Fotoreihe: Fackelmarsch zum Geburtstag José Martís

 

Am 27. Januar, am Abend vor José Martís Geburtstag, dem größten Nationalhelden der Kubaner, findet traditionell ein Fackelmarsch von der Escalinata, einer breiten Treppe vor der Universität Havanna, runter zum Malecón statt.

Weiterlesen

Advertisements

Aus dem Schnee in die Sonne

Hallo, wir sind Mateo und Jurek. Zu zweit stellen wir die neue Gruppe dar, die im nächsten halben Jahr in die faszinierende Welt Kubas eintauchen wird, um am Ende viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit nach Hause nehmen zu können. Auf der Suche nach Antworten wissen wir schon nach zwei Wochen, dass wir Kuba wohl mit mehr neuen Fragen verlassen werden, als wir eingereist sind. Trotzdem hoffen wir in unserer Zeit hier der Essenz einer solidarischen Gesellschaft ein bisschen näher zu kommen.

Mit diesen Hoffnungen und Erwartungen sind wir vor zwei Wochen dann mit einiger Verspätung aus dem kalten verschneiten Deutschland im warmen abendlichen Havanna gelandet.
Gleich als wir aus dem Flieger stiegen und mit dem Taxi durch die leeren, dunklen Straßen dieser uns völlig fremden Stadt fuhren, fühlten wir uns in eine andere Welt versetzt.

Weiterlesen

Intergration im Grünen

Wir stehen an der Avenida Salvador Allende, einer lauten, stark befahrenen Hauptstraße mitten in Havanna. Die typischen, alten Ladas und überfüllten Busse rauschen vorbei, Kollektivtaxis laden Leute neben uns ein und aus, immer wieder drücken sich Menschen an uns vorbei, um ihrem Alltag nach zu gehen. Einige cuenta propistas (Selbstständige) in quietsch-bunten Oldtimern fahren Touristen mit roten Köpfen und dicken Kameras die Straße hoch zum Revolutionsplatz, damit sie ihre obligatorischen Urlaubsfotos mit dem Che Guevara Wandgemälde machen können.

Der typische Havanna-Trouble also. An dieser Straße befindet sich auch der Botanische Garten „Quinta de los Molinos“. Als wir ihn betreten, fühlt es sich an, als würden wir den ganzen Lärm der Straße meilenweit hinter uns lassen, obwohl dieser nur zehn Meter hinter uns liegt. Plötzlich ist es ruhig, man hört das Rauschen des Windes in den Bäumen, einige Vögel, die Luft fühlt sich sauber und klar an. Dank der Atmosphäre fühle ich mich sofort entspannt und ruhig in diesem Garten.

Freizeit für alle

Der Ort hat viele Phasen durchgemacht: lange hat er der Erholung und Freizeit der spanischen Obrigkeit zugestanden, dann war er wegen Restauration geschlossen, aber nun können ihn endlich alle Kubaner genießen. Die Grünanlage ist zwar nicht öffentlich, trotzdem ist er jedem zugänglich, im Rahmen von Führungen, Projekten, Workshops, Vorstellungen, etc. Seit 2011 finden hier auf den 4,8ha Gartenanlage zwischen verschiedenen tropischen Pflanzen Umwelt- und soziokulturelle Projekte statt.

Es werden hier insgesamt 18 unterschiedliche Workshops für verschiedene Zielgruppen angeboten. Den Kindern und Jugendlichen aus den umliegenden Schulen des Viertels soll vor allem Umweltbewusstsein näher gebracht werden. Dazu bekommen sie Führungen durch den Park, besuchen die verschiedenen Tiere des Gartens und das Schmetterlingshaus, welches errichtet wurde, um die Population der Insekten auf der Insel zu erhöhen. Für Rentner werden verschiedene Kurse angeboten, um ihren Alltag im Alter zu gestalten, zum Beispiel Tai Chi, Fotografie, Malerei oder Tanzkurse. Darüber hinaus gibt es verschiedene Events, Festivals und Expositionen während welchen die ganze Familie den botanischen Garten besuchen kann.

La Quinta por la Inclusión

Seit 2014 existiert das Projekt „La Quinta por la inclusión“, ein Projekt für Jugendliche mit körperlichen und mentalen Behinderungen. Das Ziel ist die Inklusion der Jugendlichen in die kubanische Gesellschaft. Sie sollen hier bestimmte Fertigkeiten erlernen, damit sie ihren Alltag besser alleine meistern können und Autonomie erreichen.

Die soziale Integration ist für die Jugendlichen deshalb so schwierig, weil ihre Eltern ihnen oft nicht genug zu trauen. Sie behüten sie zu stark aus Angst um sie, und schließen sie dadurch leider aus dem normalen Gesellschaftsleben aus. Denn sie erlernen die alltäglich benötigten Fähigkeiten nicht: zum Beispiel wie man mit Geld umgeht oder abwäscht. Hier werden sie nicht nur in Kursen aufs selbständige Alltagsleben vorbereitet, sondern auch dazwischen: Nach dem gemeinsamen Mittagsessen helfen die Jugendlichen beim Abwasch. Auch wenn ihnen ein Teller kaputt geht, soll ihnen klar gemacht werden, dass das normal ist, und sowas jedem mal passiert. Denn solche Ereignisse nehmen die Jugendliche stark mit, da sie nicht gelernt haben, ihre Gefühle zu kanalisieren.

Ihnen werden Gärtnerei, Pscioballet – Eine Mischung aus Physiotherapie und Ballett, Filmkurse, welche zum gemeinsamen Diskutieren anregen sollen und Kunst- und Theaterkurse angeboten. Im Videospielkurs soll ihnen der Umgang mit Computern beigebracht werden. Es gibt auch einige kombinierte Kurse, zum Beispiel helfen die Rentner den Jugendlichen gerne beim Basteln. Außerdem gibt es Zootherapie, hier sollen sie lernen wie man Verantwortung für jemand anderes übernimmt. Einmal in der Woche besucht sie eine Tierärztin mit verschiedenen Haustieren. In Fotografie lernen die Jugendlichen sich selbst besser wahrzunehmen und stolz auf ihre geschaffenen Werke zu sein. Durch diesen Kurs werden sie auch an die „normale“ Gesellschaft angebunden, denn sie nehmen regelmäßig an verschiedenen Fotowettbewerben teil. Darüberhinaus bietet das Projekt Beratung und Unterstützung für die Eltern an, damit sie lernen, wie man mit einem behinderten Kind umgeht, wie man es gleichzeitig schütz und unterstützt, ohne ihnen ihre Autonomie zu nehmen.

Viele der Jugendlichen verbringen den ganzen Tag im Projekt, bis ihre Eltern sie wieder abholen. Das verschafft ihnen eine  Alltagsstruktur und regelmäßige soziale Kontakte. Er ermöglicht ihnen Freiheit und Verantwortung, und hilft ihnen aus ihrer sozialen Impotenz raus. Mittlerweile sind sogar 8 der Teilnehmer als Gärtner im Quinta de los Molinos angestellt. Ihnen wird natürlich auch gezeigt, wie man dann mit ihrem eigenen Gehalt umgeht. Allgemein wird auf Kuba darauf geachtet, Menschen mit körperlichen und mentalen Behinderungen in allen staatlichen Betrieben zu intergrieren.

Alle sozialen Projekte im botanischen Garten werden durch die Einahmen der Museen von Havanna finanziert. Jetzt wo ich weiß, dass die „Oficina del Historiador“ (Amt der Historiker) seine Einahmen für gute Zwecke benutzt, ist es weniger schmerzhaft, dass mein Freund 8 CUC (ungefähr 7 Euro) für das Revolutionsmuseum zahlen musste, während es mich  dank meines  Residenzausweises nur knapp 30 Eurocent gekostet hat. Denn es kommt guten Projekten wie diesem zu gute.

Hier geht es zu weitern Artikel von Julia

 

 

Sieben Filme für 40 Cent

Es ist Dienstag, kurz nach zehn, wir stehen vor dem Kino Yara und warten auf kubanische Freunde. Wir haben uns verabredet um uns einen Film anzusehen. Der komplette Platz vor dem Kino ist voll mit Kubanern, die sich alle herausgeputzt haben.

Der Grund – zum 39. Mal findet das internationale Festival des lateinamerikanischen Kinos in Havanna statt. Vom 8. bis zum 17. Dezember hat man in 14 teilnehmenden Kinos in der ganzen Stadt die Möglichkeit mehr als 400 Dokumentationen, Komödien, Dramen und Opern aus Lateinamerika, aber auch aus anderen Ländern zu sehen.

Bereits vor einer Woche hatten wir unseren Kinopass an einem der zahlreichen Kinos in Havanna geholt. Für 40 Eurocent, was umgerechnet auch für die Kubaner wenig Geld ist, erhält man einen Kinopass mit sieben Eintritten.

Als die Kubaner mit Verspätung auch vor dem Kino auftauchen, stellen wir uns in die Schlange, einige Personen verkaufen Süßigkeiten und Popcorn, wir decken uns für die Wartezeit ein. Die Schlange vor dem Kino ist meterlang und wir stehen nicht besonders weit vorne, ich mache mir Sorgen, dass wir vielleicht nicht mehr reinkommen werden. Kurz vor halb 11 werden die Türen aufgemacht und innerhalb von zehn Minuten sind alle Menschen im Kinosaal. Drinnen bin ich erleichtert, das Kino ist riesig, alle finden einen Platz, denn es ist für 1000 Leute ausgelegt.

Die Atmosphäre im Kino ist entspannt und statt Werbung werden Clips verschiedener Kampagnen gezeigt. Ein Video der Kampagne für Frauenrechte „tu eres más“ (Du bist mehr) macht auf die sexuelle Emanzipation der Frau aufmerksam. Ein Anderes wirbt für eine Hilfshotline, welche man anrufen kann, wenn man Fragen zu Themen wie Verhütung, Geschlechtskrankheiten und Sexualität hat. Während man sich in Deutschland durch eine halbe Stunde Werbung vor den Filmen quälen muss, wird die Zeit hier genutzt, um Probleme wie Sexismus zu bekämpfen und die Gesellschaft aufzuklären.

Los buenos demonios

Der Film den wir uns anschauen heißt „Los buenos demonios“, eine kubanische Produktion und einer der beliebtesten Filme des Festivals. Er handelt von einem selbstständigen Taxifahrer, der als eine weitere Einnahmequelle ausländische Touristen ermordet und ihre Wertsachen behält. Sein Freund, ein selbstständiger Restaurantbesitzer, betreibt ebenfalls schmutzige Geschäfte, kauft illegale Waren ein und beschäftigt den Taxifahrer illegal als Zulieferer.

Außerdem wird der Konflikt zwischen den sogenannten „cuenta propistas“ (Selbstständigen) und dem Rest der kubanischen Gesellschaft dargestellt. Der Taxifahrer eckt immer wieder mit seiner Mutter, aufgrund von verschiedenen Moralfragen, an. Ein alter Bekannter des Restaurantbesitzers besucht ihn in seinem Lokal und macht ihn darauf aufmerksam, dass Menschen bei ihm mehr als eine kubanischen Mindestlohn da lassen, Menschen ohne Deviseneinahnen könnten sich nicht den selben Lebensstandart wie er leisten, und er wäre Teil des Problems, was Ungleichheit unter Kubaner schaffen würde.

Während mir aufgrund der ganzen Moralfragen und Probleme die im Film dargestellt werden,  die die doppelte Währung mit sich bringt, ganz mulmig wird, nimmt der Rest des Saals die Sache mit Humor. Sie können über ihre Probleme lachen und sind bereit sich mit ihnen auseinanderzusetzen,  die dargestellten Probleme zu kritisieren und zu diskutieren. Der Aspekt der Kritik und Selbstkritik ist in einer sozialistischen Gesellschaft wie der Kubanischen essenziell, um sich an Problemen weiterzuentwickeln und den kubanischen Sozialismus weiterzuentwickeln.

Bildung auf der großen Leinwand

Das Motto „Ver para crecer“ des Festivals (sehen, um daran zu wachsen) wird nicht nur durch das Aufzeigen und Kritisieren von gesellschaftlichen Problemen erfüllt. Es werden auch viele Dokumentarfilme gezeigt, die Themen anschneiden, die im kubanischen Alltag wenig präsent sind und selten angeschnitten werden, weil sie zum Teil den Kubanern unangenehmen sind. Beispielweise werden Filme zu Homo- und Transsexualität gezeigt, oder eine Dokumentation zu männlichen Ballerinas. Die genannten Dokus sollen vor allem einen Bruch mit dem typischen, einseitigen, kubanischen Männerbild schaffen. Für viele Kubaner ist es immer noch schwer

über das klassischen Männerbild, des starken, unverletzbaren Beschützer und Helden hinauszudenken.

Typische „linke“ Themen waren natürlich auch auf den Festival vertreten. Auf dem Programm stand auch eine besonderer Vorführung im „23 y 12“ eines Filmes von 1927 zur russischen Revolution. Im Kino „Infanta“ gab es eine Sondervorstellung zu dem Film „Ernesto“. Wer jetzt an Ernesto Che Guevara denkt liegt nicht ganz falsch, aber der Film handelt nicht vom dem bekannten Revolutionär. Die japanisch-bolivianische Produktion handelt von Freddy Maymura, einem bolivianischen Freiheitskämpfer, der selber als „Ernesto“ bekannt war und an der Seite von Che kämpfte. Che Guevara inspirierte ihn in den Befreiungskampf Boliviens zu ziehen. Leider starb er 1967 mit nur 25 Jahren, als die bolivianische Befreiungsfront aus dem Hinterhalt angriffen wurde.

Direktor Junji Sakamato, sagte er hätte sich mit den beiden Ernestos auseinandergesetzt, weil sie zwei starke Persönlichkeiten gewesen waren. Sie wären voller Mut und Kampfüberzeugung, aber auch voller Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft für Arme und Schwache gewesen.

Ein Stück Heimat in Kuba

Im Rahmen des Festivals wurden die Filme in verschiedenen Kategorien eingeteilt, eine davon „Panorama Contemporano internacional“ – Panorama modernen, internationaler Produktionen. Hier werden auch verschiedene Werke aus der Schweiz, Polen, Italien, Spanien oder Deutschland gezeigt.

Um den Kubanern ein Stück deutscher Kultur zu präsentieren, besuchten wir am Wochenende „Tschick“ im Cine 23 y 12. Neben verschiedener Eindrücke aus Deutschland – Landschaften, Städte und Personen zeigte er auch deutschen Humor. Leider waren wir, die Deutschen, die diejenigen die am lautesten in der Vorstellung gelacht hatten und mussten einige Witze nach dem Film erklären.

Zehn Cent statt zehn Euro

Die zehn Tage Festival bedeuteten für uns auch eine kleine Schnitzeljagd durch Havanna. Auf der Suche nach den verschiedenen Kinosälen entdeckten wir neue Ecken der Hauptstadt und kamen zu einigen Vorstellungen zu spät, weil wir uns natürlich verlaufen hatten.

Von unseren sieben Eintritten schafften wir es nur sechs einzulösen. Trotzdem war ich in den zehn Tagen Festival öfter im Kino als in den letzen zwei Jahren in Deutschland, weil mein Geld dafür meistens nicht reicht. Auf Kuba geht man gerne ins Kino, da jeder es sich hier leisten kann. Der kubanische Staat subventioniert nämlich nicht nur Gesundheit und Lebensmittel, sondern auch Kultur.  Auch außerhalb des Events kostet ein Kinoeintritt in Kuba knapp zehn Eurocent. Jetzt sehe ich es noch weniger ein, für eine Kinovorstellung in Deutschland zehn Euro zu zahlen.

Hier geht es zu weiteren Artikeln von Julia

Warum ich mich auf Kuba manchmal wie eine weisse, überpriviligierte Bonzenbratze fühle – Alltagsanekdoten über sehr sichtbare, manchmal auch befremdliche, aber meist sehr bemerkenswerte kulturelle Unterschiede

Bei uns Zuhause
Wir sitzen bei uns zu Hause am Tisch und schnippeln eine Kokosnuss klein um Curry zu kochen. Es klingelt. Nach einer Runde Nase machen* (Julia verliert) und kurzer Diskussion darüber, ob wir in dieser Situation überhaupt Nase machen sollten (Julia gewinnt), machen wir auf. Die Vermieterin steht vor uns, neben ihr ein Handwerker. Wie selbstverständlich drängelt sie sich nach den Hallo-Küsschen an uns vorbei. Nachdem sie den Handwerker eingewiesen hat, stellt sie sich zu mir in die Küche. „Und, macht ihr Süßigkeiten?“, fragt sie mich.

Weiterlesen

Wie ein kleines Entwicklungsland die ganze Welt verbessert

Internationalismus, das bedeutet weltweite Solidarität. Es bedeutet Opferbereitschaft für eine bessere Welt und für das Wohl aller Menschen, auch außerhalb der eigenen Ländergrenzen,  zu kämpfen. Internationalismus spielte in der kubanischen Politik seit der Revolution  eine erhebliche Rolle. Obwohl Kuba selbst noch als Entwicklungsland gilt unterstütz(e) es viele andere Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika auf verschiedenste Weisen. Bis heute nimmt die kleine Insel großen Einfluss auf das Weltgeschehen durch finanzielle, pädagogische, diplomatische oder militärische Mittel und konnte somit das Leben vieler Menschen erheblich verbessern.

Gelebte Solidarität

Direkt nach der Revolution sorgte die berühmte Alphebitisierungskampagne  dafür dass die Analphabetenrate innerhalb von nur einem Jahr von 24% auf 4% sank. Nach diesem Erfolg, welches kein entwickeltes Land Kuba in so kurzer Zeit zugetraut hatte, wurden junge Kubaner ins Ausland geschickt, um die Kampagne dort fortzusetzen. Die Kubaner bildeten aber nicht nur Analphabeten aus armen Entwicklungsländern, einige wurden auch in reiche Industrieländer geschickt, zum Beispiel nach Frankreich. So beseitigten einige Jugendliche aus einem kleinen, sozialistischen Land, welches sich im Aufbauprozess nach der Revolution befand, ein Problem, was in einem entwickelten Land eigentlich nicht hätte existieren sollen.

In Kuba haben Schüler aus dem Ausland die Möglichkeit kostenlos ein Medizinstudium zu absolvieren, dabei ist  Verpflegung und Unterkunft gratis. Mittlerweile haben Jugendliche aus 122 Länder, auch aus den USA, diese Chance genutzt, die meisten kehren nach ihrer Ausbildung in ihre Heimat zurück. Aber Kuba bildet nicht nur zukünftige Ärzte aus, um die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern, es schickt selbst auch Ärztebrigaden ins Ausland  oder holt Kranke ins Land. Zum Beispiel wurden nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl 15 000 betroffene Kinder an den schönsten Stränden Kubas ärztlich betreut.

Bereits ein Jahr nach der Revolution unterstütze Kuba andere Länder militärisch mit Streitkräften und Beratern oder schickte in zivilen Entwicklungsprogrammen ÄrztInnen, PädagogInnen, BauarbeiterInnen und TechnikerInnen.

Anfang der 80er Jahre waren in Nicaragua fast 7000 Lehrer in ländlichen Regionen im Einsatz, nach einem anti-kommunistischen Attentat meldeten sich an ihrer stelle 100 000 Weitere freiwillig, um an ihre Stelle zu treten.

Ein besonderer Platz in der afrikanischen Geschichte

Besonders in der afrikanischen Geschichte nimmt die militärische und zivile Unterstürzung Kubas einen hohen Stellenwert ein.

Revolutionäre aus verschiedenen afrikanischen Ländern wendeten sich ihren Befreiungskämpfen an die Insel. Viele Ehemalige Kolonien, unteranderem Namibia, Guinea-Bissau oder Algerien konnten mit der Unterstützung Kubas ihre Unabhängigkeit von europäischen Kolonialmächten erlangen. Eines der größten Erfolge, zu welchem Kuba beigetragen hat, ist die Abschaffung des Apartheidregime Südafrikas.

Dabei war es stets wichtig für Kuba die Souveränität und Selbstbestimmung der afrikanischen Akteure zu achten und sich selbst nur als Unterstützer eines Befreiungskampfes zu sehen. Raúl Castro, damaliger Chef der kubanischen Streitkräfte, betonte, dass die kubanischen Truppen sich stehst sittsam und anständig zu verhalten und sich niemals als „Experten aufzuführen“ hätten. Die eigenen Sitten, Bräuche und Religionen der Länder sollten stehst respektiert werden. Kuba nahm nur Einfluss auf den Kampf gegen Imperialismus, Kolonialismus oder anderen Formen der Unterdrückung, ohne dabei auf die eigentliche Kultur einwirken zu wollen.

 

Mit die größten Einsätze hatten die kubanischen SoldatInnen in  Angola und Äthiopien. In Angola kämpften zeitweise 50 000 KubanerInnen gegen die Aggression Südafrikas und dessen Apartheidregimes, in Äthiopien waren 24 000 SoldatenInnen stationiert um Äthiopiens Unabhängigkeit gegen somalische Angriffe zu verteidigen.

Einer dieser Soldaten war unser Projektleiter Julian, der heute Mitte 70 ist. Lang und ausschweifend erzählte er uns eines Abend von dem, was er als junger Mann erlebt hatte. Junge KubanerInnen erhielten in Militärbasen eine Ausbildung und konnten anschließend entscheiden, ob sie im Ausland mitkämpfen möchten. Dabei war es eine große Ehre für sie im Namen des Internationalismus andere Völker zu unterstützen und gegen Unterdrückung und Ausbeutung zu kämpfen. Deswegen wollten viele Jugendliche unbedingt ins Ausland, auch Julian war  enttäuscht, als er zunächst im Inland stationiert wurde, und deswegen sich nicht fürs Ausland melden konnte. Umso glücklicher war er, als seinem Trupp vorgeschlagen wurde beim nächsten Einsatz dabei zu sein. Den Soldaten wurde immer erst kurz vor Abreise aus Sicherheitsgründen gesagt, in welchem Land sie dienen würden, davor hatten sie nochmal die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie in den Krieg ziehen möchten. Die wenigsten entschieden sich dagegen. Nachdem der Trupp von Julian sich entschied zu dienen, wurden sie von Fidel Castro persönlich verabschiedet und erfuhren, dass es nach Äthiopien ging. Ihnen wurde  die Analyse zur Lage vor Ort vorgestellt und Julian erinnert sich noch heute an die Rede, Fidel sagte ihnen, dass er nicht selbst in den internationalistischen Kriegseinsatz ziehen könne, aber in Gedanken bei ihnen sein werde, er sei wie ihr Vater und sie seien wie seine eigenen Kinder.

Für mich ist es unvorstellbar heute, dass Menschen in den Krieg u.a. nach Angola oder Äthiopien gezogen sind, um völlig fremden Menschen ein besseres Leben zu erkämpfen und sie ihn Revolutions-, Aufbau- oder Befreiungsprozessen zu unterstützen. Ohne diese Menschen zu kennen, noch in in keinster Weise mit ihnen verbunden zu sein, weder durch Geschichte noch Herkunft.

Dank dieser gelebten Solidarität mit dem afrikanischen Volk, hat Kuba bis heute eine sehr gute Beziehung zu vielen afrikanischen Ländern. Nelson Mandela persönlich betonte die Rolle Kubas für Afrika: „Wir in Afrika sind daran gewöhnt, Opfer von Nationen zu sein, die sich unser Länder bemächtigten oder unsere Souveränität untergraben wollen. In der ganzen Geschichte Afrikas, ist dies das erste Mal, dass ein ausländisches Volk aufgestanden ist, um eines unsere Länder zu verteidigen. […] Das kubanische Volk nimmt daher einen besonderen Platz in den Herzen der Völker Afrikas ein.

Operación Tributo

Nicht alle KubanerInnen sind aus diesen internationalistischen Kriegseinsätzen zurückgekehrt –

Am 7. Dezember 1989 wurden die Gefallen aus den Kriegen in Afrika zurück in die Heimat gebracht und dort beerdigt. An diesen Akt namens „Operación Tributo“ wird jedes Jahr erinnert. Es finden traditionell Trauermärsche zu den Gräbern statt, um den Gefallenen zu gedenken.

Anfang Dezember besuchten wir Cabaiguan, einer Kleinstadt mit 32 000 Einwohnern, und nahmen an der Zeremonie vor Ort teil. Der Trauermarsch begann um 8 Uhr morgens. In der Innenstadt sammelten sich die SchülerInnen aller Jahrgangsstufen die BewohnerInnen der Stadt und die angereisten Angehörigen der Gefallenen. Zu einem Militärmarsch lief die Menschenmasse aus der Stadt raus zum Friedhof. Dort hielt ein Vertreter der Kommunistischen Partei Kubas, PCC, eine Rede zu der Bedeutung des Internationalismus für Kuba und für die Welt. Nach der Hymne wurden Kanonenschüsse gefeuert, um den Toten zu salutieren. Anschließend wurden Blumen an die Grabtafeln der Urnen gelegt. Um einige Täfelchen standen kleine Grüppchen Familienangehöriger und dekorierten sie mit selbstgemachten Blumenkränzen, Fotos oder stellten Kerzen auf den Boden.

 

Zwischen den Wänden, in denen die Urnen der Gefallenen standen, wimmelte eine Grundschulklasse. Die Lehrerin erzählte ihnen von den SoldatenInnen und den Kriegen, es wurde sehr persönlich und emotional als sie von ihrem Bruder erzählte, der ebenfalls auf diesem Friedhof beerdigt war. Danach meldete sich ein Junge, nicht älter als 10, und zeigte auf zwei Grabtafeln und erzählte, dass dahinter die Urnen seiner verstorbenen Großonkel standen, die in Angola gekämpft haben. Die Lehrerin sagte, er könne stolz auf seine mutigen und internationalistischen Verstorbenen sein, so wie sie stolz auf ihren Bruder sei. Einige der GrundschülerInnen weinten, auch einige von uns mussten sich zusammenreißen. Für mich war es so emotional, weil alleine in Cabaiguan, einer relativ kleinen Stadt, mehrere Hundert Gefallene lagen. Hinter jeder der Grabtafeln befand sich eine Person mit Persönlichkeit, Geschichte und Familie.

Hinter jeder Grabtafel steckte ein/e überzeugter SozialistInnen, einige kaum älter als 18, die bereit gewesen waren ihr Leben zu lassen, damit ihm ein völlig Fremder ein Besseres haben konnten.

Wer verteidigt die Menschenrechte wirklich?

Mich schockiert, aber es überrascht mich nicht, das man über die Einsätze Kubas absolut nichts erfährt, wenn man sich nicht konkret damit auseinandersetzt. Allgemein erfährt man in der Schule in Geschichte wenig darüber, wie die damaligen Kolonien sich befreit haben. Fast wirkt es so, als wären die Kolonialherren sehr gütig gewesen und hätten eigenständig ihre Länder befreit. Als ob nicht mehre Hundetausend AfrikanerInnen und KubanerInnen für das Wohl der unterdrückten Völker in Befreiungskämpfen gestorben wären.

Das Kuba als sozialistischen Landes erheblichen Einfluss darauf hatte, wäre aber schädlich für das Image der deutschen Kriegspolitik. Schließlich ist es schwer zu rechtfertigen, dass Milliarden von Euro in die Bundeswehr gesteckt werden und kein vergleichbarer Erfolg zu verzeichnen ist, während ein kleines Entwicklungsland mehren Ländern die Unabhängigkeit gebracht hat. Die Bundeswehr wird immer wieder als der Verteidiger der Menschenrechte dargestellt, doch außer für die kapitalistischen Interessen der Großkonzerne zu kämpfen und Ressourcen  und Handelswege zu verteidigen,  haben sie nichts vorzuzeigen. Meistens hinterlässt ein Bundeswehreinsatz das intervenierte Land in noch schlechteren Konditionen als davor. Kuba aber schickte nach dem Krieg in Angola weitere 50 000 freiwillige LehrerInnen, TechnikerInnen  und ÄrztInnen um den Wiederaufbau zu unterstützen. Und das alles als Entwicklungsland – nur dank dem Klassenbewusstsein der kleinen, karibischen Insel.

Hier geht´s zu weiteren Artikeln von Julia

Hintergrundlärm – Alltagsleben in einem kubanischen Wohnblock

Vom Balkon aus

Ich sitze auf meinem Balkon, im zweiten Stockwerk eines fünf Etagen hohen Wohnblocks. Ich blicke, wenn ich gerade ausschaue, auf die graue Wand eines identischen Wohnhauses. Neben den zwei Blocks, die senkrecht aufeinandertreffen, befindet sich eine kleine, dazugehörige Grünfläche, die von den Häusern umrahmt wird. Dort unten laufen Hunde frei herum, die Haushunde unterscheiden sich deutlich von den Straßenhunden mit ihrem glänzenden Fell und runden Bäuchen. Die Hunde machen sich ein Spaß daraus die vielen Hennen mit ihren Küken, die ihnen auf Schritt und Tritt folgen, zu jagen. Ein halbes Dutzend Hähne stolziert herum, einer lauter als der andere. Eine Frau kippt den restlichen Reis vom Mittagessen auf eine Schale für die Tiere, damit ihr Mann sie später im Hinterhof in einem selbstgebastelten Käfig auf Draht und Wellblech fangen und schlachten kann. Unter einem großen Baum spiele die Kinder aus den Wohnhäusern lautstark fangen. Daneben diskutieren ihre Väter neben einem geparkten Lada genauso laut, wie man ihn am besten repariert, während einer von ihnen unter dem Auto liegt und auf Anweisung wartet.

Weiterlesen