größten technischen Universität Kubas. Gleich neben den voll besetzten  Studentenwohnheimen steht das „Edificio 700“, auch bekannt als Casa Tamara Bunke, in dem mit uns nun schon die dritte Gruppe des Proyectos lebt. Der volle  Name der CUJAE lautet „Universidad Tecnológica de La Habana José Antonio Echeverría“. Sie bietet momentan mehr als 7000 Studenten die Möglichkeit, die verschiedensten Disziplinen im Bereich des Ingenieurwesens oder auch Architektur zu studieren.

Am 2. Dezember 1964 gegründet, ist der zu Beginn noch als „Ciudad Universitaria“ (universitäre Stadt) bezeichnete Unicampus mittlerweile in die Jahre gekommen. Bei einem Rundgang über das weitläufige Gelände wirkt die CUJAE wie ein Ort, dessen Blütezeit in einer vergangenen Epoche gewesen zu sein scheint: einige der weit über 40 Gebäude stehen leer oder sind sogar bis auf die Grundmauern zurückgebaut, Flure in den Fakultäten sind verbarrikadiert, Tische und Stühle mit einer Staubschicht bedeckt und es fehlen nicht selten sowohl Fenster als auch Türen.

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Wie alles beginnt.

Berichteaushavanna gibt es jetzt auch im Videoformat.

Wir haben es geschafft! Ab jetzt sind wir mit unserem Blog auch auf YouTube vertreten und laden dort Videos hoch, die zusätzlich zu unseren Artikeln Einblicke in das Leben auf Kuba und den Alltag im Projekt geben.

In unserem ersten Video möchten wir die Ankunft, die jede neue Gruppe des Tamara Bunke-Projektes in Kuba erlebt, anhand einiger unserer Impressionen veranschaulichen. Für die Bunkistas beginnt das Solidaritätsprojekt auf der Isla de la Juventud, auf der mithilfe eines Sprachkurses an der dortigen Universität die Spanischkenntnisse verbessert werden. Nebenbei bleibt natürlich auch Zeit, um sich der Natur, Freizeitaktivitäten oder dem Kennenlernen des doch so anderen Lebens der KubanerInnen zu widmen. Aber seht selbst…

La Habana und ihre revolutionäre Architektur

Die „Plaza Vieja“ (zu deutsch: Alter Platz) bildet gemeinsam mit der „Plaza de la Catedral“ und der „Plaza de Armas“ das Herzstück der Altstadt Havannas. Bisweilen werden die Plätze an – nicht gerade eine Seltenheit – sonnigen Tagen von Touristenströmen geflutet. Man bestaunt die teils mehrere Jahrhunderte alten Bauten, füllt den Kameraspeicher mit Erinnerungsfotos oder bestellt sich zum Klang klassischer bis moderner kubanischer Musik einen Kaffee, ein kühles Bier oder gar einen der ausgezeichneten kubanischen Cocktails.

Die “Plaza Vieja“ jedoch hat mehr zu bieten als Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten für Touristen. Ein recht unscheinbares Gebäude gleich neben dem Planetarium lädt zu einem Besuch der „Cámara Oscura“ (Dunkelkammer) ein. Deren Funktionsweise war bereits den Menschen der Antike bekannt und wurde nicht zuletzt von Leonardo da Vinci für seine Arbeiten optimiert. Weltweit gibt es knapp über 70 dieser „Cámaras“, von denen zwei in Lateinamerika ihren Platz haben.

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Die Jugend und ihre Herausforderungen [Teil 3]

Auf der internationalen Konferenz für Demokratie und gegen Neoliberalismus nahm ich mit einer anderen Bunkista an der Kommission der “Jugend, ihre Strategien und der Kontinuität in den Kämpfen” teil. Es waren doch mehr junge Menschen versammelt, als ich erwartet hatte und so nahmen wir in dem schon fast überfüllten Konferenzraum unsere Plätze ein und lauschten den Redebeiträgen, die ihre Wege aus den verschiedensten Ländern nach Kuba gefunden hatten und die unterschiedlichsten Lebensrealitäten und ihre Problematiken, Wünsche und Ideen widerspiegelten. Dennoch verband uns alle eins: Der Kampf um eine bessere Welt…

Impression von der Komission

Impression der Komission

 

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