Un viaje sin esperanza de regreso – Eine Reise ohne Hoffnung auf Rückkehr

Um 1870 kamen viele Chinesen nach Kuba ohne Hoffnung auf Rückkehr. Hier haben sie ein neues Zuhause gefunden – Eine Unterhaltung

Dieses Interview ist nicht bei einem Spaziergang durch Chinatown in Havanna entstanden, sondern durch eine Bekanntschaft, durch gegenseitige Freundschaft und die Verbindung mit der Familie Sichuan. Hier bedanke ich mich bei der ganzen Familie, insbesondere bei Oma und Opa und allen ihren Kindern, Enkelkindern und natürlich bei Sichuan, dessen Namen hier auf seinen Wunsch geändert wurde.

Ramon Sichuan, erzählen Sie bitte, wann und warum ist ihr Vater hier her nach Cuba gezogen?

Die ökonomische und wirtschaftliche Situation in China war zu dieser Zeit sehr kritisch. Hunger und Elend waren überall in China verbreitet. Mein Vater ging aus Kwongtung in Südchina nach Nicaragua und von dort aus weiter nach Cuba. Er war 25 Jahre alt, als er mit seinem Onkel in Cuba ankam.

Ramon Sichuan zeigt mir viele Dokumente und Bilder sowie die original Geburtsurkunde seines Vaters. Auf einem Bild steht ein 100% chinesisch aussehender, junger Mann, der sich an einer Straßenecke in Sancti Spiritus mit einem charmanten Lächeln fotografieren lässt.

Mein Vater hat hier gearbeitet, seine Familie in China unterstützt und ging nach ein paar Jahren nach China zurück. Er hatte ein eigenes Geschäft, war selbstständig. Das Klima, sowie die Landschaft in Kwongtung ist dem in Cuba sehr ähnlich. Viele Arbeitstüchtige kamen hier her, um fleißig zu arbeiten, tüchtig wie die Cubaner. In der Zeit sind viele Chinesen nach ganz Amerika gekommen. In ganz China waren Hunger und Tod an der Tagesordnung. Tod oder Leben, deswegen mussten viele ihre Heimat verlassen. Für die Chinesen ist die Familie sehr wichtig, weshalb sie diese von Cuba aus unterstützen wollten. Anfang 1900, als viele Chinesen nach Cuba kamen, wurden sie sogar als Sklaven eingesetzt und ausgebeutet. Obwohl es zu dieser Zeit offiziell keine Sklaven mehr gab, waren sie diejenige Gruppe, die nach der schwarzen Bevölkerung am meisten ausgebeutet wurden. 1930 kamen dann Chinesen nach Cuba, die dort Geschäfte betrieben. Mein Vater war einer von ihnen. Er hat einen Laden gehabt und mit seiner Arbeit, seine Familie in China und seine Familie hier in Cuba unterstützt.

Hintergründe über die Geschichte der Immigration der Chinesen in Cuba: „1847 kamen 199 Chinesen nach Cuba. 1872 ist die Zahl der Chinesen auf 58400 angestiegen. Davon waren 32 Frauen, nur 2 von ihnen haben Arbeit gehabt. In der Zeit hat Cuba mehr schwarze Bevölkerung gehabt, als weiße, es gab 80.000 mehr Schwarze, als Weiße. Ende des 19. Jahrhunderts ist die Zahl der Chinesen auf 120.000 angestiegen. Die Chinesen wurden ausgebeutet, sie haben für ihre Arbeit pro Woche einen Peso bekommen und haben einen Arbeitsvertrag für 8 Jahre abschließen müssen. Zu dem Peso bekamen sie lediglich 1kg Reis, 250g Fleisch oder Fisch und insgesamt 2 Kleidungsstücke für die gesamten 8 Jahre. Die Chinesen waren damals als „bessere Sklaven“ als die Schwarzen, durch die herrschende Klasse angesehen. 1920 begann die Ankunft der chinesischen Geschäftsleute, die nach Cuba kamen. Einige kamen über Californien nach Cuba. 1930 – 1950 haben die Chinesen mit mehr kommerziellen Geschäften (Hotel, Bäckerei, Restaurants – sogenannten „fundas“) angefangen. 1940 – 1950 wurde das chinesische Viertel „Barrio Chino“ in Havanna erbaut. Ab jetzt arbeiteten sie nicht mehr wie Sklaven. In dieser Zeit gab es Beziehungen und Heiraten zwischen Chinesen und Schwarzen, Mulatten und Weißen.  Ein Beispiel ist eine Ehe zwischen einer weißen Cubanerin und einem Chinesen aus Canton. Der Chinese aus Canton heiratete die Cubanerin, deren Mutter aus Frankreich und deren Vater aus Spanien stammten. Chinesen sind nach den Weißen und Schwarzen die drittgrößte Bevölkerungsschicht in Cuba.“1.

Ihr Vater kam mit 25 Jahren hier her und erreichte eine Insel mit einer komplett anderen Kultur und Sprache und lernt dort ihre Mutter aus Ostcuba kennen. Er erlebte in den 50-er Jahren absolute Armut, Elend und Gewalt, der Herrschaft der Diktatur Batistas. Was hat er Ihnen darüber erzählt?

Mein Vater, wie auch die anderen Chinesen, haben viel gearbeitet. Sie machten fast 10% (Schwarze aus Afrika: 30%, Weiße aus Spanien: 60%) der Bevölkerung Cubas aus. Das ist auch bis heute noch so. Vor der Batistazeit und während seiner Machtergreifung hat mein Vater das ganze Elend und die Mafia-Herrschaft miterlebt und gesehen. Er war wenig im Kontakt mit der Revolutionsbewegung. Drei Generäle, die eine chinesische Herkunft hatten, haben mit und für die Revolution gearbeitet und diese unterstützt. Sie wirkten viel für die Freiheit Cubas und gegen die Batista-Diktatur mit. Bis heute sind viele Chinesen an sozialer, politischer und gesellschaftlicher Arbeit beteiligt.

Sie sind Sohn eines Chinesen und einer Cubanerin, in Sancti Spiritus geboren, haben dort Schule und Gymnasium sowie ein 5-jähriges Studium als Elektroingenieur erfolgreich abgeschlossen. Das als Immigrantenkind aus einer einfachen Familie mit Arbeiterverhältnissen. Sie haben sich weitergebildet, qualifiziert und arbeiten heute als Chef eines großen Elektroversorgungszentrums für die ganze Provinz Villa Clara. Wie ist das alles möglich? Erklären sie mir das!

Ich bin kurz vor der Revolution 1959 geboren. Damals zur Batistazeit gab es mehr Kasernen als Schulen und Universitäten. Es gab mehr Offiziere, Soldaten und Generäle, als Studierende. Zur Zeit des Generals Batista gab es auf der ganzen Insel 50.000 Studierende, heute gibt es über 550.000 Studierende auf Cuba. Das ist ein Prinzip der cubanischen Revolution, allen ein Studium zu ermöglichen und Bildung umsonst zu garantieren,  ohne Unterschiede bezüglich der Herkunft. Dass alle studieren und sich weiterbilden können, um ihren persönlichen Weg zu finden, ist ein Menschenrecht. Das ist für mich totale Freiheit. Ich habe 2 Geschwister, mein Bruder ist Professor an der Universität in Havanna und meine Schwester ist auch Wissenschaftlerin.

 

In der Spezialperiode in den 90-er Jahren war die Energieversorgung sehr knapp, sogar gab es in Havanna über viele Jahre nur 30min Strom am Tag. Was ist passiert, dass es jetzt seit vielen Jahren im ganzen Land fast keine Stromausfälle mehr gibt?

Seit 2000 haben wir in ganz Cuba Stabilität im Energiesektor. Wir haben viele Kooperationen mit Venezuela. Zwei Aspekte sind hier, für die Verbesserung der Energieversorgung zentral: 1. Wir arbeiten mit Venezuela zusammen. 2. Haben wir viele Versorgungsmaßnahmen ergriffen. Wir haben viele Maschinen gekauft und seit ein paar Jahren läuft ein Modernisierungsprozess der Stromversorgung.

Sie sind neulich aus China zurückgekommen, was haben sie dort gemacht?

Ich und ein Kollege von mir sind wegen der Arbeit nach China gefahren. Es war für mich sehr interessant dort, ich war noch nie in China. Vor 2 Jahren waren wir auch zum ersten mal wegen der Arbeit in Deutschland, in der Schweiz, Österreich und in Osteuropa. Wir müssen alles tun, dass die Stromversorgung weiterhin stabilisiert und modernisiert wird. Wir tun alles, was wir können.

Juli 1958 in der Sierra Maestra: „Der Gedanke, die Sierra Maestra zu verlasen, kam mir noch nicht einmal in den Sinn, als ich nur über drei Männer und zwei Gewehre verfügte. Dieser Geist hat das Bewusstsein unserer Kämpfer geprägt. Wir haben gelernt, gegen das Unmögliche zu kämpfen.“ (Fidel Castro)

 

1. Ernesto Pérez Chang, 2014: Chinos y la cocina de los chinos en Cuba. Editorial Arte y Literatura, La Habana.

 

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